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Sensationsfund: Geldscheine unter den Klaviertasten!

Dutzende 500er-Scheine

Da staunte der Klavierbauer nicht schlecht, als er das alte Polen-Klavier auseinanderbaute. Mehrere Bündel an Geld liegen dort, aber weder Euro oder D-Mark, sondern polnische Zloty.

Kamen

, 02.05.2019 / Lesedauer: 3 min
Sensationsfund: Geldscheine unter den Klaviertasten!

Was für eine Überraschung: Klavierbau-Azubi Marc Jacka findet bei der Restauration eines polnischen Kundenklaviers Zloty-Noten im Wert von nahezu 6000 Euro. © Stefan Milk

Was für eine Überraschung, als Marc Jacka die Klaviatur des polnischen Klaviers anhebt. Der Auszubildende der Klavier- und Flügelgalerie Maiwald blickt auf mehrere Geldbündel, die dort nebeneinander verstaut sind, jeder Schein versehen mit einer großen 500. Doch nicht etwa Euro, sondern Zloty. Die Währung aus dem Nachbarland Polen. „Wir haben gezählt: Es sind 25.000 Zloty“, berichtet Klavierbauer Frank Maiwald, Geschäftsführer des Betriebs an der Herbert-Wehner-Straße 1. Ein Zloty entspricht nach aktuellem Wechselkurs etwa 0,23 Euro. Das sind demnach 5750 Euro.

Große Freude bei den Besitzern

50 Scheine in polnischer Währung. Das Geld verbleibt freilich nicht in dem Betrieb, das im Jahr 1983 durch den selbstständigen Klavierbaumeister Friedhorst Maiwald unter dem Namen „Piano Maiwald“ gegründet wurde und jetzt von den Brüdern Frank und André Maiwald geleitet wird. „Wir haben die Familie sofort verständigt, die uns den Auftrag gegeben hat. Dort hat man sich wahnsinnig gefreut“, sagt Frank Maiwald. Denn der Geldbetrag übersteigt den Wert des Klaviers um ein vielfaches.

Und somit hat die Familie, die im Kreis Unna lebt, noch Glück im Unglück. Denn das Piano landete nur bei Maiwald, weil es wegen eines Wohnungsbrandes gereinigt werden musste, ein Versicherungsfall. Ansonsten wäre das etwa 50 Jahre alte Klavier der Marke „Caliesia“ wohl auf dem Sperrmüll gelandet. Das Geld hat womöglich schon einige Jahrzehnte unbemerkt unter der Tastatur gelegen. „Die Familie stammt aus Polen und hatte einst das Klavier von dort mitgebracht“, erfuhr Maiwald im Gespräch mit der Familie, die nicht genannt werden möchte.

Das Klavier, ein Familienerbstück, war bei dem Brand nicht beschädigt, sondern nur verschmutzt worden. „Wir mussten es ganz auseinander bauen, reinigen und neu stimmen“, so Maiwald. Das Geld ist freilich nicht wieder hineingelegt worden.

Sensationsfund: Geldscheine unter den Klaviertasten!

André Maiwald im Jahr 2014 mit einem Neo-Bechstein-Flügel aus dem Jahr 1932. Lediglich 150 Flügel wurden produziert, weltweit gibt es nur noch 28. Hier richtete er einen sogenannten „Pickup“, den ersten elektrischen Tonabnehmer der Musik- und Elektrotechnikgeschichte. © Stefan Milk

Filiale im Konzerthaus seit 2013

Bis 1999 lag der Familienbetrieb in der Kamener Innenstadt, bevor er sich an der Herbert-Wehner-Straße vergrößerte. Seit Anfang 2013 gibt es zudem eine Filiale „am Herzschlag der Musik“, so die Familie: Im Foyer des Konzerthauses Dortmund unter dem Namen „Maiwald Klaviere & Flügel im Konzerthaus“. In den Instrumenten, die die Kamener Klavierbauer restaurieren, lebt oft eher die Geschichte, als dass dort Geldscheine liegen. Immer wieder haben sie in den vergangenen Jahren Raritäten aufgearbeitet. Wie den Konzertflügel, der der Musikgeschichte mit der Duplex-Skala buchstäblich Flügel verlieh: Hermann von Helmholtz (1821-1894), bedeutender Physiologe und Physiker, gelang mit dem 1871 in New York gebauten Instrument die Jahrhunderterfindung des Klavierbaus. Es ist das erste Instrument, das die Verlängerung der klingenden Saite in sich trägt. Der Physiker Helmholtz hat den Einbau, der Töne heller und brillanter klingen lässt, entwickelt. Nun steht das Instrument im Deutschen Museum in Berlin.

Instrumente atmen oft Musikgeschichte

Auch ein anderes Instrument, das Maiwald aufarbeitete, atmet Musikgeschichte. Der Vorreiter für elektrisch hörbar gemachte Musik – für E-Gitarre, Heimorgel und selbst den Plattenspieler, der das Grammophon ablöste – war ein Flügel, der den Namen „Neo-Bechstein“ trug. Entwickelt wurde er von den sich zu Konzernen aufschwingenden Unternehmen Telefunken und Siemens, bevor 1932 die ersten Instrumente in den Handel geliefert wurden. Geschichte auf Tastendruck gab es auch, als Maiwald einen einzigartigen Flügel, inspiriert von Wagners Nibelungen-Saga, aus dem Jahr 1896 restaurierte. Der Klavierbauer Carl Bechstein hatte damals selbst Hand angelegt, um den besonderen Flügel für die Berliner Gewerbeausstellung 1898 anzufertigen – eine Ausstellung, die Kaiser Wilhelm II. ausrichten ließ, um einen Kontrapunkt gegen die verschwenderischen Weltausstellungen zu setzen. Erst Anfang der 80er-Jahre tauchte der verschollene Flügel bei einer Auktion in einem renommierten britischen Auktionshaus auf. Der jüdische Diamantenhändler Danny Fiszman, damals in der Liste der reichsten Briten auf Platz 36, ersteigerte ihn. Fiszman war nicht nur an Musik interessiert. Ihm gehörte zu dieser Zeit zu Teilen auch der Fußballclub Arsenal London.

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