Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Die Benefiz-Hafle lockt zahlreiche Jugendliche ins Jugendkulturcafé. Viele von ihnen sind selbst aus ihrer Heimat geflüchtet. Gemeinsam wollen sie etwas für Flüchtlingskinder im Libanon tun.

von Niklas Mallitzky

Kamen

, 10.02.2019 / Lesedauer: 4 min

Herzhaftes Couscous mit Hähnchen, leckere Hackbällchen und frisches Fladenbrot – hungrig muss bei der ersten Benefiz-Hafle am Freitagabend im Jugendkulturcafé am Postpark (JKC) sicher niemand nach Hause gehen. Hisham und seine Freunde haben ein wahres Festbankett hergerichtet, mit dem sie gemeinsam Geld für den guten Zweck sammeln wollen. Und all das nur, weil Hisham nicht mehr schlafen konnte.

Orientalische Spezialitäten bringen Jugendliche zusammen

Hisham Hawari (19) ist gerührt, dass so viele Besucher mitgeholfen haben. © Stefan Milk Stefan Milk

Bilder nicht losgeworden

Regelmäßig gehen Bilder um die Welt, die das Elend der Menschen in den Flüchtlingslagern im Libanon zeigen. Es sind Bilder, die den 19-jährigen Hisham Hawari nicht mehr loslassen. „Ich konnte einfach nicht mehr schlafen“, erzählt Hisham, während die Gäste im JKC ausgelassen feiern. „Die Situation der Kinder in den Flüchtlingslagern hat mich sehr bedrückt.“ Besonders jetzt im Winter ist die Not dort groß, Hisham musste handeln. So entstand die Idee zur Benefiz-Hafle. „Geld habe ich zwar selbst kaum“, so Hisham, „aber so kann ich vielleicht trotzdem helfen.“

Seit Oktober vergangenen Jahres leistet der junge Syrer seinen Bundesfreiwilligendienst im JKC. Der Leiter der Einrichtung, Ferit Altas, kann nur Gutes über seinen Schützling berichten: „Hisham ist hilfsbereit, sehr intelligent und sprachbegabt.“ Tatsächlich spricht Hisham fließend Deutsch, obwohl er erst seit rund einem Jahr in Deutschland lebt. Er selbst kam mit dem Flugzeug nach Deutschland, genauso wie seine Mutter und sein 14-jähriger Bruder Omar. Möglich wurde dies im Zuge der Familienzusammenführung. Sein Vater Mazen kam bereits 2015 nach Deutschland. In der Türkei bestieg er eines der unzähligen Schlauchboote und wagte die Überfahrt, bei der bereits tausende Menschen ihr Leben ließen. Seitdem hilft der gelernte Elektriker auch im Reparaturcafé des JKC aus und ist auf der Suche nach einem Job.

Orientalische Spezialitäten bringen Jugendliche zusammen

Insgesamt 210 Euro landeten am Ende des Abends in der Spendenbox, für alle Beteiligten ein echter Erfolg.Milk © Stefan Milk

Damaskus Heimatstadt

Bis zur Familienzusammenführung lebte Hisham weiter in Damaskus, seiner Heimatstadt. Natürlich sei er auch weiter zur Schule gegangen, erinnert er sich: „Es ist nicht so, dass dort gar kein Leben mehr möglich wäre. Es gibt noch geöffnete Schulen und Geschäfte, aber Angst und die Gefahr sind ständige Begleiter.“ In den Wirren des Bürgerkriegs hat der heute 19-Jährige grauenvolle Dinge erlebt. „Besonders schlimm war der Anblick von toten Kindern in den Straßen.“ Auch das eigene Familienhaus ist mittlerweile vollständig zerstört. Wer genau dafür verantwortlich ist, lasse sich kaum klären, so Hisham. „Angriffe kommen von allen Seiten, der Regierung, oppositionellen Kräften und dem IS.“

Viele der rund 40 Besucher der Hafle, was auf arabisch soviel wie Party bedeutet, haben Ähnliches erlebt. Auch deshalb helfen sie alle mit. Nachdem Hisham ihnen von der Hafle berichtet hatte, sagten sie sofort zu. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben viele Speisen an diesem Abend selbst mitgebracht, der Rest stammt von Hisham und Altas. Die meisten spenden zudem Geld, obwohl auch sie kaum welches haben.

Eine Party braucht natürlich auch Musik. Die kommt am Freitagabend auch von al-Hamza an der Gitarre, selbst seit zwei Jahren in Deutschland. Das Gitarrenspiel hat er sich hier selbst beigebracht. Begleitet wird er von dem 27-jährigen Murat Ulusan an der Saz. Ulusan war schon als Kind fasziniert von dem Instrument seines Vaters und ist mittlerweile zum echten Virtuosen avanciert. Als Altas ihm von der Hafle berichtete, war er sofort Feuer und Flamme, so Ulusan: „Ich kenne Ferit schon so lange, da war es für mich selbstverständlich, hier mitzumachen.“

Orientalische Spezialitäten bringen Jugendliche zusammen

Die schmackhaften Gerichte sind kostenlos. Dafür hofften die Jugendlichen auf möglichst viele Spenden.Milk © Stefan Milk

„Muss quasseln können“

Nachdem die Musiker die Bühne geräumt haben, betätigen sich die Jugendlichen selbst als DJ. Arabische Lieder stehen genauso auf dem Programm wie aktuelle Hits aus den Charts. Die Stimmung ist ausgelassen, der 20-jährige Safar macht, wie auf arabischen Partys üblich, den Anheizer am Mikrofon. „Dafür muss man einfach quasseln können“, so Safar mit einem breiten Grinsen im Gesicht. „Und das kann ich gut!“

Insgesamt 210 Euro kommen an dem Abend zusammen, Hisham ist erleichtert: „Das macht mich glücklich. Ich bin froh, hier in Deutschland so gut aufgenommen zu werden. Das ist nicht selbstverständlich.“ Das Geld spenden er und Altas an den „UNHCR“, eine Organisation der UNO zum Schutz von Flüchtlingen.

Lesen Sie jetzt