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Nur acht Jahre Kunst gemacht

Kunst

Heinz Siggemann, ein fast vergessener Maler, wurde in Kamen geboren. Er starb bei einem tragischen Unfall bereits mit 28 Jahren. Ein besonderes Werk des Künstlers ist nun Kunstwerk des Monats im Gustav-Lübcke-Museum Hamm.

Kamen

30.06.2018 / Lesedauer: 3 min
Nur acht Jahre Kunst gemacht

Das Werk zeigt das Gesicht einer jungen Französin in direkter Ansicht, gleichsam als überraschende Momentaufnahme etwas diagonal ins Bild gesetzt.

Ein besonderes Werk eines Kamener Künstlers ist Kunstwerk des Monats im Gustav-Lübcke-Museum Hamm. Es handelt sich um das Gemälde mit der Porträtdarstellung einer jungen Französin, 1938 gemalt von Heinz Siggemann, einem fast vergessenen Maler.

Siggemann, 1917 in Kamen geboren, wuchs in Hamm auf und lernte bei dem Kunstlehrer und Maler Theo Hölscher, der wesentlich dazu beitrug, dass der in seinen Augen höchst talentierte, blutjunge Schüler in der Berliner Kunstakademie aufgenommen wurde. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges musste Siggemann sein Studium unterbrechen. Er diente als Soldat und wurde verwundet. 1945 in die Lippstadt zurückgekehrt, war er voller Tatendrang, die Kunstszene mit anderen Künstlern der Region neu zu beleben. Nur wenige Monate später wurde sein Leben abrupt beendet. Er starb mit 28 Jahren infolge eines tragischen Unfalls – sein Schaffen währte nur acht Jahre.

Das Werk von Siggemann zeichnet sich durch ein großes Interesse am Menschen aus. Bereits als Schüler porträtierte er seine Lehrer und Mitschüler. Die meisten Bildnisse schuf er von vielen Models in der Akademie, die sich auf diese Weise ihren Lebensunterhalt verdienten. In Matrei, Osttirol, inspirierte ihn zwar auch die Landschaft, jedoch häufiger suchte er seine Motive bei der Bauernschaft. Auch Soldaten – die erschöpften, niedergeschlagenen und verwundeten – waren für den Künstler darstellungswürdig. Ein Vorbild für ihn war Käthe Kollwitz, deren von Hunger, Elend und Not gekennzeichnete Menschenbilder bei dem jungen Westfalen einen besonderen Eindruck hinterließen.

Zu dem hier abgebildeten Gemälde wurde Siggemann möglicherweise auf seiner mit Anfang 20 durchgeführten Parisreise angeregt. Es zeigt das Gesicht einer jungen Französin in direkter Ansicht, gleichsam als überraschende Momentaufnahme etwas diagonal ins Bild gesetzt. Der Maler suchte sich hier, vermutlich beeinflusst durch die Pariser Szene, im Malvorgang von der äußeren Festlegung zu lösen. Das Porträt scheint ohne grafische Elemente im Schaffensvorgang selbst allein aus dem freien, teils flüchtigen Pinselduktus erwachsen. In den Menschenbildern von Siggemann wird man heftigen Aktionismus vergeblich suchen. Seine Figuren kommen nie aufgeregt daher, sondern äußern sich sensibel und zurückhaltend. Der Künstler suchte deren innere Gefühlswelt zu erahnen, indem er sie mit einer gewissen Melancholie umgab. So gesehen sind Siggemanns Porträts Seelenlandschaften. Mit der Vorstellung des Kunstwerks wird nicht nur ein einheimischer Künstler aus der Versenkung geholt, sondern gleichzeitig auf eine erneute Schenkung aufmerksam gemacht.

Denn das Bild zählt zu einer Schenkung, die rund 20 Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen umfasst, und vor Kurzem von der Familie des Künstlers dem Museum übereignet wurde.

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