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Schulen unterlaufen das Prinzip der Mülltrennung. In vielen Klassenzimmern landet alles in einem Eimer. Kamener Schüler aus der „Fridays for Future“-Bewegung wollen das ändern.

09.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Blaue, gelbe, grüne oder schwarze Tonne? Das ist eine Frage, die selbst Kinder schon beantworten können. Mama und Papa machen vor, wie richtige Mülltrennung funktioniert - oder aber, wie die Frage nach der richtigen Tonne zur Verzweiflung führt. Im Kindergarten erklärt die Umweltberaterin schon den Kleinsten, dass der Umwelt zuliebe Müll selbstverständlich sortiert wird.

Deutschland gilt als Recycling-Weltmeister. Für die Mülltrennung gibt es trotz Kritik - nicht alles wird recycelt, sondern verbrannt - viele gute Gründe. Aber ausgerechnet Schulen gehen nicht mit gutem Beispiel voran, weil es mit der Umsetzung hapert. „Setzen, sechs!“ müsste es heißen, wenn Müllsortierung ein Schulfach wäre. Wo in Privathaushalten teilweise streng sortiert wird, sind Schulen gar nicht auf Mülltrennung eingestellt.

Kritischer Blick auf die Mülleimer im Klassenzimmer

Kamener Schüler haben jetzt die Frage aufgeworfen, warum denn an ihrer Schule keine Mülltrennung praktiziert wird, sondern jeweils nur ein einziger Abfalleimer im Klassenzimmer steht. Aufgekommen ist die Frage am Kamener Gymnasium, als Schülervertreterinnen wie Jona Krollmann und Donia Gutapfel die erste Kamener Schülerdemo für Klimaschutz im Rahmen der „Fridays for Future“-Bewegung organisierten. Es heißt, dass Klimaschutz schon im Kleinen anfängt. Also warfen die Schüler einen kritischen Blick auf die Mülleimer in ihren Klassenzimmern und passten die Reinigungskräfte bei ihrer Arbeit ab, um sie nach der Möglichkeit der Mülltrennung zu fragen.

Nicht alles in einen Eimer: Jugendliche fordern Mülltrennung an Schulen

Kamener Schüler, die sich für Ziele der „Fridays for Future“-Bewegung einsetzen und die erste Kamener Klimaschutz-Schülerdemo mit organisierten: (v.l.) Donia Gutapfel, Elias Bauer, Jona Krollmann. © Borys Sarad

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Schüler finden: Mülltrennung ist eine gute Idee

Der Schulhof des Gymnasiums am vorigen Dienstag. Ein Hausmeister ist gerade mit einem Müllzange unterwegs und pickt herumliegende Verpackungen auf. „Drei bis vier Müllsäcke“, erzählt er, kommen jeden Tag zusammen. Das sei Abfall, der auf dem Schulhof weggeworfen werde, nicht allein von Schülern des Gymnasiums und nicht bloß während der Schulzeit. Zu dem Vorschlag der Schüler, die Mülltrennung im Klassenzimmer einzuführen, hat der Hausmeister eine klare Meinung. „Das ist Wahnsinn“, sagt er angesichts des zusätzlichen Aufwands für die Reinigungskolonnen. Viel wichtiger sei es, den Müll zu vermeiden.

Es hat geklingelt, die Schüler strömen aus dem Gebäude. „Mülltrennung ist eine gut Idee“, sagt ein 16 Jahre alter Gymnasiast, angesprochen auf die Schülerinitiative. „Ich könnte mir vorstellen, dass die Umsetzung schwierig ist.“ Und eine 14-jährige Schülerin meint: „Wenn der Müll nicht getrennt wird, ist das nicht so gut für die Umwelt.“

Nicht alles in einen Eimer: Jugendliche fordern Mülltrennung an Schulen

Stellvertretender Schulleiter Lars Wollny präsentiert einen Reinigungswagen: Nicht für Mülltrennung ausgelegt. © Stefan Milk Stefan Milk

Putzfrauen meinen: Das kann nicht funktionieren

In einem langen Flur des Gymnasiums bleibt der stellvertretende Schulleiter Lars Wollny vor einer Tür mit der Aufschrift „Kunstsammlung“ stehen. Er schließt auf, und statt Kunst kommt ein Reinigungswagen zum Vorschein. Eine Gruppe von acht Mitarbeiterinnen der Reinigungsfirma Piepenbrock ist soeben zum Dienst erschienen und wird von Wollny begrüßt. „Jede von uns leert auf ihrer Runde etwa zehn bis zwölf Mülleimer“, sagt die Vorarbeiterin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Die Putzfrau bestätigt, dass es in jeder Klasse nur einen Mülleimer gibt. „Die Schüler werfen alles Mögliche weg - vom Döner bis zur Plastikflasche.“ Es ist nicht Aufgabe der Reinigungskräfte, den Müll aus dem Eimer zu klauben und zu sortieren. Würde das Gymnasium die Mülltrennung konsequent einführen, müssten Behälter für Papier, Verpackungsabfall, Glas und Restmüll her, und die Reinigungswagen müssten aufgerüstet werden. Das wiederum würde den Aufwand für die Putzkolonne erhöhen. Außerdem müssten sich alle an die Müll-Regeln halten. Die Vorarbeiterin meint: „Ich habe mal an einer Schule gearbeitet, die die Mülltrennung eingeführt hat. Nach drei Monaten war Schluss, weil es nicht geklappt hat.“

Schulleiterin begrüßt Schüler-Initiative, ist aber skeptisch

Schulleiterin Angelika Remmers begrüßt die Initiative der Schüler, ist aber skeptisch, was die Umsetzung angeht. „Das würde eine enorme Selbstdisziplin der Schüler erfordern“, schrieb sie der Schülervertretung. „Es würde zwangsläufig bedeuten, dass ein Klassen- oder Kursdienst die besonderen Eimer (gelbe und blaue Tonne sowie Kompost) selbst leeren müsste.“ Das könne nur funktionieren, wenn sich Klassen und Kurse erst einmal für eine Testphase freiwillig melden. Es bleibt also vorerst offen, wie erfolgreich die Schüler mit ihrer Initiative sein werden. So lange wird der Müll am Gymnasium nur im Lehrerzimmer und in den Büros getrennt.

Nicht alles in einen Eimer: Jugendliche fordern Mülltrennung an Schulen

Hausmeister beim Müllpicken auf dem Schulhof: drei bis vier Säcke täglich. © Stefan Milk

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