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Mutter, Vater, Asylbewerber: Willkommen bei den Hartmanns!

dzTheater in der Konzertaula

Eine konservative Familie nimmt einen afrikanischen Flüchtling auf: Das gefeierte Stück „Willkommen bei den Hartmanns“ gibt der sogenannten Flüchtlingskrise Tiefsinn und den nötigen Humor.

von Alexandra Prokofev

Kamen

, 12.05.2019 / Lesedauer: 3 min

In der Mitte der Bühne steht ein modernes Haus mit heller Holzverkleidung. Im breiten Fenster erscheint Angelika, pensionierte Lehrerin mit einem Glas Wein. Im Vorgarten steht ihr Mann Richard, Chirurg in der späten Midlife-Crisis. Und durch das Kellerfenster sieht man den schlafenden Diallo, einen afrikanischer Flüchtling. Das Stück „Willkommen bei den Hartmanns“ zeigt in der Konzertaula eine ganz besondere Wohngemeinschaft.

Durch die Krise zu sich selbst gefunden

Die naive und gutmütige Rentnerin Angelika nimmt wider Willen ihres Mannes einen Asylbewerber auf. Unterstützt wird sie von ihrer Tochter Sophie, doch neben ihrem Mann hat auch ihr Sohn etwas gegen die Aufnahme. Schon bald sorgen Familienstreits und rechte Nachbarn für Ärger. Schließlich zieht Richard von zuhause aus und Flüchtling Diallo soll abgeschoben werden. Doch zur endgültigen Gerichtsentscheidung erscheint die ganze Familie Hartmann.

Die Charaktere könnten nicht unterschiedlicher sein, was zu verschiedenen Auseinandersetzungen auf der Bühne führt. Besonders Angelika (gespielt von Antje Lewald) und Richard (Steffen Gräbner) sind dabei so authentisch, das der Zuschauer das Gefühl hat er sähe einen privaten Streit. Jeder Protagonist leidet an seinen eigenen, privaten Problemen, fern von der Flüchtlingsdebatte. Ob der in Scheidung lebende Sohn Philipp mit dem pubertierenden Sohn oder der Chefarzt Richard, der Angst hat, zu altern und in Rente zu gehen. „Vielleicht wissen wir durch die Flüchtlingskrise alle wieder, wer wir eigentlich sind“, sagt Richards Arbeitskollege Tarik.

Verstanden, was im Leben wirklich wichtig ist

Das Stück soll ein Appell an Bürger sein, den Flüchtlingsstreit als einen Weg der eigenen Identitätsfindung zu sehen. Und tatsächlich scheint Richard durch die Anwesenheit Diallos (Derek Nowak) zu verstehen, was im Leben wirklich wichtig ist. Schon bald kehrt er zurück zu seiner Familie, Philipp nimmt sich wieder mehr Zeit für seinen Sohn, Sophie glaubt wieder an die wahre Liebe und Angelika hat wieder das Gefühl, nützlich zu sein. Fazit: Eine Aufführung, sowohl mit Tiefsinn und Gefühl als auch mit gut ausgewogenem Humor inszeniert. Eine Aufführung, die durchaus mit dem bekannten Spielfilm, in dem Elyas M’Barek, Florian David Fitz und Heiner Lauterbach spielten, mithalten kann.

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