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Eine Vereinsvorsitzende schildert, dass sie sich unwohl fühlt, wenn sie abends durch die Innenstadt geht. Der Grund: Anmachen durch Männer. Die Diskussion um Sicherheit in Kamen geht weiter.

Kamen

, 09.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Heike Ross ist bekannt als Leiterin des Sozialverbands Kamen. Die 56-Jährige sagt zur Diskussion über die Sicherheit und Ordnung auf dem Kamener Marktplatz: „Es gibt viele Leute, die sich kaum noch abends in die Stadt trauen. Ich als Frau allein würde das gar nicht mehr tun.“

Durch den Sozialverband hat Ross einen guten Draht zu Frauen, die an den Aktivitäten des Verbands teilnehmen. So wie ihr gehe es auch anderen Frauen, denen es Angst macht, wenn junge Leute insbesondere abends in Gruppen im Bereich des Marktplatzes stehen und davon Störungen ausgehen. Störungen wie zum Beispiel dumme, frauenfeindliche Sprüche.

Sicherheit aus Frauensicht

Ross schildert, dass sie selbst zwei, dreimal in der Innenstadt belästigt worden sei – zuletzt von einer Gruppe ausländisch wirkender Männer. Ihre Beobachtungen will sie aber nicht zur Stimmungsmache gegen diese Einwohnergruppe instrumentalisiert wissen. Ihr ist es wichtig zu betonen: „So kann es bei Deutschen auch sein, wenn dich irgendein Penner von der Seite anmacht.“ Ross schildert ihre Erfahrungen, weil sie es für ein Unding hält, wenn Frauen sich sorgen müssen, unbelästigt durch die Innenstadt zu kommen, nur weil Männer sich nicht im Griff haben.

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Die Kauffrau, die seit 30 Jahren in Kamen wohnt, schildert einen Fall, der sich vor Ostern wie folgt ereignet haben soll: Ross kommt aus einer Eisdiele und wird am Ende der Fußgängerzone an der Weststraße aus einer Gruppe von jungen Männern heraus angesprochen.

„Komm zu mir, ich mache ,Ficki Ficki‘“, soll ein Mann gerufen haben. Doch da ist er bei Ross an die Falsche geraten. „Ich habe selber eine große Klappe“, sagt die Kamenerin. „Ich lasse mir nichts gefallen.“ Die Vorsitzende des Sozialverbands geht in einer spontanen Reaktion zum verbalen Gegenangriff über. „Pass mal lieber auf das kleine Ding auf, sonst schneide ich Dir das weg“, will sie gesagt haben. Noch in diesem Moment sei ihr das Herz in die Hose gesackt. Zwar sei der Mann einige Schritte auf sie zugekommen, aber ein anderer habe ihn zurückgehalten. „Die anderen haben gelacht.“

Angst nicht erst jetzt

Ross begründet ihre couragierte Reaktion auf die Belästigung so: „Mir geht das auf den Senkel, die ständigen Anmachen von jungen Leuten.“ Durch die Innenstadt geht sie nur noch mit einem unbehaglichen Gefühl. „Die Angst habe ich nicht erst jetzt, das habe ich schon letztes Jahr gemerkt.“

Abends bietet sich rund um den Marktplatz oft das gleiche Bild: Junge Leute treffen sich gruppenweise unter anderem im Bus-Wartehäuschen und unter Arkaden. Es herrscht ein Kommen und Gehen. Schüler sind dort ebenso anzutreffen wie Angehörige der Trinkerszene, Kamener wie Auswärtige, Deutsche wie Migranten. Frauen sind dabei, aber oft dominieren junge Männer die Szene. Meist bleibt es friedlich, aber seit März haben sich Polizeieinsätze gehäuft. Von Januar bis April verzeichnete die Polizei 62 Einsätze im Bereich Markt, Weststraße und Bahnhofstraße u.a. wegen Ruhestörungen, Streitigkeiten und Schlägereien. Anwohner und Gastronomen beschwerten sich über Störungen, die Bürgermeisterin kündigte darauf eine verstärkte Präsenz des Ordnungsdiensts und gemeinsame Streifen mit der Polizei an. Aus der CDU kam die Forderung nach einer konsequente Ahndung von Verstößen.

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