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Fünf Kamener Gymnasiasten haben sich zu „Fridays for Future“ abgemeldet, um zu streiken. Mehr Echo soll aber eine andere Aktion finden: eine große Schülerdemo außerhalb der Unterrichtszeit.

Kamen

, 14.03.2019 / Lesedauer: 4 min

Seit die schwedische Schülerin Greta Thunberg beschloss, freitags für den Klimaschutz zu demonstrieren statt zur Schule zu gehen, haben sich Jugendliche in ganz Europa und darüber hinaus ihrer Bewegung „Fridays for Future“ angeschlossen. Kamener Schüler greifen die Idee jetzt auf und planen eine eigene Demonstration, die im Unterschied zu Protestaktionen andernorts außerhalb der Unterrichtszeit stattfinden soll - am 22. März auf dem Schulhof des Gymnasiums an der Hammer Straße.

Elias Bauer besucht die zehnte Klasse des Gymnasiums und will bei der Demo mitmachen. Sein Hobby ist Musik, aber Greta Thunberg und die „Fridays for Future“ haben sein Interesse für Umweltthemen geweckt. „Mir ist bewusst, welche verheerenden Folgen der Klimawandel hat und haben wird“, sagt er. „Die Wissenschaftler rechnen aus, dass wir wahrscheinlich nur noch zwölf Jahre haben, in denen wir effektiv etwas machen können, und es passiert nichts. Das kann so nicht mehr weitergehen.“

Kamener Schüler wollen für Klimaschutz demonstrieren: „Das hat total krass eingeschlagen“

Elias Bauer meint: „Die Fridays for Future sind eine sehr gute Methode, um für Aufmerksamkeit zu sorgen. Das hat total krass eingeschlagen in der ganzen Welt. In den meisten Medien ist das jeden Freitag ein großes Thema.“ © Borys Sarad

Schüler für Klimaschutz

Fridays for Future

  • Die erste „Fridays for Future“-Demo in Kamen findet am Freitag, 22. März, 13 Uhr auf dem Schulhof des Gymnasiums Kamen statt. Die Veranstaltung wird von der Schülervertretung außerhalb der Unterrichtszeit organisiert.
  • Schulleiterin Angelika Remmers begrüßt es, dass die Demo außerhalb der Unterrichtszeit stattfindet. „Wenn das gut ankommt, dass Schüler freiwillig hierbleiben und nicht ins Wochenende gehen, dann haben sie mit einem Freizeitverzicht gezeigt, dass ihnen das Thema Klimaschutz wichtig ist.“ Das sei der legale Weg im Gegensatz zur Teilnahme an einem Schülerstreik.
  • Fünf Schüler des Gymnasiums haben sich schon für diesen Freitag, 15. März, für einen „Fridays for Future“-Streik abgemeldet.
  • Das Gymnasium Kamen plant unabhängig von der Schüler-Demo für dieses Jahr eine Schulveranstaltung zum Thema „Klima, Energie, Zukunft“ mit Filmvorführung und Diskussion in Kooperation mit dem Verein „Multivision“ aus Hamburg.
  • Am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Unna ist für Freitag, 15. März, 10 Uhr, ein Protestaktion im Sinne der „Fridays for Future“-Aktion

Die 17-jährige Jona Krollmann aus der Jahrgangsstufe 11 gehört zu den Organisatoren der Demo. „Ich bin als Schülersprecherin im guten Kontakt mit Schulleiterin Frau Remmers, und da kam man darüber ins Gespräch, wie das jetzt mit den Streiks ablaufen soll“, erzählt sie. Jona hat die Entwicklung der „Fridays for Future“ aufmerksam verfolgt, auch über soziale Medien, und als es hieß, „dass wir uns Schule selbst eine Aktion überlegen wollen, fand ich das eine gute Möglichkeit und wollte mitwirken.“

Die jüngere Generation muss „was machen“

Auch die stellvertretende Schülersprecherin ist dabei. „Ich finde, dass Umweltschutz und das Vorgehen gegen den Klimawandel super wichtig ist“, sagt 17-jährige Donia Gutapfel. Dass es vor wenigen Wochen mitten im Winter plötzlich fast sommerlich warm wurde, wertet sie als Zeichen für die Auswirkung der globalen Erwärmung. „Ich finde es wichtig, dass wir als jüngere Generation, die das betreffen wird, darauf aufmerksam machen. Wir müssen was machen, und das tun wir.“

Kamener Schüler wollen für Klimaschutz demonstrieren: „Das hat total krass eingeschlagen“

Donia Gutapfel: „Ich finde es wichtig, dass wir als jüngere Generation, die das betreffen wird, darauf aufmerksam machen. Wir müssen was machen, und das tun wir.“ © Borys Sarad

Niemand soll durch die Teilnahme an der Demo den Unterricht verpassen. „Wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir das Nicht-zur-Schule-gehen vermeiden können“, sagt Schülersprecherin Jona Krollmann. „Uns ist sowohl Klimaschutz wichtig als auch, dass wir unsere Bildung erfahren.“ Die 17-Jährige zögert etwas, um den richtigen Namen für die Aktion zu finden. Eine Demo? Ein Streik? Nein, „ein Projekt“ soll es sein, um auf den Klimaschutz aufmerksam zu machen.

In ein paar Jahren „in Sommersachen rumlaufen“

Alle, denen das Thema wichtig sind, ist eingeladen, am 22. März, 13 Uhr, auf den Schulhof zu kommen. Die Schüler wollen selbst gestaltete Plakate hochhalten und sich auffällige Outfits einfallen lassen. Wenn alle in Schwimmflossen kämen, wäre das ein ironischer Kommentar darauf, die Erde wärmer wird „und wir vielleicht in ein paar Jahren in Sommersachen rumlaufen können“, sagt Jona Krollmann.

Durch eine Durchsage über das Lautsprechersystem der Schule wollen die Organisatoren auf die Veranstaltung der Schülervertretung aufmerksam machen. Zudem sollen Elternbriefe verschickt werden. „Damit die Eltern ihren Kindern mitgeben können, dass die Sache, die wir planen, gut ist“, sagt Schülersprecherin Krollmann.

Kamener Schüler wollen für Klimaschutz demonstrieren: „Das hat total krass eingeschlagen“

„Uns ist sowohl Klimaschutz wichtig als auch, dass wir unsere Bildung erfahren“, sagt Schülersprecherin Jona Krollmann. © Borys Sarad

Noch eine Woche vergeht bis zur Kamener Demo, aber Elias Bauer kribbelt es in den Fingern, schon jetzt etwas zu tun. Er ist einer von fünf Schülern, die sich bei Schulleiterin Angelika Remmers zur Teilnahme an einem Schülerstreik abgemeldet haben. Der Kamener Gymnasiast wohnt in Dortmund, sodass er dort an diesem Freitag am regelmäßigen Dortmunder „Fridays for Future“-Protestzug teilnehmen will. „Morgen werde ich da mitmachen“, sagt er am Vortag. „Aber da ich sehr früh auf sehr viel Feedback vonseiten der Schulleitung gestoßen bin, werden ich in den nächsten Wochen von einer Teilnahme an dem Streik absehen, weil wir selbst neue Methoden ausprobieren wollen.“ Und damit ist die erste Kamener „Fridays for Future“-Aktion außerhalb der Unterrichtszeit am 22. März gemeint.

Abwarten, ob Schüler anderer Schulen auch mitmachen wollen

Elias Bauer kann sich vorstellen, dass auch Schüler anderer Schulen an der Demo teilnehmen. Schülersprecherin Jona Krollmann will erst die Premiere abwarten. „Wenn danach von den anderen Schulen auch Interessenten Lust haben, könnte man darüber nachdenken, ob man das öfter macht und die ganze Schulgemeinde in Kamen hinzuzieht.“

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