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Eine Analyse zeigt: Bei 75 von 100 zeitkritischen Einsätzen ist die Methleraner Feuerwehr in Mindeststärke binnen acht Minuten da. Die Heerener schaffen dieses „Schutzziel“ bei 59 Einsätzen, die Kamener nur bei 47 von 100.

Kamen

, 25.07.2018 / Lesedauer: 3 min

Schon ein einzelner Feuerwehrmann kann Leben retten. Deshalb warnen die Kamener Feuerwehrchefs davor, die Ergebnisse einer Brandschutz-Analyse zu dramatisieren. Daraus geht hervor, dass die beiden Löschzüge Kamen-Mitte/Süd und Heeren-Werve im Szenario eines „kritischen Wohnungsbrands“ oft nicht in vorgegebener Mindeststärke zu einer vorgegebenen Zeit am Einsatzort sein konnten. Ein Grund dafür: Freiwillige Feuerwehrleute sind nicht zu jeder Tageszeit in ausreichender Zahl verfügbar, zum Beispiel aus beruflichen Gründen.

Wie gut der Brandschutz der Stadt Kamen für ihre Bürger ist, wird auch daran gemessen, in welcher Personalstärke und in welcher Zeit die alarmierten Einheiten am Brandort eintreffen. Maximal acht Minuten soll eine Gruppe von neun Feuerwehrleuten mit bestimmten Funktionen zur Stelle sein. Nach weiteren fünf Minuten sollen es schon 16 Feuerwehrleute sein. Diesen sogenannten gesetzlichen Schutzzielen liegt die Annahme zugrunde, dass ein Mensch maximal 13 Minuten Brandrauch ertragen kann.

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Eine Auswertung von Einsatzberichten aus den Jahren 2008 bis 2017 zeigt, dass der Löschzug 1 (Kamen-Mitte/Süd) das sogenannte Schutzziel 1 (acht Minuten, neun Leute) nur in 47 Prozent der Einsätze schafft. Das sei „nicht ausreichend“, so die Einschätzung der Verfasser. „Bemerkenswert kritisch“ seien die Zeiträume werktags von 0 bis 6 Uhr mit nur 18 Prozent und an Wochenenden und feiertags mit nur 23 Prozent. Nach 13 Minuten erfüllen 69 Prozent der Einsätze das Schutzziel.

Der Löschzug 2 (Methler) kommt auf die besten Werte aller drei Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehr Kamen: 75 Prozent, das ist für das erste Schutzziel „ausreichend“. Das zweite Schutzziel wird bei 99 Prozent der Einsätze erreicht.

Der Löschzug 3 (Heeren-Werve) schafft in 59 von 100 Einsätzen das erste Schutzziel – „unzureichend“. Werktags von 6 bis 18 Uhr liegt der sogenannte Erreichungsgrad nur bei 22 Prozent. Das zweite Schutzziel erreicht der Heerener Löschzug laut Auswertung „90 bis 100 Prozent“ der Fälle, sofern ausreichend Kräfte im Stadtteil verfügbar sind. Lückenhafte Daten erschwerten die Analyse.

Note „gut“ nach 13 Minuten

Unter dem Strich kommt die Freiwillige Feuerwehr Kamen auf einen sogenannten Gesamterreichungsgrad beim ersten Schutzziel von 59 Prozent. Das heißt, bei 59 von 100 zeitkritischen Einsätzen sind mindestens neun Feuerwehrleute mit den geforderten Funktionen innerhalb von acht Minuten am Einsatzort, um Menschenleben zu retten und Flammen zu löschen. 89 Prozent der Einsätze erreichen das zweite Schutzziel, das heißt nach 13 Minuten sind 16 Feuerwehrleute da. „Ein gutes Ergebnis“, heißt es in der Zusammenfassung der Analyse.

Als Konsequenz aus der Analyse empfiehlt eine Arbeitsgruppe aus Feuerwehr-Chef Rainer Balkenhoff und seinen Zugführern sowie Verwaltungsleuten, das hauptamtliche Personal um 7,26 Stellen aufzustocken. Künftig soll die Hauptwache nicht nur werktags von 7 bis 16 Uhr, sondern an sieben Tagen rund um die Uhr in Staffelstärke besetzt sein (sechs Personen). Kostenpunkt: 530.000 Euro. Damit der Löschzug Heeren-Werve die Schutzziele besser erreicht, soll ein „Rendezvoussystem“ kommen, sprich eine schnellstmögliche Zusammenführung hauptamtlicher Kräfte aus der Wache und ehrenamtlicher Feuerwehrleute im Einsatzfall. Die Lösung: Die Bahn-Unterführung Lenbachstraße wird für Feuerwehrfahrzeuge geöffnet, was den Anfahrtsweg von der Hauptwache nach Heeren-Werve verkürzt. Feuerwehr-Chef Balkenhoff meldet erfolgreiche Probefahrten durch das Nadelöhr.

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  • Der Stadtrat hat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause den „Brandschutzbedarfsplan“ beschlossen. Die Verwaltung soll die sich daraus ergebenden Verbesserungsmaßnahmen vorbereiten und umsetzen – vorbehaltlich einzelner Haushaltsbeschlüsse.
  • Beispielsweise geht aus dem Plan hervor, dass die Feuer- und Rettungswache Mersch eine angespannte Raumsituation hat, die sich auch durch den geplanten Bau einer neuen Rettungswache im Kamener Westen nur teilweise entspannt. Ein Anbau wird nicht ausgeschlossen.
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