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„Intuitiv habe ich alles richtig gemacht“

Gregors Weiß wurde BWL-Professor

Eigentlich wollte Gregor Weiß Journalist werden. Ein Besuch an der Universität schreckte ihn aber davon ab, Publizistik zu studieren. Er folgte dem Rat seiner Mutter – und ist heute Professor an der Universität Leipzig.

von Stephanie Tatenhorst

Kamen

, 27.06.2018 / Lesedauer: 3 min
„Intuitiv habe ich alles richtig gemacht“

Gregor Weiß in einer Vorlesung als Professur für Betriebswirtschaftslehre, Schwerpunkt nachhaltige Finanzdienstleistungen, insbesondere Banken.privat © xxx

Von Stephanie Tatenhorst

Seine Familie hat tiefe Wurzeln in Heeren, sein Großvater väterlicherseits arbeitete bei der Volksbank und durfte im Volksbank-Haus gegenüber wohnen, sein Großvater mütterlicherseits war Mathematiker und arbeitete im Münsteraner Vermessungsbetrieb, der damals die Flurbereinigung für den Bau des Kamener Kreuzes vornahm.

„Ja, ich bin ein Exot in der Familie“, sagt Prof. Dr. Gregor Weiß. „Aber der Zufall will es, dass ich auch irgendwie das Leben meiner Großväter kopiere.“ Gregor Weiß wuchs in Heeren-Werve auf, ging in Unna zur Schule und leistete nach dem Abitur 2000 Zivildienst im Gehörloseninternat in Hacheney. Da war er längst freier Mitarbeiter für die Tageszeitung und wollte Journalist werden.

Japanisch gelernt

„Was ich aber beim Tag der offenen Tür an der Uni zu sehen bekam, das hatte so gar nichts mit dem zu tun, was ich aus der Redaktion kannte“, erzählt er – und das schreckte ihn ab. Seine Mutter riet ihm deshalb, etwas anderes als Publizistik zu studieren. „Sie meinte, Fachjournalist könnte ich dann ja immer noch werden.“

Seine Leistungskurse waren Englisch und Geschichte gewesen, Mathe war bei ihm ein durchwachsener Grundkurs, am Auslandsinstitut in Dortmund lernte er Japanisch. Parallel zum Zivildienst schrieb er sich an der Fernuni Hagen ein und schnupperte ins Studentenleben. „Geschichte war fordernd und spannend, aber mir war klar, dass das direkt in die Arbeitslosigkeit führen würde“, sagt er.

Intuitiv entschied er sich im Nachhinein für das Richtige: BWL an der Uni Passau. „Ganz durchdacht war das aber nicht“, sagt er heute. „Wir waren damals ja auch in keinster Weise von der Schule auf ein Studium vorbereitet worden. Das ist heute ganz anders.“

Wirtschaftsinformatik

Zwar stellte er fest, dass ihn sein Fach an vielen Stellen nicht genug interessierte, aber ohne Not abbrechen wollte er auch nicht. Also zog er es durch und entschied sich, an der Fernuni auch noch Wirtschaftsinformatik und Mathematik zu studieren.

Doch dann kam die große Krise auf dem Finanzmarkt. „Damals hatte ich gerade angefangen zu promovieren, und alle am Lehrstuhl orientierten sich um. Mein Doktorvater war kaum noch da und gab stattdessen Interviews oder saß in Talkshows“, erinnert er sich schmunzelnd, dass die Bibliothek zum Fernsehstudio wurde. „Das hatte schon bizarre Züge“, sagt Weiß.

Die Forschung stürzte sich aber auf die Krise, die Lehre wurde umgestellt. Doch nicht alle Mechanismen wurden damals sofort verstanden. „Wir waren meist reaktiv“, sagt Weiß. Die Themen, für die er sich im Studium kaum interessiert hatte, nämlich Banken und Versicherungen, wurde für ihn plötzlich spannend. „Heute ist die Bedeutung sogar Schülern klar“, macht er deutlich, warum er sich als „ein Kind der Krise“ bezeichnet. Er machte seinen Doktor und wurde in Dortmund Junior-Professor. „Das ersparte mir die Habilitation“, erklärt Weiß. Seit knapp drei Jahren ist er nun an der Universität Leipzig tätig, inzwischen als Professur für Betriebswirtschaftslehre, Schwerpunkt nachhaltige Finanzdienstleistungen, insbesondere Banken. Dass er oft als „Banken-Prof“ abgestempelt werde, ärgert ihn, denn das impliziere eine Bankenfreundlichkeit. „Man muss aber objektiv sein“, sagt er.

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