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Im neuen Fahrradparkhaus auf dem Willy-Brandt-Platz laufen die letzten Arbeiten vor der Eröffnung am 5. Juli. Geparkt wird hochkant in einem Karussell und doppelstöckig auf einer Palette.

Kamen

, 17.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Das bizarre Stahlgestell sieht aus, als wäre es dem Film „Transformers“ entsprungen. In dem Actionfilm gibt es Autos und anderlei Geräte, die sich in Kampfroboter verwandeln. So etwas gibt es natürlich nicht im neuen Fahrradparkhaus auf dem Willy-Brandt-Platz. Doch wandelbar ist dieses transformer-ähnliche Gestell, das dort in der Ecke vor dem Schaufenster steht, auch. Es bewegt seine Arme, wenn man es benutzen will.

Es handelt sich um ein Fahrradkarussell, an dem man sein Fahrrad hängen kann wie ein T-Shirt an eine Wäschespinne. Matthias Breuer, Fahrradbeauftragter der Stadt Kamen, zeigt, wie es funktioniert. „Sie müssen einfach diesen Bügel herunterziehen. Der rastet dann ein. Dann wird das Vorderrad eingehängt, das Fahrrad nach hinten gezogen und schon zieht es sich von selbst nach oben.“

Breuer wirft einen prüfenden Blick auf das Rad, das durch eine kraftvolle Federung nach oben schwingt. „Zuerst waren wir etwas skeptisch. Aber man muss es einfach einmal probieren.“

Hochkant parken? In diesem Parkhaus kein Problem

Mitarbeiter der Firma Kemna kleben am Donnerstag die Folien auf die Schaufensterscheiben auf. © Marcel Drawe

Fahrradparkhaus kurz vor der Fertigstellung

Das neue Fahrradparkhaus steht kurz vor der Fertigstellung. Während am Mittwoch die Abstellanlagen aus verzinktem Stahl geliefert wurden, klebt die Kamener Firma Kemna am Donnerstag die Folien in freundlichen Blau-Tönen auf die Schaufensterscheiben. „Sie sind soweit lichtdurchlässig, dass man von außen sehen kann, was dort passiert“, sagt Architekt Thomas Schmidt: „Das Stichwort ist soziale Kontrolle.“ Auch die Radfahrer haben die Kontrolle. Nur wer einen Chip hat, der für einen Pfand von 20 Euro an die Nutzer abgegeben wird, hat Zugang zu den Stellplätzen. Zudem gibt es dort eine öffentliche Toilette, für die die Arbeiten zurzeit noch laufen. Diese wird künftig frei zugänglich sein - nicht nur für Fahrradparkhausnutzer, sondern für alle Passanten auf dem Willy-Brandt-Platz.

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Fahrradparkhaus Kamen

Über eine schräge Schiene nach oben

Die letzten Arbeiten vor der Eröffnung am Freitag, 5. Juli (10 Uhr) sind jetzt gerade im Gange. Drei Karussells mit 36 Stellplätzen haben ihren Platz an der Schaufensterfront in Richtung Sparkasse Unna-Kamen gefunden. Die vier Doppelstockparker mit 62 Stellplätzen werden auf der anderen Seite platziert, dort, wo auch der Zugang zu zwei elektrischen Schiebetüren ist. Die wuchtigen Spezialgestelle, die sich auch in der Fahrradstadt Münster bewährt haben, stammen von der Firma Orion aus Biebesheim am Rhein. Um ins obere Stockwerk zu kommen, muss man eine Schiene herausziehen, die diagonal zu Boden klappt und über die das Rad nach oben zu schieben ist. Insgesamt gibt es 98 neue Stellplätze mitten in der Stadt - überdacht und abgeschirmt.

Hochkant parken? In diesem Parkhaus kein Problem

Das Fahrradkarussell bietet zwölf Hochkantstellplätze. Drei dieser Karussells stehen auf der Seite, die zur Sparkasse Unna-Kamen liegt. © Marcel Drawe

Interessant für Anwohner und Arbeitnehmer

Das Fahrradparkhaus unterscheidet sich insofern von der Radstation am Bahnhof, dass es lediglich Abstellplatz ist und keinen Service hat. Dafür ist es, abgesehen von den 20 Euro Pfand für den Chip, kostenlos. Der Chip ist jetzt noch nicht erhältlich, weil die Eröffnung erst in einigen Wochen ist. Dann aber wird der Chip an der Awo-Radstation am Bahnhof ausgegeben. Für Breuer, der als Fahrradbeauftragter die Stadt Stück für Stück radfahrfreundlicher machen will, ist das Angebot ein wichtiger Baustein, um Anreize zu setzen, mit dem Rad in die Stadt zu fahren. Beispielsweise für Arbeitnehmer, die ihr Rad für längere Zeit abstellen wollen. „Es gibt schon zahlreiche Anfragen beispielsweise aus der Sparkasse“, so Breuer. Interessant dürfte das Angebot auch für Anwohner sein, die im oder am Wohnhaus keine Abstellmöglichkeiten haben oder ihre Räder nicht mehr in den Keller schleppen wollen - vor allem schwerere E-Bikes. „Und man sieht ja, wie viele Räder hier noch draußen herumstehen“, deutet Stadtplanerin Gabriela Schwering in Richtung Adenauerstraße.

Hochkant parken? In diesem Parkhaus kein Problem

Sechs Überwachungskameras sind installiert worden, um für zusätzliche Sicherheit im Fahrradparkhaus zu sorgen. © Marcel Drawe

Schwere Bügel und Ösen aus verzinktem Stahl

Um Vandalismus vorzubeugen, wird der Innenraum überwacht. Sechs sogenannte Dome-Kameras übertragen ihre Bilder zur Awo-Tochterfirma „DasDies“ an der Unnaer Straße. Zusätzliche Sicherheit bieten die schweren Bügel und Ösen aus verzinktem Stahl, an die die Fahrräder anzuschließen sind. Und zusätzlichen Service gibt es über die Fahrradreparatursäule mit dem Namen Ibombo, in der Werkzeug und Luftpumpe vorgehalten wird. Die Stadt will zwei weitere Stationen aufstellen an der Maibrücke in Nähe des Sesekeparks und neben dem Schlauchautomaten an der Awo-Radstation am Bahnhof.

Das Fahrradparkhaus ist Bestandteil des sogenannten Fahrradabstellanlagen-Konzepts der Stadt Kamen. Es liefert die Grundlage für 300 neue Stellplätze, die zurzeit nach und nach in der Innenstadt installiert werden. Neue Abstellbügel gibt es schon am Rathaus, am Einkaufszentrum „Kamen Quadrat“, auf dem Alten Markt und an der Bahnhofstraße, wo ein Stellplatz für Autos in acht Stellplätze für Fahrradfahrer verwandelt wurde. Und so haben die Kamener immer mehr Möglichkeiten nach dem alten Fahrradfahrer-Spruch zu handeln: Keine Gnade für die Wade.

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