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Bruno „Günna“ Knust gastiert am „Donnerstach“ in der Stadthalle. Zuvor spricht er über seine Heimatverbundenheit, Treffen mit Prof. Kampmann und wie es ist, mal einen Blackout zu überstehen.

Kamen

, 11.02.2019 / Lesedauer: 5 min

Bruno Knust, porentiefer Ruhrpott-Künstler mit Kultstatus und Vater der Kunstfigur „Günna“, gastiert in der Stadthalle mit dem Programm „Pottliebe“ am Donnerstag, 14. Februar – am „Donnerstach“, wie er sagen würde – oder auch am „Valtentinstach“. Im Interview mit unserer Redaktion schildert der 64-jährige Kabarettist, der Ruhrhochdeutsch dudenreif gemacht hat, wie er einst auf den Kamener Künstler Lothar Kampmann, der den Kömschen Bleier schuf, traf, warum er so heimatverbunden ist, wie es ist, auf der Bühne zu stehen und warum er sich den Ruf „Der Mann ohne Hänger“ erworben hat.

Hallo Herr Knust! Schon die Pokal-Niederlage des BVB verarbeitet? Ich vermute, wenn Günna angetreten wäre, hätte er alle fünf Elfmeter sicher verwandelt?

Nicht wirklich. Aber der BVB war jetzt so oft in Berlin, da kann er auch einmal ein Jahr aussetzen. Ich hatte schon fürs Finale gebucht, das habe ich gleich storniert.

Früher haben Sie mit ihrem Puppentheater oft Station in der Region, auch in Kamen, gemacht. Wie ist dabei der Günna entstanden?

Meine Mutter hat schon, als ich jung war, Puppen gebaut. Für eine Tournee durch den Ruhrpott hat sie mir eine Figur nach dem Vorbild eines Taubenkaspers gebaut, die mir gar nicht gefiel, ich fand nur schwer Zugang. Doch dann, als ich sie bei einer WDR-Veranstaltung nutzte, merkte ich von der ersten Sekunde, dass die Figur lebte. Und der Name? Er kam einfach vom Lebensgefährten meiner Mutter.

Pottliebe

Bruno Günna Knust: Pottliebe... voll aussem Herzen, Donnerstag, 14. Februar, 20 Uhr, Stadthalle Kamen (Einlass ins Foyer 19 Uhr, freie Platzwahl ab 19.30 Uhr), Vorverkauf 26 Euro, Eintrittskarten gibt es auch an der Abendkasse, bisher sind 485 Tickets verkauft.

...und so wurde Günna ein echtes Familienmitglied...

Die Figur entwickelte sich im Laufe der Zeit immer weiter. Jetzt nutze ich sie kaum noch auf der Bühne, weil man sich nach so langer Zeit fragt, was noch in ihr steckt.

Aber wir haben ja noch den echten Günna, der am Donnerstag in Kamen auf der Bühne steht.

Ja, und ich bin stolz darauf, dass Günna den Wechsel ins neue Zeitalter, von analog auf digital, gemeistert hat! Längst nicht nur Stahl und Kohle. Die Themen haben sich geändert. Neulich habe ich noch einmal den Angler ausgepackt, eine Figur, die in den 90er-Jahren brutal abgeräumt hat. Doch die funktionierte heute nicht mehr.

Günna: Wennze nix erlebst, dann kannze nix erzählen!

Bruno Knust 1998 vor Bergkamener Schülern. Für den Puppenbau hat er sich einst beim Kamener Künstler Lothar Kampmann inspirieren lassen. „Er hat damals mit ganz neuen Materialien gearbeitet.“ © Stefan Milk

Sie stehen für die Typen hier und auch für Heimatverbundenheit, hätten aber auch die Chance gehabt, wie all die anderen Kabarettisten, auf den Fernseh- und Theaterbühnen der Republik zu stehen. Stattdessen ein eigenes Theater an der Olpketalstraße.

Vor Günna war ich 14 Jahre lang mit dem Kinder- und Jugendtheater auf Tour, 14 Jahre getingelt mit 450 Auftritten im Jahr. Man kommt von der Autobahn und sieht von der Stadt nur die Ausfallstraßen. Man hat dann vielleicht tausend Leute bespaßt, sitzt am Ende abends stundenlang im Hotel, erlebt einsame Momente. Viele Kollegen gehen noch auf die Piste oder fangen an zu trinken. Das sieht man einem dann auch irgendwann an.

Also kein Bedauern, etwas verpasst zu haben?

Im Gegenteil. Ich habe mitbekommen, wie meine drei Kinder groß geworden sind, saß meistens mit am Mittagstisch, während andere Kollegen erzählen, dass sie gar nichts von ihren Kindern mitkriegen, außer, dass sie mal skypen. Wenn ich nach so vielen Jahren zurück blicke, dann weiß ich, dass die Entscheidung richtig war.

Und die Liebe zur Heimat wird auch deutlich, wenn sich Günna in einer wöchentlichen Kolumne immer samstags zu Wort meldet...

Ja, da fange ich jeden Montag schon an, zu überlegen. Da werde ich jetzt schon kribbelig, wenn ich daran denke. Ich wälze Zeitungen, gucke mir kleinste Meldungen an. Oder lausche dem Opa, der mir auf dem Wochenmarkt etwas erzählt. Jetzt wollte ich etwas zum Tag der Jogginghose machen, da platzt Oberbürgermeister Sierau mit seiner Stellungnahme zum Dortmunder Tatort, der ihm nicht gefallen hat, herein. Da habe ich schnell umgeswitcht. Die Jogginghose – die läuft nicht weg...

Günna: Wennze nix erlebst, dann kannze nix erzählen!

Bruno Knust lässt sich nicht verbiegen - offen und ehrlich gibt er Auskunft über seine Karriere. © Privat

Ja, im wahrsten Sinne des Wortes! Das Kamener Publikum läuft natürlich auch nicht weg, sondern kommt. Was hat es zu erwarten?

Ja, zum ersten Mal ein Programm zum Valentinstag. Da gilt ein Spruch wie zu Silvester: Die eine Hälfte geht feiern, die andere sitzt vor dem Fernseher. Natürlich geht es im Programm viel um Liebe, aber nicht nur um diesen Tag, an dem man fast unter Druck gesetzt wird. Es ist ja eher ein aufgestülpter Tag. Eigentlich sollte man jeden Tag feiern wie den Valentinstag. Das ist die Botschaft. Also rausgehen, zum Beispiel in die Stadthalle. Wer nichts erlebt, der kann nichts erzählen!

Und Kamen ist ja nicht so weit weg von Dortmund. Ist also auch für Sie heimatnah.

Na klar. Ich war früher häufig in Kamen. Zum Beispiel im Atelier von Professor Lothar Kampmann, da war ich sehr oft. Der hat mich beim Figurenbau sehr inspiriert und brachte dabei neue Materialien ins Spiel – wie Silikonkautschuk. Der Kontakt kam über meinen Großvater, einem Bildhauer aus Königsborn.

Und als jetzt alter Hase auf der Bühne ist es bestimmt ein gutes Gefühl, wenn man aus reichlich Erfahrung weiß, da kann nichts passieren?

Keineswegs! Routine gibt es da nicht. Es ist doch das Spannende, raus auf die Bühne zu gehen und nicht zu wissen, wie der Abend ausgeht! Es gilt immer, den Draht zum Publikum aufzubauen und eine Stimmung zu schaffen, die für zwei Stunden trägt. Wenn das Licht angeht, ist man entweder gut oder nicht – egal ob man jung oder alt ist. Und klar, auch ein Blackout kommt mal vor – das merkt man aber kaum. Da mache ich dann gleich eine kleine Geschichte draus. Das ist der Grund, warum man mich auch als „Der Mann ohne Hänger“ bezeichnet.

Im Angesicht einer so langen Karriere... macht man sich Gedanken über die Zukunft?

Ständig. 30 Jahre Theater Olpketal in diesem Jahr. 30 Jahre Günna im nächsten. Das sind 30 Jahre, in denen ich ohne Subventionen ausgekommen bin, obwohl es immer schwer war für kleine Theater. Der Verwaltungsaufwand steigt, die Anforderungen an die Technik. Es ist die Frage, wie lange sich so ein Theater noch halten kann, ohne dass die Qualität leidet.

Und trotzdem geht´s weiter, immer weiter?

Auf jeden Fall. Ich verfolge die Idee eines politisch unkorrekten Kasperletheaters. Oder würde auch gerne wieder eine BVB-Show machen. Oder ein Fußball-Solo-Programm. Es gibt kaum jemanden, der sich traut, so etwas nur über Fußball zu machen. Ich würde auch gerne wieder Kindertheater machen. Davon hält mich nur ab, dass auch ich mich verändert habe und der Schiss, dass ich Kinder, die mit dem Ipad groß geworden sind, nicht mehr erreiche...

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