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Grundschüler machen Gymnasiasten bei der Mülltrennung etwas vor

dz„Fridays for Future“-Forderung

Gymnasiasten haben angeprangert, dass an ihrer Schule – der zweitgrößten in Kamen – keine Mülltrennung üblich ist. Jetzt zeigt sich: Das Gymnasium könnte von einer Grundschule lernen.

Kamen

, 13.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Das Bild darüber, wie ernst die Mülltrennung im Klassenzimmer an einzelnen Schulen in Kamen genommen wird, vervollständigt sich allmählich. Angefangen hat die Diskussion am Gymnasium durch Schüler aus der „Fridays for Future“-Bewegung, die bei Schulleiterin Angelika Remmers anfragten, ob eine Mülltrennung im Klassenzimmer eingeführt werden kann. Bislang landet alles in einem Eimer. Daraufhin griff unsere Zeitung die Schülerfrage auf und startete eine Umfrage unter den örtlichen Schulen – mit nur geringer Resonanz. Die meisten Schulen weichen dem von Jugendlichen gesetzten Umweltthema offenbar aus und lassen offen, wie sie die Mülltrennung handhaben.

Jahnschule in Methler vorbildlich

Nun hat sich als bislang einzige Grundschule die Jahnschule aus Methler zu Wort gemeldet. Schulleiterin Anja Bolz erklärt in ihrer Antwort auf die Umfrage ausführlich, wie die Grundschule versucht, einen Beitrag zum Recycling-Prinzip zu leisten. Die Schilderung verdeutlicht, wie Schulen vorbildlich handeln können, aber auch, wie schwierig es ist, die Mülltrennung konsequent in einem Schulbetrieb umzusetzen. Zuvor hatte bereits Dr. Beatrix Günnewig von der Hauptschule erklärt, dass an ihrer Schule ebenfalls Müll, getrennt nach Kunststoff und Restmüll, gesammelt werde. Diese Art der Trennung funktioniere gut und sei den Schülerinnen und Schülern selbstverständlich.

Kinder übernehmen den „Altpapier-Dienst“

In den Klassenzimmern der Jahnschule befinden sich jeweils drei Behälter: für

Rest-, für Verpackungsmüll und für Papier. Während die Reinigungskolonnen am Gymnasium nur einen einzigen Abfalleimer pro Klasse zu leeren haben, kümmern sich die Raumpflegerinnen an der Jahnschule um die Leerung der Rest- und Verpackungsmüllbehälter. Das Papier wird hingegen von Schülerinnen und Schülern zum Sammelbehälter gebracht. Der „Altpapier-Dienst“ ist an der Jahnschule ein geflügeltes Wort.

Grundschüler machen Gymnasiasten bei der Mülltrennung etwas vor

Anja Bolz (vorne links) von der Jahnschule in Methler sagt: „Die einen sind begeisterte und energische Mülltrenner, die anderen müssen erinnert und immer wieder aufgeklärt werden – je nach dem, wie sie zum Beispiel auch von den Eltern zu Hause ergänzend zur Mülltrennung angehalten werden.“ © Marcel Drawe

Schulleiterin Anja Bolz beschreibt den Entsorgungsweg des Mülls aus dem Klassenzimmer am Beispiel des Altpapiers: „Die Kinder bringen nach Bedarf und nach Rücksprache mit den Lehrkräften zu dritt den Müll in den Innenhof, direkt am Gebäude, in den dafür bereitstehenden Behälter. Zwei Schüler tragen die große Kiste, einer hält die Türen auf.“

Während am Gymnasium die Mülltrennung offenbar nur im Lehrerzimmer und in Büros praktiziert wird, übt die Jahnschule dies auch in den Klassenzimmern ein. Eine Ausnahme gibt es: „Es gibt keine Biomüllentsorgung“, erläutert Schulleiterin Bolz. „Das hat damit zu tun, dass so wenig Biomüll anfällt, so dass sich das nicht lohnt und eher zu Schwierigkeiten führt. Kinder nehmen den Teil

des Frühstücks, den sie nicht gegessen haben, in ihren Mehrwegdosen

wieder mit nach Hause.“

Nach den Ferien geht die Diskussion weiter

Den Aufwand für die Mülltrennung schätzt die Leiterin der Jahnschule als überschaubar ein. „Der Aufwand ist gering, wenn die Kinder die Trennung einmal erlernt haben“, erklärt sie. „Danach ist es genauso wie in allen anderen schulischen Kontexten – die einen sind begeisterte und energische Mülltrenner, die anderen müssen erinnert und immer wieder aufgeklärt werden – je nach dem, wie sie zum Beispiel auch von den Eltern zu Hause ergänzend zur Mülltrennung angehalten werden.“

Nun sind erst einmal Osterferien. Sobald die Schule wieder beginnt, dürfte die Frage der Mülltrennung an Schulen zumindest am Gymnasium noch für einigen Gesprächsstoff sorgen. Schulleiterin Angelika Remmers hatte die Schülerforderung nach Einführung der Mülltrennung begrüßt, sich aber skeptisch geäußert, ob sich die Idee in die Tat umsetzen lässt. Ohne Schülerbeteiligung geht es ihrer Meinung nach nicht.

Grundschüler machen Gymnasiasten bei der Mülltrennung etwas vor

Wie halten es die Kamener Schulen mit der Mülltrennung? Diese Frage hat die „Fridays for Future“-Bewegung aufgeworfen. © eyetronic - stock.adobe.com

Ein pensionierter Lehrer des Gymnasiums, Hans-Joachim Haupt, erinnert sich an frühere Versuche der Schule, die Mülltrennung einzuführen. In den Neunziger-Jahren habe es „eine progressive Öko-Generation von Schülern und Referendaren“ gegeben, die sich dafür stark gemacht habe. „Wir hatten, glaube ich, ein Zwei-Kammer-System und haben Kunststoff und Restmüll getrennt. Das ist letztlich an der Unzulänglichkeit der beteiligten Schüler gescheitert, weil irgendwas reingeschmissen wurde. Dann haben die Putzfrauen rebelliert und nicht mehr mitgemacht.“ Haupt ist zwar längst pensioniert, betreut aber weiterhin mit großem Engagement den Schulgarten in Abstimmung mit der Schulleitung. Es freut ihn, dass sich die Schüler der „Fridays for Future“-Generation jetzt für ein Umweltthema engagieren.

Aktionen nach der Schülerdemo vom 22. März

In der „Fridays for Future“-Bewegung setzen sich Kamener Schüler für mehr Umwelt- und Klimaschutz ein - dazu zählt auch das Müllthema. Schülersprecherin Jona Krollmann und weitere Schülervertreter des Gymnasiums hatten am 22. März die erste und bislang einzige Kamener Klimaschutz-Demo auf dem Schulhof des Gymnasiums organisiert. Kürzlich trafen sich Schülervertreter der weiterführenden Schulen im Rathaus mit Bürgermeisterin Elke Kappen (SPD) und brachten dabei ihre Anliegen zur Sprache. Die Stadtverwaltung überlässt es den Schulen, ob sie Müll im Klassenzimmer trennen oder nicht.

Grundschüler machen Gymnasiasten bei der Mülltrennung etwas vor

Am Gymnasium wird derzeit die Schülerforderung nach Einführung der Mülltrennung diskutiert - hier der stellvertretende Schulleiter Lars Wollny. © Stefan Milk Stefan Milk

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