Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

„Folter gibt es noch heute“: Gedenken an einen Helden seiner Zeit

dzBürgerantrag zu Anton Praetorius

Anton Praetorius ist ein Mann, an den in vielen Städten erinnert wird. Allerdings nicht in Kamen, obwohl er hier Pfarrer und Leiter der Lateinschule war. Das ärgert Hartmut Hegeler.

von Stephanie Tatenhorst

Kamen

, 15.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Der ehemalige Unnaer Pfarrer stellte einen Bürgerantrag, im kommenden Jahr an das Lebenswerk Anton Praetorius zu gedenken. Dann würde Anton Praetorius 460 Jahre alt. Der Haupt- und Finanzausschuss verwies das Thema nun an den Kulturausschuss der Stadt Kamen. Der soll sich damit, aber auch dem Leben und Wirken Anton Praetorius befassen.

Vorbild für Zivilcourage

Zu seiner Zeit war Praetorius eine Institution. „Und er ist bis heute ein Vorbild für Zivilcourage“, sagt Hegeler. „Obwohl er eine Familie hatte, scheute er sich nicht, gegen die Hexenverfolgung einzuschreiten und gegen Folter zu protestieren. Man weiß ja immer nie, wie man selbst in einer ähnlichen Situation handeln würde, wenn man die eigene Familie in Gefahr bringen würde“, sagt Hegeler voller Bewunderung für Anton Praetorius.

Der wurde im Jahr 1560 geboren und heiratete später eine Kamenerin. Er verließ die Stadt, weil er als Hofprediger an ein Fürstenhaus in Hessen berufen wurde, und legte sich bei einem Hexenprozess mit seinem Arbeitgeber an. Die Frau konnte er retten, seinen Job war er jedoch los. Ein Engagement, das er mit dem eigenen Leben hätte bezahlen können.

Kämpfer gegen die Hexenverfolgung

„Als erster evangelischer Pfarrer seiner Zeit wandte er sich mit einer Aufsehen erregenden Schrift an die Öffentlichkeit“, weiß Hegeler. Der „Gründliche Bericht von Zauberey und Zauberern“ war eine Fanal in Zeiten der Hexenverfolgung, und so trug Praetorius großen Anteil an der späteren Überwindung dieser menschenverachtenden Praxis. „Dieses Buch widmete Praetorius wichtigen Bürgern Kamens“, erklärt Hegeler.

Der Massener wurde durch Zufall auf Anton Praetorius aufmerksam. „Ich kannte ihn überhaupt nicht“, gibt er zu. Doch als Religionslehrer am Berufskolleg bat ihn eine Schülerin, im Unterricht über die Hexenprozessen zu sprechen, und wies ihn auf eine Ausstellung in Schmallenberg-Holthausen hin. „Dort gab es ein Wandplakat über Praetorius, und ich war fasziniert“, sagt Hegeler. Weiterführende Informationen fand er allerdings nicht über den außergewöhnlichen Pfarrer, und begann mit der Recherche.

„Die Spurensuche wurde immer spannender“, sagt Hegeler, heute ausgewiesener Praetorius-Kenner. Er betreibt eine Homepage über dessen Wirken und fand mit Hilfe des ehemaligen Stadtarchivars Jürgen Kistner heraus, dass Praetorius Leiter der Kamener Lateinschule war. Er fand handschriftliche Briefe – und „ich war verzweifelt, weil ich die alte Schrift nicht lesen konnte.“ Und dann waren viele Texte auch noch in Latein verfasst. Lateinlehrer Burkhard Schmank vom Städtischen Gymnasium Kamen übersetzte diese, und so trug Hegeler nach und nach eine beeindruckende Sammlung über Praetorius zusammen.

Exponate und Plakate vorhanden

Inzwischen existiert eine komplette Ausstellung, die schon an vielen Orten, an denen Praetorius wirkte, gezeigt wurde. Sie anlässlich des 460. Geburtstags in Kamen zu zeigen, ist eine Idee Hegelers. Er könnte sich aber auch die Benennung einer Straße vorstellen, oder das Anbringen einer Gedenktafel oder eine Veranstaltung mit Vortrag und Präsentation. Was gemacht wird, soll aber der Kulturausschuss entscheiden.

Hegeler hält eine generelle Würdigung des einstigen Kamener Pfarrers für wichtig: „Bis heute ist sein vehementes Eintreten für die völlige Abschaffung der Folter vorbildlich. Auch wenn er eine historische Gestalt ist, Folter und Verfolgung, sogar von Hexen und Zauberern, gibt es noch heute.“

Lesen Sie jetzt