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Mohsin Erturan ist einer von 40 Bewohnern, die nach dem Brand an der Blumenstraße 9 ihre Wohnungen nicht mehr nutzen dürfen. Am Abend des Feuers war er im Dienst: als Unterbrandmeister bei der Feuerwehr.

Kamen

, 05.07.2018 / Lesedauer: 3 min

Freiwillige Feuerwehrleute sind Helden des Alltags. Das gilt besonders für den 22-jährigen Mohsin Erturan, der unter dramatischen Umständen half, seine eigenen Nachbarn vor Rauch und Flammen zu retten.

Erturan ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Kamen. Am Montagabend sind er und seine Kameraden gerade von einem Einsatz in Südkamen zurückgekehrt und befinden sich noch auf der Feuerwache. Plötzlich kommt ein neuer Alarm herein: Kellerbrand auf dem Spiek 9.

Mehrere Löschzüge fahren sofort unter Führung von Einsatzleiter Armin Gartmann los. Auch Erturan ist mit an Bord. Erst auf der Anfahrt wird klar, dass beim Notruf ein Straßenname verwechselt worden ist. Es brennt statt auf dem Spiek 9 an der Blumenstraße 9. Das ist die Adresse, wo Erturan und seine Mutter wohnen.

Feuerwehrmann rettet eigene Mitbewohner per Drehleiter

Einsatz am Montagabend (2. Juli 2018) an der Blumenstraße 9 in Kamen. © Stefan Milk

Dichter Rauch steigt aus den Kellerfenstern, als die Feuerwehr eintrifft. Einigen Bewohnern ist der Fluchtweg durchs Treppenhaus abgeschnitten und stehen auf den Balkons. „Es war katastrophal, als ich das gesehen habe“, sagt Erturan.

Obwohl er selbst betroffen ist, bleibt er relativ ruhig. „Wir haben dann erst mal die Brandbekämpfung vorgenommen. Ich war auf der Drehleiter, habe eine Mutter und einen Sohn von der anderen Seite heruntergeholt, habe dann gewartet, bis ich einen anderen Einsatzbefehl kriege“ erzählt er. Vize-Feuerwehrchef Gartmann bestätigt die Schilderungen Erturans. „Er konnte uns Hilfe leisten, weil er er sich gut auskennt“, sagt er.

Erturan ist erleichtert, dass seine Mutter an diesem Abend nicht zu Hause ist. Er konzentriert sich voll auf seinem Job als Feuerwehrmann. „Ich habe versucht, die Mitbewohner zu beruhigen. Gott sei Dank waren alle schnell raus“, sagt er. Auch eine direkte Nachbarin sei per Drehleiter heruntergeholt worden. Die Rettung sei gut gelaufen.

Direkt nach dem Einsatz kann sich Erturan überzeugen, dass seine Wohnung im zweiten Obergeschoss nicht vom Rauch verschont wurde. Der Qualm ist durch eine offene Balkontür hereingezogen, sodass das Wohnzimmer noch nach Ruß riecht. Andere Räume röchen nur leicht, sagt er.

Keiner der 40 Bewohner darf die zwölf Wohnungen vorerst nutzen, das hat die Stadt Kamen solange verfügt, bis der Mieter vorhandene Mängel beseitigt hat. Erturan findet es richtig, dass das Haus für unbewohnbar erklärt wurde. „Ich als Feuerwehrmann würde das auch sagen. Sogar wenn man an der Haustür riecht, riecht es verbrannt. Ich würde da nicht mehr wohnen wollen.“

Erturans Schwester aus Hamm hat ihren Bruder und die Mutter vorübergehend aufgenommen. „Wir werden da wohl jetzt für längere Zeit bleiben“, sagt der Kamener. Denn auf Anhieb finde man keine neue Wohnung. Alle Bewohner sind derzeit bei Verwandten, Bekannten, Freunden bzw. in einer Notwohnung der Stadt Kamen untergebracht. Eine Familie mit zwei Kleinstkindern, die vorsorglich im Krankenhaus blieben, kann ebenfalls in eine städtische Notwohnung umziehen.

Auf keinen Fall will Unterbrandmeister Erturan zurück an die Blumenstraße 9. Der Fachlagerist, der in Holzwickede arbeitet, sucht eine schöne, gut gelegene Wohnung mit rund 65 Quadratmeter, zweieinhalb oder drei Zimmern um 450 Euro Warmmiete.

Die Wohnverhältnisse an der Blumenstraße 9 seien im Laufe der Jahre schlechter geworden. „Ich bin seit 2006 hier, ab 2011 wurde es peu à peu schlimmer. Kein Hausmeister da, das Gras wächst auf Kopfhöhe. Auf gut Deutsch gesagt, finde ich das scheiße.“

Feuerwehrmann rettet eigene Mitbewohner per Drehleiter

Verkohlte Sperrmüllreste vor dem Haus. © Carsten Fischer

Derweil hat der Vermieter mit den Aufräumarbeiten begonnen. Dutzende prall gefüllte blaue Müllsäcke und verkohlter Sperrmüll lagen am Mittwochabend auf der Wiese vor dem Haus. Die Polizei vermutet, dass das Feuer im Keller vorsätzlich gelegt wurde, und ermittelt wegen Brandstiftung. Eine heiße Spur gebe es noch nicht, sagt Polizeisprecherin Vera Howanietz.

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