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Ein Schultag zum Thema Europa

dzGesamtschule Kamen

Passkontrolle an den Schultüren: Mit so einer Aufmerksamkeit erregenden Aktion begann am Montagmorgen der Europatag an der Gesamtschule Kamen. Der bot neben Informationen einen Aha-Effekt.

von Stephanie Tatenhorst

Kamen

, 13.05.2019 / Lesedauer: 3 min

„Es war kalt.“ „Wir standen da blöd rum.“ „Wir mussten ewig warten.“ „Dann mussten wir auch noch woanders hin und standen auch da wieder nur rum.“ Die Beschwerden, die Sebastian Lenz zu hören bekam, kann der Lehrer mit einem Satz zusammenfassen: „Die Schüler waren einfach nur genervt.“ Ein breites Lächeln kann sich der Lehrer dabei nicht verkneifen: Der Plan, der mit der Aktion verfolgt worden war, ging auf. Die Schüler sollten ein Gefühl dafür bekommen, was es bedeutet, in der Europäischen Union zu leben. Denn eine Errungenschaft war durch das Schengen-Abkommen die Abschaffung der Ausweiskontrollen an den Grenzen.

Welt ohne Europa ist unbekannt

Die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule kennen keine Welt ohne ein vereintes Europa. Vieles ist für sie selbstverständlich, anderes ist ihnen gar nicht bewusst. „Uns jungen Leuten fehlt einfach das Wissen über die Geschichte“, sagt Schülersprecherin Pia Schnürer. „Für uns ist das alles ganz normal“, sagt die Zwölftklässlerin.

Um Europa einmal aus dem historischen Blickwinkel betrachten zu können, hatte die Schülervertretung eine Gesprächsrunde mit Alt-Bürgermeister Hermann Hupe und Bürgermeister Elke Kappen organisiert - und die älteren Jahrgänge der Schule verfolgten deren Ausführungen interessiert. „Ich hätte auch gedacht, dass es unruhiger sein würde“, sagte Schnürer mit Blick auf ausbleibende Störungen. „Aber es waren für uns alle einfach fesselnde Themen. Themen, die uns im Alltag auch wirklich betreffen.“

Sowohl Hupe als auch Kappen, beide überzeugte Europäer, betonten die Wichtigkeit der Europäischen Union in wirtschaftlicher, aber auch sozialer, klima- und friedenspolitischer Sicht. Doch dass Europa auch Veränderungen brauche, betonte vor allem Hupe mehrfach. So müsse Europa demokratischer werden, indem Mehrheitsverhältnisse Entscheidungen herbeiführten und nicht wie aktuell die Einstimmigkeit. „Dann würden viele Dinge auch viel schneller ablaufen können“, erklärte Hupe.

Ein Schultag zum Thema Europa

Die Gesamtschüler verfolgten die Redebeiträge größtenteils interessiert. © Borys Sarad


„Großbritannien hat uns einen Gefallen getan“

Vor allem appellierten die beiden aber an die Schülerinnen und Schüler, am 26. Mai zur Wahl zu gehen. Vier noch unentschlossene Wähler konnten sie dabei sogar direkt ansprechen und von der Wichtigkeit der Wahl überzeugen. „Großbritannien hat uns eigentlich einen Gefallen getan“, sagte Elke Kappen. „Wenn man mit jungen Briten spricht, erzählen sie jetzt, dass sie sich nie mit der EU und einem Brexit befasst hätten, sonst hätte ihr Verhalten anders ausgesehen. Das zeigt uns: Es ist nicht egal, ob man seine Stimme abgibt oder nicht. Die Briten sind ein schönes Beispiel dafür, dass jede einzelne Stimme zählt.“

Deshalb waren auch viele Schüler, die über Wahlbenachrichtungskarten zur Probewahl am Europatag aufgefordert wurden, an die Wahlurne getreten. Die Ergebnisse sollen am Dienstag bekannt gegeben werden. „Die Stadt hat uns super unterstützt. Wir haben die originalen Wahlurnen und auch die Wahlkabinen bekommen, so dass die Schüler einen Einblick in den Ablauf der Wahl bekommen“, sagte Lehrerin Anke Limbacher.

„Auch alle Lehrer und Schüler ziehen heute mit. Das ist wirklich schön“, sagte Michael Engelkenmeier, der an der Schule der Europa-Koordinator ist. Deshalb wurden die unterschiedlichsten Angebote zum Thema Europa und der anstehenden Wahl auch gut nachgefragt.

„Wir Schüler sollten heute gemerkt haben, dass wir eigentlich keine andere Wahl haben“, sagte Schülersprecherin Pia Schnürer lachend. „Wir müssen am 26. Mai wählen gehen.“

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