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Dort, wo Kinder plötzlich weit über sich hinauswachsen

Zirkusprojekt in Methler

Beim Zirkusprojekt der Jahnschule blühen die Junioren auf. Selbst Eltern entdecken neue Seiten an ihren Kindern. Manchmal werden sogar heilende Kräfte aktiviert, hat der Zirkusdirektor festgestellt.

Bergkamen, Kamen

, 26.06.2018 / Lesedauer: 3 min
Dort, wo Kinder plötzlich weit über sich hinauswachsen

Hoch hinaus, manchmal kopfüber, wollen die Jahnschüler in dieser Woche. Im Circus Phantasia lernen sie aber nicht nur Tricks uns Akrobatik, sondern auch etwas über sich und bisher verborgene Fähigkeiten.Stefan Milk © Stefan Milk

Erster Trainingstag in der Zirkusschule Phantasia. Die Jonglierbälle kreisen, das Drahtseil vibriert und das Trapez schwingt. 190 Schüler und 40 Maxikinder aus den benachbarten Kindergärten bilden mit dem 14-köpfigen Kollegium eine Woche lang eine verschworene Zirkusgemeinde. Manege frei für die kleinen Akrobaten.

Seit Montag steht das imposante Zirkuszelt, das unter zwei Masten 450 Zuschauer fasst, auf dem Außengelände der Methleraner Grundschule, errichtet mithilfe von 40 tatkräftigen Eltern, die die zehn Zirkusleute vom Circus Phantasia bei der Arbeit unterstützten. Sie erhielten dabei einen Vorgeschmack, was ihre Kinder in dieser Woche erleben werden – nämlich echtes Gemeinschaftsgefühl und die Erkenntnis, etwas Besonderes geschafft zu haben.

Schulleiterin Anja Bolz hat es schon mehrfach erlebt, was dieses alle vier Jahre stattfindende Schulprojekt bewirkt. „Die Kinder wachsen über sich hinaus“, sagt sie. Selbst jene, die sonst eher zurückhaltend sind, würden sich öffnen, so sehr, dass selbst Eltern überrascht seien. „Oft ist zu hören, dass sie ganz neue Seiten an ihren Kindern entdeckt haben.“

Für Direktor Lars Wassertal, der den Zirkus vor acht Jahren gegründet hat, ist das eigentlich keine Überraschung, obwohl er sich jedes Mal wieder von den Leistungen überraschen lässt. Der 37-jährige gelernte Schauspieler und Theaterpädagoge erlebt von Tag zu Tag, wie sich die Junioren im Angesicht der neuen Herausforderungen verändern. „Viele Eltern fragen hinterher: Was habt ihr mit ihm gemacht? Der konnte früher nicht einmal rückwärts gehen und turnt jetzt am Trapez!“ Die Kinder würden für sich oft eine ganz andere Rolle aussuchen als jene, die sie im Alltag einnehmen. „Jene, die im Unterricht still sind, werden oft Clowns und gehen aus sich heraus.“

Der Theaterpädagoge, der auch als Musicaldarsteller gearbeitet hat, hat selbst eine Entwicklung durchgemacht in all den Jahren der Arbeit mit Kindern. „Am Anfang haben wir ergebnisorientiert gearbeitet, wollten Tricks vermitteln, fachlich sein“, berichtet er. Mittlerweile seien andere Dinge wichtiger geworden. „Die Vermittlung des Gemeinschaftsgefühls, das Sich-Aufeinander-Verlassen-Können“, wie er sagt. Dinge, die heute nicht mehr selbstverständlich seien, sie zu erleben. Wie der Moment des Erfolges, etwas zu leisten, das von allen anerkannt werden. Und reichlich Applaus dafür. Für die Jungs sei es zudem wichtig, dass es auch männliche Ansprechpartner gebe. „Das ist noch einmal etwas anderes, als die Ansprache durch das meist weibliche Kollegium.“

Die Jahnschüler haben sich in zwei Gruppen aufgeteilt, die erste Vorstellung erfolgt am Donnerstag, 17 Uhr. Dann gibt es eine Schau mit Seiltänzern, Akrobaten, Zauberern, Trapezkünstlern, Fakiren und Feuerspuckern. Und möglicherweise gibt es dann wieder eines der Schlüsselerlebnisse, die dem Zirkusdirektor wieder so viel Kraft zurückgeben. Wie mit jener Mutter, Tränen in den Augen, die ihr Kind beobachtete, das eine Krankheit hat, die eigentlich keine Tiefschlafphase zulässt. „Sie nahm mich in den Arm und sagte: Seit Dienstag hat mein Kind zum ersten Mal durchgeschlafen!“

Und so geht es auch für die anderen Schüler aufgeweckt in turbulente Zirkustage. Und so manch verborgenes Talent wird dabei im Rampenlicht der Manege hell zum Strahlen kommen.

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