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In Kamen gibt es eigentlich ausreichend Defibrillatoren, die bei einem Herzstillstand Leben retten können. Trotzdem gibt es noch Verbesserungsbedarf.

Kamen

, 19.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Wenn es nach der Statistik geht ist Kamen bei der Ausstattung mit Defibrillatoren vorbildlich. Nach Angaben des Vereins „Definetz e.V.“ aus Hamm gibt es n der Stadt insgesamt 45 der elektronischen Lebensretter. Das entspricht bei rund 44.000 Einwohnern genau den Vorgaben des „Europäischen Rats für Wiederbelebung“ (European Resuscitation Council, ERC), der pro 1000 Einwohner mindestens einen Defibrillator empfiehlt.

Es kommt auch auf die Verteilung an

Trotzdem sieht Friedrich Nölle, neben dem Kamener Arzt Dr. Christian Fastenrath einer der beiden Vorsitzenden von Definetz e.V., in Kamen bei den Defibrillatoren immer noch Luft nach oben. Es kommt nach seinen Angaben nicht nur auf die Anzahl der Defibrillatoren an, sondern auch auf die Verteilung. Sie müssen im Notfall schnell erreichbar sein, denn bei einem Herzstillstand zählt jede Sekunde. In Kamen gibt es vor allem Defibrillatoren-Standorte in der Innenstadt und dem unmittelbaren Umfeld, aber immerhin einige in den Ortsteilen wie Methler oder Heeren-Werve. Im dicht besiedelten Raum des Ruhrgebiets sei das Problem ohnehin nicht so groß wie im ländlichen Raum, sagt Nölle. „Dort gibt es Fälle, dass die Zahl der Defibrillatoren in der Gemeinde statistisch passt - aber bei einem Notfall in einem eingemeindeten Dorf ist der nächste kilometerweit entfernt“, kritisiert er.

Viele Defis sind nicht jederzeit zugänglich

Hinzu kommt, dass viele der Defibrillatoren nicht rund um die Uhr öffentlich zugänglich sind, sondern nur zu Zeiten, in denen die jeweilige Einrichtung geöffnet ist. Zum Teil müssen Helfer im Notfall auch erst Personal nach dem Defi fragen, weil er auch zu den Öffnungs- oder Dienstzeiten nicht sofort zugänglich ist. Der Verein fordert deshalb, dass Defibrillatoren jederzeit öffentlich zugänglich sein müssen. Nölle weiß, dass das oft aus Angst vor Diebstahl und Vandalismus nicht der Fall ist. Der Verein kennt allerdings aus der Region kaum Vorfälle, in denen Geräte gestohlen oder vorsätzlich beschädigt wurden. Bei den wenigen Fällen zu denen es bundesweit gekommen ist, sei der Defibrillator meist noch kurzer Zeit wieder aufgetaucht und nach einer Inspektion auch wieder verwendbar gewesen.

Die elektronischen Lebensretter sind nicht immer verfügbar

Die Strompads des Defibrillators setzen das Herz durch Stromstöße wieder in Gang. Die Geräte sind so konstruiert, dass auch Laien sie bedienen können. © picture alliance / dpa

Günstige Versicherung

Der Verein hat zudem mit einer Versicherung einen Sammelvertrag geschlossen. Darüber lassen sich Defibrillatoren für zwischen 12 und 30 Euro pro Jahr versichern, je nach Wert. Der Defibrillator ist aber nach Angaben des Vereins ohnehin nicht die erste Wahl, wenn es zu einem Notfall mit Herzstillstand kommt. Die Suche nach dem nächsten Defibrillator würde zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Schon nach fünf Minuten Herzstillstand sind schwere Hirnschäden zu befürchten.

Die elektronischen Lebensretter sind nicht immer verfügbar

Bei einem Herzstillstand sollte der Ersthelfer über die Notrufnummer 112 den Rettungsdienst verständigen und dann sofort selbst mit der Herzdruckmassage beginnen. © picture alliance/dpa

Regel „Prüfen rufen, drücken“

Deshalb gilt laut Nölle die Regel „Prüfen, rufen, drücken“. Das bedeutet: Wenn ein Helfer einen leblosen Menschen findet, soll er zunächst prüfen, ob er noch atmet und Puls hat. Dann soll er sofort den Notruf „112“ wählen. Damit setzt er die Retter in Gang. Außerdem kann ihm die Leitstelle meist auch Anweisungen für notwendige Reanimationsmaßnahmen geben. Dann soll der Helfer sofort mit der Herzdruckmassage beginnen. Das erhöht die Überlebenschancen des Betroffenen deutlich. „Es hat schon Fälle gegeben, in denen ein Betroffener bis zu einer Stunde ohne Folgeschäden überlebt hat“, sagt Nölle.

Zweiter Helfer kann das Defi holen

Nur wenn ein zweiter Helfer dazukommt, kann er sich auf die Suche nach dem Defibrillator machen und ihn holen. Angst, etwas falsch zu machen, muss niemand haben. Alles ist im Notfall besser, als nichts zu tun.

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