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Sanierung der Altstandorte oder Neubau eines Kombibades. Die Bürger sind gespalten. Die einen wollen mit dem Maximare konkurrieren, die anderen den Erhalt der bisherigen Bäder.

Kamen

, 15.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Ein neues Bad ohne Sprungturm? „Das ist für Teenager nicht sonderlich attraktiv“, sagt eine Mutter bei der Einwohnerversammlung am Montag. Ein Kombibad auf Kosten der Stadtteilbäder? „Nur dann, wenn Heeren auch im Spiel bleibt“, sagt ein anderer Bürger.

Eine Einwohnerversammlung mit etwa 300 Bürgern. Eine Zahl, die zeigt, wie sehr das Thema bewegt. Die bekannte Frage ist: Der Neubau eines Kombibades, der mit etwa 26 Mio. Euro kalkuliert wird und mit hohen Baukostensteigerungen der nächsten Jahre bei dann etwa 30 Mio. Euro liegen könnte? Oder die Sanierung der bestehenden Bäder mit einer ähnlich hohen Summe, die zurzeit mit etwa 28 Mio. berechnet wird? Ausschläge nach oben kann es wohl bei beiden Varianten geben.

Die Zukunft der Bäder: Das sagen die Bürger

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand um sechs Uhr morgens Reha-Sport betreibt.“ Beate Siebert zweifelt an, dass die künftigen Wasserflächen ausreichen werden. © Borys Sarad

Bürgerinitiative schaltet sich ein

Darunter sind etwa 40 Mitstreiter der Bürgerinitiative zum Erhalt der Kleinschwimmhalle Heeren. Beate Siebert gehört dazu. Sie ergreift das Mikrofon und das Wort. „Wir haben jetzt in den Bädern 1000 Quadratmeter Wasserfläche innen und 2470 Quadratmeter außen. Künftig werden es aber nur 512 Quadratmeter innen und 1580 Quadratmeter außen sein. Das sind etwa 50 Prozent weniger“, kritisiert sie. „Die Frage ist“, so führt sie aus: „Reicht uns das? Ich sehe da Schwierigkeiten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand um sechs Uhr morgens Reha-Sport betreibt.“ Sie fragt nach Belegungsplänen, die bei der Anmoderation angekündigt wurden. Gezeigt werden sie nicht. Es gibt nur den Hinweis auf die Bedarfsermittlung in Zusammenarbeit mit den Schulen und Sportvereinen, sodass für alle Platz vorhanden sein soll.

Die Zukunft der Bäder: Das sagen die Bürger

GSW-Chef Jochen Baudrexl verweist auf weitere Möglichkeiten, Parkplätze zu schaffen. In der Debatte, so sagt er, werde ihm zu wenig gewürdigt, welche Attraktivität ein neues Bad bietet und welche Anziehungskraft es hat, um Familien zu locken, deren Kinder dann früher das Schwimmen lernen können. © Borys Sarad

Eine Rutsche oder Sprungtürme?

Ein neues Bad, das minimalistisch ausgelegt ist, oder doch eines mit größerer Strahlweite? Dazu gibt es unterschiedliche Meinungen. Wie, siehe oben, mit der Frage nach einem Sprungturm. „Wenn man ins Maximare geht, dann wird da deutlich mehr geboten“, sagt eine Bürgerin. „Ohne ausreichende Attraktivität ist für mich die Legitimation für ein neues Bad nicht vorhanden.“ Eine andere Bürgerin fragt, ob die große Außenrutsche, die vom ehemaligen Spaßbad ins Freibad Mitte gewandert ist, nicht weiter zu verwenden ist. Die, so Bäder-Architekt Heinrich Brinkhus, sei schon mehrfach umgebaut worden. Der Kunststoff sei durch sein hohes Alter „versprödet“. Trotzdem, so signalisiert Bürgermeisterin Elke Kappen: „Ich kann mir vorstellen, dass es, wenn erwünscht, auch eine Lösung für eine Rutsche geben kann.“ Sie betont aber, dass man sich nicht an einem kommerziell betriebenen Bad wie das Maximare messen lassen könne. „Wir können keine Luftschlösser realisieren. Es geht vor allem um die Daseinsvorsorge für das Schulschwimmen und die Sportvereine, damit sie ihren Sport ausüben können.“ Zudem müsse das Bad so attraktiv sein, dass die Bürger der Stadt dort schwimmen gehen möchten. „Wir brauchen eine Attraktion für unsere Stadt und nicht etwas, das über die Grenzen hinaus strahlt.“ Ein anderer Bürger sieht das anders. „Wir müssen klotzen, nicht kleckern. Wir haben eine riesige Konkurrenz. Wenn es sich einigermaßen rentieren soll, dann brauchen wir etwas Vernünftiges.“

Die Zukunft der Bäder: Das sagen die Bürger

Neben dem Gebäude, dort, wo jetzt noch die Schwimmerklause steht, sollen einige Pkw-Stellplätze geschaffen werden. Nicht genug, wie auf der Einwohnerversammlung kritisiert wurde. © Archiv

Anwohner: Es gibt zu wenig Parkplätze

Auch das Thema Parkplätze bewegt. Eine Anwohnerin der Straße „Am Ufer“ in direkter Nähe zum Freibad meldet sich. „Die Straßen sind zugeparkt, teilweise von Mitarbeitern der Firma Vahle. Wenn jetzt das Freibad eröffnet wird, wird es noch schlimmer. Bei einem neuen Kombibad, ganzjährig betrieben, sehe ich schwarz.“ Einige zusätzliche Parkplätze, so führt Brinkhus aus, sind eingeplant: 26 dort, wo jetzt noch das Sporthotel „Schwimmerklause“ steht, das abgerissen werden soll. Und zwölf Parkplätze direkt vor dem Eingangsbereich, davon drei Behindertenparkplätze. Außerdem, so führt GSW-Geschäftsführer Jochen Baudrexl aus, gebe es noch weitere Möglichkeiten, die realisiert werden könnten. An der Wilhelm-Bläser-Straße, Höhe Eilater Weg, gebe es noch einen Dreieckszipfel für weitere Stellflächen. Am Wertstoffhof an der Werkstraße gebe es zudem eine Lagerfläche, die man ebenso nutzen könnte. Zudem verweist er auf ca. 200 Fahrradstellplätze, die Anreize setzen, klimafreundlich zum Schwimmen zu radeln. Ein DLRG-Mitglied aus Methler, der die Neubaupläne lobt („Sehr schön, mit sehr viel Licht“), sagt mit Ironie in der Stimme: „Beim Thema Parkplätze musste ich leicht schmunzeln.“

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Auch Stadtteil-Standorte in der Diskussion

Die Standorte in Methler und in Heeren sind freilich auch Thema. Burkhard Allebrodt, der mit der Kleinschwimmhallen-Initiative ca. 2000 Stimmen für den Standorterhalt gesammelt hat, formuliert noch einmal seinen Wunsch. Auch für Methler sprechen sich viele aus. Doch da ist der Zug wohl schon abgefahren, weil das Bad bekanntlich nicht in städtischer Hand ist, sondern im Besitz des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW), der andere Pläne hat und sich auf die Fußball-EM 2024 im eigenen Land vorbereiten will. Das Bad wird deswegen vermutlich spätestens 2023 geschlossen, dann, wenn womöglich das neue Kombibad eröffnet wird. Eine Schwimmsportlerin aus Dortmund, seit 35 Jahren dort im Schwimmverein, stärkt am Ende den Kombibad-Befürwortern den Rücken: „Ein Plan der sehr gut ist!“

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