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Im neuen Ausbildungszentrum der Firma Vahle können die Azubis auf etwa 325 Quadratmetern an ihrem handwerklichen Geschick feilen. 150.000 Euro hat sich die Firma das Zentrum kosten lassen, um gegen den im ganzen Land grassierenden Fachkräftemangel vorzugehen.

Kamen

, 07.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Menschen in blauen und weißen Hemden klatschen in die Hände, als das Band vor dem neuen Ausbildungszentrum der Paul Vahle GmbH und Co. KG durchschnitten wird. Die Auszubildenden aus den Bereichen Mechanik und Elektronik in Blau freuen sich auf das neue – und vor allem klimatisierte – Gebäude, in dem sie auf etwa 325 Quadratmetern nun schuften, ausprobieren und lernen können. Die Damen und Herren in Weiß, die wichtige Positionen in der Firma oder nahestehenden Institutionen innehaben, hoffen darauf, dass mit dem neuen Zentrum etwas gegen den im ganzen Land grassierenden Fachkräftemangel unternommen werden kann.

Die Meister fallen nicht vom Himmel

Feierliche Eröffnung: Joachim Krieger (v.l.), Achim Dries, Dietmar Hupe, Katrin Bacht, Stefan Schreiber und Jan Mentler kurz vor der Durchtrennung des Bandes. © Marcel Drawe

Wettbewerb um Fachkräfte

„Es herrscht ein Wettbewerb um Fachkräfte“, sagt Achim Dries, Geschäftsführer des Herstellers von Energie- und Datenübertragungssystemen. 150.000 Euro seien in das neue Ausbildungszentrum geflossen, man hoffe darauf, dass sich die Anschaffung bei interessierten Bewerbern in der Region herumspreche und dass die eigens ausgebildeten Fachkräfte an das Unternehmen gebunden werden können. 48 Auszubildende seien im Geschäftsjahr 2018 bei der Firma aktiv, sieben Ausbilder kümmern sich darum, dass sie alles Notwendige für das Berufsleben lernen. „So ein Zentrum zieht die jungen Leute an“, sagt auch Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Dortmund. Mit dem Fachkräftemangel habe jedes Unternehmen im IHK-Bezirk ein Problem, das Ausbildungszentrum sei ein guter Weg, diese Schwierigkeit anzugehen. Schreiber bittet die Auszubildenden nach vorne und lässt sie zur Eröffnung der Halle eine dreifache La-Ola-Welle ausführen. Wenig enthusiastisch, aber die Hitze tapfer aushaltend, kommen die jungen Menschen in Blau der Bitte des IHK-Chefs nach.

Die Meister fallen nicht vom Himmel

Auch Bürgermeisterin Elke Kappen (SPD) legt Hand an die Feile. © Marcel Drawe

Übungen aus Uropas Zeiten

Im klimatisierten Zentrum zeigen die Auszubildenden den Besucher, was das neue Zentrum alles hergibt. „An der Werkbank fängt bei uns alles an“, erklärt Ausbildungsleiter Thorsten Röhr. Dort lernen die Azubis das Feilen des sogenannten U-Stahls. „Unsere Uropas haben schon mit der gleichen Übung gelernt“, sagt Röhr schmunzelnd. Des Weiteren lernen die Azubis unter anderem das Bohren, Drehen, Fräsen, Schweißen und Löten. An einem der Stationen steht der 17-jährige Andreas Zimmermann und setzt die Feile an. Der Auszubildende im Bereich technischer Produktdesigner ist einer der Neuen, die ihre Arbeit am 1. August angetreten sind. „Ich wollte schon immer etwas Handwerkliches machen“, sagt der 17-Jährige zufrieden, die Ausbildung bei Vahle gefalle ihm bisher sehr gut. „Die Kollegen sind alle sehr nett“, sagt er und lobt die Klimaanlage im neuen Ausbildungszentrum.

Seit einigen Jahren beobachtet Röhr, dass sich die Auszubildenden, die in dem Betrieb anfangen, verändern. Vieles müsse den jungen Menschen von Grund auf beigebracht werden. „Viele können heute nicht einmal mehr einen platten Fahrradreifen reparieren“, sagt der Ausbildungsleiter nicht ohne Frust. Die Jugendliche seien heute sehr anders, vielseitige handwerkliche Fähigkeiten bringe heute kaum jemand zur Ausbildung mit, verstärkt müsse man deshalb mehr auf Potenziale anstatt auf Fähigkeiten achten. Auch bei der Erziehung sei Einiges verbesserungswürdig, weshalb der Betrieb seit etwa zwei Jahren ein eigenes Kniggeseminar für seine Azubis bereitstellt, in dem die jungen Menschen etwa lernen, nicht einfach ohne anzuklopfen, in das Büro des Chefs zu gehen. „Die Erziehung zur Selbstständigkeit und Verantwortungsübernahme fehlt heute extrem“, beklagt Röhr.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Eröffnung des neuen Vahle-Ausbildungszentrums

07.08.2018
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Die Auszubildenden setzen zu einer La-Ola-Welle an.© Marcel Drawe
Azubi Andreas Zimmermann überprüft seine Feil-Arbeit an dem U-Stahl.© Marcel Drawe
Die Azubis zeigen den Besuchern, dass sie auch mit Maschinen umgehen können© Marcel Drawe
Vahle-Geschäftsführer Achim Dries hält eine Eröffnungs-Rede.© Marcel Drawe
Pascal Becker bei einer Übung für die Elektro-Azubis.© Marcel Drawe
Azubi Hermann Kröker zeigt dem stv. Landrat Martin Wiggermann eine elektro-pneumatische Steuerung© Marcel Drawe
Die Azubis werken in ihrer Ausbildugnszeit an den verschiedensten Projekten.© Marcel Drawe
Auch Bürgermeisterin Elke Kappen (SPD) legt Hand an die Feile.© Marcel Drawe
Feierliche Eröffnung: Joachim Krieger (v.l.), Achim Dries, Dietmar Hupe, Katrin Bacht, Stefan Schreiber und Jan Mentler kurz vor der Durchtrennung des Bandes.© Marcel Drawe
Azubi Sven Piepenbrink zeigt IHK-Geschäftsführer Stefan Schreiber (2.v.l) im Beisein von Vahle-Geschäftsführer Achim Dries seinen gefeilten U-Stahl. Im neuen Ausbildungszentrums der Firma können die Auszubildenden schuften, ausprobieren und lernen.© Marcel Drawe

Kein Meister fällt vom Himmel

Doch auch wenn sich die Jugendlichen ändern, so ändern sich nicht die Sprüche, die sie in der Ausbildung zu hören bekommen. „Lehrjahre sind keine Herrenjahre; kein Meister ist vom Himmel gefallen; erst die Arbeit, dann das Vergnügen“, zitiert Betriebsrat Dietmar Hupe die bekannten Phrasen. Trotzdem seien die Lehrjahre eine sehr schöne Zeit. Den Azubis bei Vahle wünscht Hupe deswegen Glück, Erfolg und den notwendigen Spaß, der einem die Arbeitszeit versüßen kann.

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