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Mit Anfang 50 trifft Heinz Detlef Klafke der Schock: Sein Sehvermögen lässt dramatisch nach. Der heute 66-Jährige ist sehbehindert, doch von Mitleid will er nichts hören.

Kamen

, 10.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Steht man Heinz Detlef Klafke gegenüber, blickt einem der 66-Jährige direkt in die Augen, streckt die Hand zum Gruß aus und lächelt freundlich. Mit schnellem Schritt geht er durch den Flur des Mehrfamilienhauses, greift zielgerichtet zur Türklinke und tritt in seine gemütliche Wohnung ein.

Heinz Detlef Klafke ist sehbehindert. Mit weniger als fünf Prozent Sehvermögen kann er die Welt mit seinen Augen zwar noch verschwommen wahrnehmen, vieles ist aber nicht mehr möglich – Autofahren zum Beispiel, was den gelernten Maschinenschlosser nach wie vor stört. „Ich musste mich erst mal daran gewöhnen, Beifahrer zu sein“, erinnert sich der 66-Jährige. 2005 sei es losgegangen, mit Anfang 50. Klafke hatte plötzlich Schwierigkeiten mit dem Lesen, von da an ging es von Tag zu Tag bergab mit dem Augenlicht. „Das ist damals alles innerhalb sehr kurzer Zeit passiert“, berichtet der Kamener. Dass er seinen letzten Arbeitstag bereits Ende 2014 beenden sollte, war Klafke, der wegen einer Verletzung in diesem Zeitraum krankgeschrieben gewesen war, damals nicht bewusst.

Den Alltag meistern, wenn einen das Augenlicht verlässt

Heinz Detlef und Gisela Klafke traf der Schock nicht zu hart. Sie können auf ihren Erfahrungen aufbauen. © Stefan Milk

Tricks für den Alltag

Von der Verletzung erholt, aber stark in der Sicht eingeschränkt, meldete er sich beim Arbeitsamt. „Was können sie noch arbeiten?“, habe der Sachbearbeiter ihn gefragt. „Was soll ich sagen?“, war Klafkes lakonische Antwort.

Von da an war vieles nicht mehr möglich: das Lesen funktioniert nur noch mit stark vergrößerten Buchstaben oder mit einer speziellen Lupe, an Autofahren ist nicht mehr zu denken, Hunderte Hindernisse gilt es im Alltag zu überwinden, wenn man sich auf seine Sicht nicht mehr verlassen kann. „Wir haben da so unsere Tricks“, sagt Klafkes Frau Gisela mit einem Lächeln. Sie zeigt ein paar Stoffwürfel, die mit einer Schnur verbunden sind, ein günstig erworbener Dekoartikel. Wenn die beiden auf größeren Veranstaltungen unterwegs sind, etwa auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt, können sich die Eheleute einfach an jeweils einem Würfel festhalten. „So geht er mir nicht verloren“, sagt Gisela Klafke schmunzelnd. Heinz Detlef Klafke kann zudem auf ein ganzes Arsenal an Hilfsmitteln zurückgreifen: er hat spezielle Lupen, Brillen und eine Spieluhr, die die Uhrzeit mit hellen Lichtpunkten anzeigt, sodass auch der 66-Jährige problemlos die Zeit ablesen kann.

Den Alltag meistern, wenn einen das Augenlicht verlässt

Heinz Detlef und Gisela Klafke greifen im Alltag auf die verschiedensten Hilfsmittel zurück. Die kleinen Dekowürfel helfen ihnen etwa, draußen nicht verloren zu gehen. © Stefan Milk

Sinne werden nicht stärker

Die Hilfsmittel sind auch nötig. „Wenn einer im Alter blind wird, werden die anderen Sinne nicht stärker“, meint Gisela Klafke. Blindenschrift habe der 66-Jährige nicht gelernt zu lesen, die Empfindlichkeit in seinen Fingern lasse immer weiter nach.

Seine Sehbehinderung stehe wahrscheinlich im Zusammenhang mit einer seltenen Muskelerkrankung, an der der Kamener leidet. „Die Diagnose war natürlich ein Schock“, sagt Klafke, „doch wir haben bereits gelernt, mit so etwas umzugehen.“ Der 66-Jährige war Alkoholiker und rührt seit 1981 keinen Tropfen mehr an. „Durch solche Erfahrungen lernt man halt“, sagt der Kamener.

Den Alltag meistern, wenn einen das Augenlicht verlässt

Eigentlich ist es nur eine Spieluhr, doch die leuchtenden Punkte helfen Klafke, die Zeit abzulesen. © Stefan Milk

Austausch mit Anderen

Besonders geholfen habe ihm in dieser Zeit der Austausch mit Anderen, schon früh sei er in eine Selbsthilfegruppe gegangen. Dieses Rezept habe dann auch bei seiner Sehbehinderung funktioniert, Klafke ist nicht nur Vorstandsmitglied im Blinden- und Sehbehindertenverein, sondern gründete auch die Ortsgruppe des Vereins in Kamen.

Unterkriegen lässt er sich von seiner Krankheit nicht. Gemeinsam mit seiner Frau Gisela führt Klafke noch ein aktives Leben. „Was sollen wir machen, uns einfach in die Ecke setzen?“, fragt Gisela Klafke schmunzelnd. „Das Handtuch zu schmeißen kommt für uns nicht in Frage“, ergänzt ihr Mann.

  • Der Blinden- und Sehbehindertenverein Kreis Unna (BSVKU) ist eine Selbsthilfeorganisation, die Informatioen, Beratung und Hilfestellungen anbietet.
  • Der Verein im Kreis bietet zudem Ferienfreizeit, gesellige und fachliche Veranstaltungen sowie die Hörzeitung „Pressegeflüster“.
  • Vorsitzender des Vereins im Kreis ist Walter Görlitz. Weitere Informationen gibt es unter Tel. (02307)9166331 und unter der Mailadresse kreis-unna@bsvw.de
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