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Rund um die Brummifahrer, die vor den großen Logistik-Lagern stranden, kommen die Dinge ins Rollen. DHL zeigt sich gesprächsbereit, die WFG schaltet sich ein und die Politik reagiert.

Kamen

, 11.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Jetzt tut sich etwas gleich auf mehreren Ebenen, um die Situation der Brummifahrer, die vor den großen Logistikbetrieben stranden, zu verbessern. Seitdem die Naturfreunde Kamen an die Öffentlichkeit gegangen sind, um die menschenunwürdigen Verhältnisse am Rande des Pröbstingholzes anzuprangern, sind die Dinge ins Rollen gekommen. Auch die Fraktion GAL/Linke hat sich eingeschaltet.

Der kritisierte Großlogistiker DHL, der sein Betriebsgelände im Unnaer Gewerbegebiet Nord an der Stadtgrenze zu Kamen hat, kündigte jetzt an, für Gespräche bereit zu stehen, nachdem er sich zunächst nicht in der Verantwortung für Kraftfahrer, die außerhalb der Betriebszeiten zur Abfertigung rollen, sah. „Wir wollen eine Gesprächsrunde hinbekommen, in der nach einer möglichen Lösung gesucht wird“, teilte DHL-Sprecher Rainer Ernzer auf Anfrage mit. Auch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Unna ist mit im Boot. Wirtschaftsförderin Sabine Radig hat Kontakt nicht nur mit DHL, sondern auch mit DPD aufgenommen, um das Problem zu diskutieren, wie Sprecherin Elke Böinghoff berichtet. Auch die Stadtverwaltungen Kamen und Unna sind in Kontakt, wie Stadtsprecher Rüdiger Büscher berichtet. Bürgermeisterin Elke Kappen habe sich mit Unnas Bürgermeister Werner Kolter ausgetauscht. Konkrete Ergebnisse liegen noch nicht vor.

Brummifahrer in Not: Jetzt tut sich etwas!

Freilufttoilette Pröbstingholz © Privat


Naturfreunde: „Still ruht der See“

Heribert Jurasik, 2. Vorsitzender der Naturfreunde Kamen, ist weiterhin regelmäßig vor Ort, um die Situation am Pröbstingholz zu beobachten. Er selbst hat noch keine Antwort von DHL erhalten, nachdem er das Unternehmen angeschrieben hat, um in einen Dialog zu treten. „Still ruht der See“, sagt er. Zwar würde der Bereich freitags nun durch die Stadt Unna gesäubert. „Montags liegt wieder ein Häufchen neben dem anderen.“ Die am Wegesrand ensorgten Essenreste würden nun bereits auch Ratten anlocken, berichtet er.

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DHL-Sprecher Ernzer betont, dass es für die Fahrer während der Betriebszeiten jederzeit möglich sei, die sanitäre Infrastruktur zu nutzen. „Egal ob Kantine, Duschen oder Toiletten - und das machen die dann auch.“ Außerhalb der Betriebszeiten, vor allem freitagabends bis montagmorgens, könne man aus Betriebssicherheit nicht alle Fahrer auf den Hof lassen. Platz für eine zusätzliche Fahrer-Lounge, wie es bei Bayer in Bergkamen und bei TST in Bönen geplant ist, sei auf dem Betriebsgelände nicht vorhanden. Ernzer: „Jetzt wollen wir gucken, wie wir das Problem zusammen lösen können.“ Die Hoffnung bei DHL ist offenbar, dass die Kommunen ein entsprechendes Gelände zur Verfügung stellen, das von den Brummifahrern genutzt werden kann.

Brummifahrer in Not: Jetzt tut sich etwas!

Abgedunkelte Fahrerkabinen für eine Mütze Schlaf. © Stefan Milk

Die Politik schaltet sich ein

Die unbefriedigende Situation beschäftigt auch die Politik. Im jüngsten Straßenverkehrsausschuss stellte Heinrich Kissing, dort aktiv für den Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC), die Frage, ob bei der Erschließung des Metro-Geländes an der Henry-Everling-Straße darauf geachtet wird, eine entsprechende Infrastruktur einzuplanen. Die Stadtverwaltung signalisierte, das zu tun. Die Fraktion Linke/GAL hat nach dem Einsatz der Naturfreunde ebenso Initiative ergriffen und DHL angeschrieben. „Wir haben seit Längerem mit Befremden beobachtet, wie die bei Ihnen anliefernden Lkw-Fahrer am Wochenende außerhalb ihres Betriebsgeländes kampieren und ohne jede Gelegenheit bleiben, ihre Notdurft zu verrichten und sich zu waschen“, schreibt Klaus Goehrke. In ihrer Not seien diese darauf angewiesen, den benachbarten Wald zu benutzen. „Wir halten das für einen unhaltbaren Zustand und verweisen darauf, dass andere Logistik-Unternehmen sich anders verhalten und den schlecht bezahlten und unter unzumutbaren Verhältnissen tätigen Lkw-Fahrern in der Hinsicht entgegenkommen, dass sie ihnen Möglichkeiten zum Toilettengang und zur Reinigung auch außerhalb der Anlieferungszeiten vorhalten. Wir appellieren an Sie, in geeigneter Weise Abhilfe zu schaffen und hoffen auf eine entsprechende Rückmeldung.“ Die Fraktion schrieb auch an die Naturfreunde und lobte deren Einsatz. „Diese Maßnahme unterstützen wir gerne“, so Goehrke.

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