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Bezwingende Gestaltungskraft von Martin Stadtfeld

Pianist in der Konzertaula

Mit minutenlangem rhythmischen Applaus bedanken sich die Zuhörer bei der Neuen Philharmonie Westfalen unter Generalmusikdirektor Rasmus Baumann: Das Orchester und Pianist Martin Stadtfeld verabschieden sich in der Konzertaula Kamen nach einem höchst beeindruckenden Abend in die Sommerpause.

von Rainer Ehmanns

Kamen

, 28.06.2018 / Lesedauer: 3 min
Bezwingende Gestaltungskraft von Martin Stadtfeld

Die Neue Philharmonie Westfalen bei einer Aufführung in der Konzertaula (Archivfoto). © Marcel Drawe

Minutenlanger rhythmischer Applaus dankt der Neuen Philharmonie Westfalen unter Generalmusikdirektor Rasmus Baumann. Das verabschiedet sich mit einem höchst beeindruckenden Konzert in die Sommerpause.

„Helden“ - seinen Reiz erfährt das Konzert-Motto in der Brechung des historischen Helden Wilhelm Tell durch Richard Strauss´ „Ein Heldenleben“, in dem er sich provokant selbstbewusst zum Helden erklärt. Beides sollte ursprünglich durch Béla Bartóks Klavierkonzert Nr. 2 bereichert werden. Tzimo Barto musste jedoch aus familiären Gründen absagen. Statt seiner übernahm Martin Stadtfeld den Solopart in Beethovens Klavierkonzert Nr.1.

Mit Rossinis „Ouvertüre zu Wilhelm Tell“ beginnt ein Abend, der es in sich hat! Die gefühlvollen Celli zu Beginn der Ouvertüre singen eine friedliche Idylle, die jäh gestört wird. Donner und Blitz versinnbildlichen Tells Kampf gegen den despotischen Vogt Geßler, über den sich die Schweizer in einem furiosen Marschritt erheben - hinreißend gespielt von der hellwachen Neuen Philharmonie!

Beethovens Klavierkonzert Nr.1 hat sicher manche Zuhörer erleichtert aufatmen lassen, wie Roland Vesper in seiner Einführung vermutete. Denn Bartóks „struppiges“ Klavierkonzert ist schon eine herbe Zumutung für Klassik-verwöhnte Ohren. So aber faszinieren Martin Stadtfeld und die NPW wie fast auf den Tag genau vor einem Jahr mit einem Konzert, dessen musikalische Tiefe und Feinheiten sie in lebendigem Dialog ausloten.

Vom geheimnisvollen Beginn der Streicher an lebt das Spiel durch die bezwingende Gestaltungskraft des Pianisten Martin Stadtfeld, dessen perlende Legato-Läufe und wunderbar flüssige linke Hand blitzartig in die Reprise übergehen, in der er mit eigener Kadenz-Fuge ein majestätisches Klanggebirge entstehen lässt. Das verbirgt er hinter dem wunderzarten Gewebe des Largo mit reinem unschuldigem Thema, lässt dies einen schwärmerischen Walzer tanzen, bevor er im flotten Rondo einen virtuosen Dialog mit dem selbstbewusst parierenden Orchester aufnimmt. Und sein Choralvorspiel von Bach ist danach von bezwingender Konsequenz!

„Ein Heldenleben“ ist nicht nur das Porträt der politisch gespaltenen Persönlichkeit Richard Strauss‘ und das seiner facettenreichen Frau Pauline de Ahna, sondern wird an diesem Abend für Rasmus Baumann und sein klanggewaltiges Orchester zu einer Herausforderung. Das nimmt sie an, besteht sie mit Bravour - u.a. in den blitzenden Violin-Soli Jinwoo Lees wie in den kraftvollen Tutti - und lässt keinen Zweifel aufkommen, wer an diesem Abend die wahren Helden sind.

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