Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Milchbauer lässt Kühe wegen Giftpflanze an Bahndamm im Stall

dzJakobskreuzkraut

Milchbauer Friedrich-Wilhelm Hiddemann aus Westick sorgt sich um seine Kühe: Das giftige Jakobskreuzkraut breitet sich auf seinen Weiden aus. Der Verdacht: Es kommt von den Bahngleisen.

Kamen

, 16.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Von der leuchtend gelben Blüte lässt sich Friedrich-Wilhelm Hiddemann nicht beeindrucken. Das Jakobskreuzkraut, das der Landwirt auf seinen Weiden gesichtet hat, ist eine Gesundheitsgefahr für Kühe, die die Triebe fressen. Die Landwirtschaftskammer warnt vor der bis zu einen Meter hohen Pflanze, weil die darin enthaltenen Pyrrolizidin-Alkaloide Pferde, Rinder, Schafe und Ziegen schleichend vergiften können. Menschen sollen den Kontakt mit der Pflanze vermeiden, auch wenn es ungefährlich ist, sie kurz zu berühren.

Senecio jacobaea an der Bahnlinie

Noch nie will Hiddemann so viel Jakobskreuzkraut an seinen Weiden gesichtet haben. Es kommt entlang der Bahnstrecke Dortmund-Hamm im Bereich zwischen Westicker Straße und Schimmelstraße vor. Von dort, so vermutet Hiddemann, ist es auf sein Grünland gewandert. Der Bauer schlägt Alarm – und hält seine Kühe vorerst im Stall bzw. auf nicht betroffenen Weiden.

Nach der Sichtung der Pflanze bat Hiddemann die Behörden um Hilfe. Mitarbeiter des Kreisbauhofs mähten daraufhin die Ränder der Kreisstraße ab, an der sich Senecio jacobaea – so der botanische Name – schon breit gemacht hatte. So schildert es Rathaus-Sprecher Peter Büttner. Da die abgestorbene Pflanze ihre giftige Wirkung nicht verliert und sich wie Löwenzahn ausbreitet, ist es sinnvoll, die Mahd zu entfernen. Dafür rückten zum „Nachmähen“ Mitarbeiter des Bauhofs der Stadt Kamen im Rahmen der Amtshilfe und in Abstimmung mit der Unteren Landschaftbehörde des Kreises Unna aus. „Wir haben die technischen Geräte dafür“, sagte Büttner.

Milchbauer lässt Kühe wegen Giftpflanze an Bahndamm im Stall

Landwirt Friedrich-Wilhelm Hiddemann zeigt die Vorkommen des für Rinder schädlichen Jakobskreuzkrauts. © Stefan Milk

Jakobskreuzkraut

Tödliche Dosis

In Deutschland gibt es ca. 25 definierte Arten von Kreuz- bzw. Greiskräutern. „Alle sind mehr oder weniger stark giftig“, erklärt der Arbeitskreis Jakobskreuzkraut. Die Wirkstoffe, sogenannte Pyrrolizidin-Alkaloide, werden durch Stoffwechselvorgänge zu toxischen Produkten und zerstören zuerst das Lebergewebe. Die tödliche Dosis für eine 700 Kilo schwere Kuh soll laut Landwirtschaftskammer schon erreicht sein, wenn sie rund 100 Mal je 15 größere Triebe frisst.

Tagelange Kleinarbeit

Derweil ging Milchbauer Hiddemann daran, die Triebe – so weit möglich – manuell von seinen Weiden zu entfernen. „Wir haben in tagelanger Kleinarbeit die Pflanzen herausgezogen, damit die Flächen einigermaßen nutzbar sind“, sagte der Landwirt. Wahrscheinlich wird er außerdem ein Herbizid gegen zweiblättrige Unkräuter versprühen. „Kein Glyphosat, dann wäre mehr weg als nur das Jakobskreuzkraut“, sagt der Landwirt.

Die Gefahr für die Kühe ist aber noch nicht gebannt. An der Bahnlinie wächst das unerwünschte Grünzeug weiter, denn weder die Stadt noch der Kreis sehen sich offenbar auf dem fremden Grundstück fürs Mähen zuständig. „Das Bahngelände dürfen wir nicht betreten“, sagt Rathaus-Sprecher Büttner. „Die Bahn ist informiert.“ Und so wartet Landwirt Hiddemann nun schon seit einigen Tagen darauf, dass auch die DB endlich mit dem Rasenmäher kommt. „Wir warten, dass die Bahn aktiv wird, denn die Sporen fliegen von den Pflanzen. Nächstes Jahr könnte es deshalb extrem werden.“ Die Landwirtschaftskammer rät, dass betroffene Flächen spätestens bei Blühbeginn gemäht werden müssen. Dafür ist es jetzt teilweise schon zu spät.

Milchbauer lässt Kühe wegen Giftpflanze an Bahndamm im Stall

Ausgewachsene Pflanzen des Jakobskreuzkrauts werden rund einen Meter hoch. Die 15 bis 20 Millimeter breiten goldgelben Einzelblüten sind von 13 gelben Zungenblütenblättern umgeben. © Stefan Milk

Bote des Klimawandels

Aufgefallen ist dem Landwirt, dass das lästige Kraut bevorzugt in Windrichtung vom Bahnkörper wächst. Hiddemann vermutet, dass der Samen bei Gleisbauarbeiten im vorigen Sommer eingeschleppt wurde, als Schotter ausgetauscht wurde. Einen Beleg für seine These gibt es bislang nicht.

Das Jakobskreuzkraut breitet sich seit einigen Jahren in Deutschland aus – ist aber im Unterschied zu Bärenklau und Ambrosia eine heimische Pflanze und keine invasive Art. Ein Zusammenhang mit dem Klimawandel wird vermutet, denn das Jakobskreuzkraut mag brach und trocken fallende Flächen. „Als wichtigste Bekämpfungsmaßnahme muss die Samenbildung der Pflanze verhindert werden“, rät die Landwirtschaftskammer. Der Fall des Jakobskreuzkraut bei Hiddemann zeigt: Während Landwirte derzeit vermehrt Blühstreifen anlegen, um damit ein Herz für Hummeln und Bienen zu zeigen, freut sie längst nicht alles, was sonst noch so am Wegesrand und auf den Weiden blüht. Das Wohl der Nutztiere ist das Wehe der Insekten, die sich am Nektar des Jakobskreuzkrauts laben.

Lesen Sie jetzt

Hellweger Anzeiger Gegen das Insektensterben

Mehr Blühstreifen gegen das Insektensterben: Ein Landwirt legt los

Landwirt Frank Bowinkel hat sein Versprechen wahr gemacht und mit der Aussaat für blühende Feldränder begonnen. Er zeigt, wie die Technik funktioniert und erläutert, was der Natur blüht. Von Carsten Janecke

Lesen Sie jetzt