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Auf Entdeckungstour entlang der Dorfstraße

dzBunte Welt der Pflanzen

Pflanzen, die den Blutdruck regulieren, und andere, deren Verbreitung in der Region bis heute Fragen aufwirft. Dr. Götz Loos fasziniert und begeistert mit Detailwissen zur heimischen Flora.

von Niklas Mallitzky

Rottum

, 13.05.2019 / Lesedauer: 3 min

In vielen Städten habe sie bis in die Sechziger und Siebziger hinein zum Stadtbild gehört, erklärt Dr. Götz Loos. „Heute ist die Mauerraute fast vollständig verschwunden.“ Der Pflanzenbiologe wandert am Sonntag mit einer kleinen Gruppe entlang der Dorfstraße in Rottum. Das Thema des naturkundschaftlichen Spaziergangs lautet „Die Pflanzenwelt in einem Dorf am Beispiel Rottum.“

Und dort, an einem kleinen Mauerteil Nahe eines Bauernhofes, wächst die Mauerrraute noch aus den Rissen im Stein. Dass sie heute kaum noch in den Städten zu finden sei, liege vor allem an einem übertriebenen Reinheitswahn. Dabei hat die Mauerraute durchaus faszinierende Eigenschaften.

Wann die Mauerraute ihre Blätter einrollt

Denn während heißer Monate kann die Pflanze ihren Blätter einrollen. „Dann wirkt sie braun und abgestorben“, so Loos. „Wenn dann Regen fällt, rollen sich die Blätter wieder aus und werden wieder grün. Sie gehört damit zu den wechselfeuchten Pflanzen.“

Am Fuße der Mauer blüht eine weitere, sehr bekannte Pflanze. Die gefleckte Taubnessel ist ein Lippenblütler, so genannt, weil die violetten Blüten von der Form her an eine Ober- beziehungsweise Unterlippe erinnern. Grundsätzlich gebe es zwei Sorten von Lippenblütlern, meint Loos, die wohlriechenden wie zum Beispiel den Thymian und die übelriechenden wie die Taubnessel. Ihren Namen hat die Taubnessel von der Brennnessel, der sie optisch nicht unähnlich ist. Allerdings, bei genauer Betrachtung fällt auf, dass die Zacken an den Blatträndern bei der Brennessel deutlich spitzer sind als die der Taubnessel, außerdem ist der Stiel der Taubnessel kürzer.

Weißdorn wie handfester Stacheldraht

Die nächste Pflanze, die Loos seinen Zuhörern vorstellt, ist kaum zu übersehen, denn sie wächst entlang der Grenze zum Grundstück des Bauernhofes. Der stachelbesetzte Weißdorn wurde wie handfester Stacheldraht eingesetzt, um das Vieh auf den Weiden zu halten. Dafür gruben die Bauern im Mittelalter die Pflanzen direkt am Waldesrand aus. „Seit dem 16. Jahrhundert konnte man den Weißdorn dann aus Holland einkaufen.“ Neben dem Nutzen für die Landwirtschaft haben die Früchte der Pflanzen heilende Kräfte. Auch Loos schwört auf die Wirkung, so habe er als Jugendlicher öfter Probleme mit dem Blutdruck gehabt. Die Einnahme verschiedener Weißdorn-Produkte habe die Probleme gelöst. „Irgendwann habe ich festgestellt, dass der Blutdruck sich normalisiert hatte.“ Und das Beste: Der Weißdorn reguliert den Blutdruck, hilft also bei Bluthochdruck genauso wie bei zu niedrigem.

Berg-Storchschnabel kommt aus Südeuropa

Der Berg-Storchschnabel ist mit seinen violetten Blüten eine Pflanze, die man relativ häufig in der Region antrifft. Tatsächlich ist sie aber ein Neophyt, also eine Pflanze, die nicht in Deutschland heimisch ist und nach rund 1500, also nach der Entdeckung Amerikas durch Columbus, in die Region gebracht wurde. Die Entdeckung Amerikas gelte hier nur als zeitliche Orientierungsmarke, habe aber zum Beispiel im Fall des Storchschnabels nichts mit dem Einschleppen der Pflanze in Deutschland zu tun, so Loos. „Die stammt aus den Bergen Süd- und Osteuropas. Was sie hier zur Ausbreitung bringt, sei noch unklar, fährt Loos fort. Der Klimawandel könne allerdings kaum als einzige Erklärung herhalten: „Denn die Pflanze hat sich hier schon verbreitet, bevor der Klimawandel sich im heutigen Umfang vollzog.“

Einige der Frühlingsblüher sind bereits wieder verblüht, die Reste der Blüten liegen noch an den Wegesrändern. Manchmal kann es in der Natur eben schnell gehen, weiß auch Loos. „Vor einer Woche hätten wir sie noch in voller Blüte erleben können.“

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