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Wenn Eltern ihren Kindern keine Ferienfreizeit bezahlen können

Aktion gegen Kinderarmut

Jedes fünfte Kind in Deutschland ist nach einer Bertelsmann-Studie irgendwann von Armut betroffen. Überträgt man solche Schätzungen auf Kamen, sind das rund 1300 Kinder und Jugendliche. Genaue Zahlen kennt niemand – denn Armut lässt sich nicht allein an der Statistik des Jobcenters oder des Sozialamts festmachen.

Kamen

, 25.06.2018 / Lesedauer: 3 min
 Wenn Eltern ihren Kindern keine Ferienfreizeit bezahlen können

Ein gesundes Frühstück ist nicht in jeder Familie selbstverständlich.Milk/Archiv © Stefan Milk

Das wissen auch die Initiatoren der Aktion „Kinderarmut – dagegen stellen wir uns auf“, die vor zehn Jahren gegründet wurde. Am Anfang standen Beobachtungen wie diese: Kinder kommen in die Kita, ohne zu Hause gefrühstückt zu haben. Kinder fahren nicht mit auf Ferienfreizeit, weil ihre Eltern dafür kein Geld übrig haben. Kinder kommen in der Schule nicht mit, weil ihre Eltern sich keine Nachhilfe leisten können.

Rund 100 Akteure aus Kitas, Schulen, Jugendhilfeträgern, Vereinen und Verwaltung sahen damals den Hilfsbedarf. Sie ermittelten im Rahmen der sogenannten Kamener Stadtkonferenz in verschiedenen Arbeitsgruppen diverse Hilfsmaßnahmen. Diese reichen von der Kindergartenspeisung über die Lernbegleitung durch Ehrenamtliche bis hin zu individuellen Fördermöglichkeiten. Die Aktion „Kinderarmut – dagegen stellen wir uns auf“ wurde in Form von spendengespeisten Fördertöpfen und einer Lenkungsgruppe unter Leitung von Bürgermeister Hermann Hupe ins Leben gerufen.

Die Mitglieder der Lenkungsgruppe haben nun eine Bilanz zum zehnjährigen Bestehen gezogen. Bürgermeister Hupe sowie die sogenannten Fördersäulen-Verantwortlichen Bernd Wenge (Förderer), Herbert Ritter (Jugendhilfe), Frank Stewen (Bildungsinstitutionen) und Martin Vervoort (Politik/Behörden) können auf beeindruckend wirkende Zahlen verweisen. Demnach wurden insgesamt 148.923 Euro ausgeschüttet. Weitere Mittel aus Spenden in Höhe von 50.624,09 Euro reichen für zwei Jahre – unter dem Strich also rund 200.000 Euro zur Linderung von Kinderarmut.

Verteilt wird das Spendengeld aus dem Rathaus, wo Jörn Tautz im Fachbereich Jugend konkrete Anträge von Kitas, Schulen oder Trägern bekommt. Derzeit sind beispielsweise Zuschüsse für rund zehn Kinder angefragt, die ohne Unterstützung nicht an einer Freizeit teilnehmen könnten. Eine solche Reise könnte heutzutage 500 bis 600 Euro kosten, so Tautz. Bis zu 200 Euro pro Person kann er im Sinne der Lenkungsgruppe bewilligen.

Auch zehn Jahre nach der Gründung ist das Anliegen der Aktion gegen Kinderarmut immer noch aktuell, stellt Bürgermeister Hupe fest. Die Schirmherrschaft wird nach der Bürgermeisterwahl auch der künftigen Bürgermeisterin zufallen, die dann ebenso in der Rolle sein wird, Spendenmittel für die Aktion zu akquirieren. Hupe persönlich bittet anlässlich seiner bevorstehenden Verabschiedung um Spenden für die Aktion.

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