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Über Steingärten wird aktuell vielerorts diskutiert. Vor allem geschotterte Vorgärten regen Kritiker auf. Befürworter verweisen auf die einfache Pflege. Gärten ohne Grün könnten die lokale Politik noch beschäftigen.

Holzwickede

, 16.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Im Detail verfolgt hat Arkadius Bednarczyk nicht, was da im Internet über seinen Vorgarten geschrieben wurde. „Aber mitbekommen habe ich es schon und mich gefragt, was das eigentlich soll“, sagt Bednarczyk. Er und seine Frau Mariola stammen aus Polen. Seit 1989 wohnen sie in Deutschland. Vor 13 Jahren haben sie ihr Haus an der Nordstraße gekauft, dem mittlerweile ein gekiester Garten mit eingelassenen und akkurat getrimmten Buchsbaumhecken vorgelagert ist.

Geschätzt dürfte die Fläche bei rund 25 Quadratmetern liegen. Ein kleiner Flecken Erde, der in den Sozialen Medien zuletzt für hitzige Diskussionen sorgte. Auf Facebook können sich nach Bestätigung durch zwei Administratorinnen die Nutzer in einer geschlossenen Holzwickede-Gruppe über aktuelle Themen in der Gemeinde austauschen. Zu einem regen Austausch führte vor knapp einer Woche ein Foto vom Vorgarten der Bednarczyks. 82 Kommentare sammelten sich in kürzester Zeit zu einem Foto ihres Vorgartens an.

Steine des Anstoßes: Geschotterte Vorgärten erregen in Holzwickede die Gemüter

Der Vorgarten von Familie Bednarczyk wurde auf Facebook kontrovers diskutiert. © Greis

Dabei trafen Befürworter und Gegner der steinernen Gärten aufeinander. Die Gegner weisen auf den schwindenden Lebensraum für Insekten hin. Dass versiegelte Flächen den Ablauf von Niederschlag erschweren und sich im Sommer in bebauten Gebiete regelrechte Hitzeinseln bilden, sind weitere Argumente gegen die Steingärten. Dem stehen nach Ansicht der Befürworter die persönliche Gestaltungsfreiheit und die einfache Pflege der Gärten gegenüber. Auf einen gemeinsamen Nenner kommen die Beteiligten nicht – wie so oft bei Diskussionen in den Sozialen Medien.

„Gärten des Grauens“

So werden Schottergärten in den sozialen Medien thematisiert

Unter dem Hashtag „Schottergärten“ lässt sich das Thema auf Twitter verfolgen. Beispiele für versiegelte Gärten sammelt der Berliner Ulf Soltau zudem auf Instagram und Facebook.

Arkadius Bednarczyk kann die Aufregung um seinen Vorgarten nicht verstehen. „Was soll ich denn da anpflanzen? Kartoffeln? Wir haben uns dazu entschieden, weil es pflegeleicht ist“, sagt der Holzwickeder und seine Frau Mariola fügt an: „Wir finden immer wieder Papier und anderen Müll im Vorgarten. Das lässt sich so leichter entfernen.“ Arkadius Bednarczyk ist der Meinung, dass auf dem eigenen Grundstück auch der eigene Geschmack entscheiden sollte. Zumal sich hinter seinem Haus ein grüner Garten verbirgt, der fast die Länge eines halben Fußballfeldes hat.

Steine des Anstoßes: Geschotterte Vorgärten erregen in Holzwickede die Gemüter

Arkadius Bednarczyk in seinem Garten hinter dem Haus. Weil der Holzwickeder vor seinem Haus auf wenigen Quadratmetern geschottert hat, wurde sein Vorgarten zum Mittelpunkt einer Diskussion über Sinn und Unsinn dieser Maßnahmen. © Greis

Vielerorts werden mögliche Verbote aktuell diskutiert. In Bottrop denkt man über Zuschüsse bis 30 Euro pro Quadratmeter für Grundstücksbesitzer nach, die versiegelte Flächen wieder begrünen. In Dortmund schließen die Bebauungspläne für neue Wohngebiete die Schottergärten bereits aus. „Ich glaube nicht, dass Steingärten ein Ausmaß annehmen, das ökologisch Einfluss nimmt“, sagt Holzwickedes Erster Beigeordneter Bernd Kasischke. Ein Verbot von Steinen im Garten möchte er nicht: „Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass den Bürgern von öffentlicher Seite alles, was ins Private gehört, vorgeschrieben wird.“

Schottergärten nicht verbieten, aber Alternativen schaffen

Von einem generellen Verbot solcher steinernen Gärten halten selbst die Grünen in Holzwickede wenig. „Das geht mir zu weit. Stattdessen sollten wir ein Bewusstsein für grüne Gärten und Alternativen schaffen“, sagt Grünen-Fraktionschef Friedhelm Klemp. Die meisten Menschen würden diese Gärten nicht anlegen, weil sie keinen grünen Daumen haben, sondern weil ihnen schlicht die Zeit für die Pflege fehle. „Hier erwarte ich, dass auch unsere Umweltbeauftragte aktiv wird. Die Verwaltung könnte beispielsweise Tipps für eine pflegeleichte Begrünung geben“, sagt Klemp.

Innerhalb des kommenden Jahres lässt die Gemeinde ein Klimakonzept durch ein externes Büro erstellen. „Da wird die Beteiligung der Bürger ein Thema sein“, sagt Wirtschaftsförderer Stefan Thiel. Wenn steinerne Gärten dann für die Holzwickeder von Belang seien, so werde das Konzept das auch berücksichtigen. Allgemein müsse man aktuelle gesellschaftliche Trends zum Klimaschutz, die auch Ernährung und Konsumverhalten betreffen, in so ein Konzept mitaufnehmen. Und da sind die Bürger gefragt.

Steine des Anstoßes: Geschotterte Vorgärten erregen in Holzwickede die Gemüter

Gabionen, mit Steinen gefüllte Drahtkonstruktionen, stehen in vielen Vorgärten – so wie hier an der Carolinenallee. © Greis

Konkrete Tipps für einen pflegeleichten und dennoch grünen Vorgarten hat SPD-Ratsherr Friedrich-Wilhelm Schmidt parat. Vor seinem Ruhestand war er als Gärtnermeister für die Grünanlagen der TU Dortmund verantwortich. „Bodendecker gibt es in vielen Varianten, die schön blühen und Schatten vertragen. Noch pflegeleichter ist natürlich Rasen. Den darf man auch mal wachsen lassen, muss ihn nicht alle 14 Tage stutzen“, sagt Schmidt. Er könne aber nachvollziehen, wenn insbesondere ältere Menschen auf Kies und Schotter im Garten setzen. „Wenn junge Familien das machen, kann ich das aber nicht verstehen“, sagt der Hengser.

Sowohl Klemp als auch Schmidt sind der Meinung, dass für mehr Grün auch ein gesellschaftliches Umdenken nötig ist. Wenn das Gras mal länger steht, dürfe man das nicht gleich als ungepflegt oder verwildert abkanzeln. „Wo es wild ist, ist auch Natur“, sagt Schmidt. Klemp würde sich wünschen, dass auch gemeindliche Flächen seltener kurz gemäht werden.

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