Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Sortierkraft der Post ist überführt

dzFall der verschwundenen Briefe ist aufgeklärt

Das Problem von nicht zugestellten Briefen ist ganz offiziell geklärt. Eine Petition brachte Erfolg. Eine Schuldige ist ausgemacht. Jetzt rückt Ärger über Paketzustellungen in den Fokus.

Holzwickede

, 24.07.2018 / Lesedauer: 4 min

Das Schreiben, das bei Barbara Schriek im Briefkasten lag, trägt den Absender „Landtag Nordrhein-Westfalen“ und der Inhalt des Briefes wird all jene freuen, die Ärger mit der Postzustellung hatten. Die Ursache für die verschwundenen Briefe in Holzwickede ist geklärt – eine Sortierkraft wurde als Schuldige ausgemacht und gekündigt.

In den vergangenen Wochen ist es bedeutend ruhiger geworden, was die Kritik an der Postzustellung angeht. Ärger über nicht korrekt zugestellte Pakete gibt es weiterhin.

Es waren zahlreiche Holzwickeder von dem Ärger über nicht zugestellte Briefe betroffen. Es kamen insbesondere Glückwunsch- und Trauerkarten nicht an. So lag schnell der Verdacht nahe, dass es jemand auf Geld abgesehen hatte. Geld wird trotz des Verbots immer wieder in die Umschläge gelegt und verschickt. Immer wieder hatten sich Betroffene auch in der Redaktion gemeldet. Eine Holzwickederin zeigte die Deutsche Post an. Doch die Anzeige brachte nichts. Die Ermittlungen wurden eingestellt. Dann wurde Barbara Schriek aktiv, erstattete Anzeige. Sie startete zudem eine Unterschriftenaktion. 84 Bürgerinnen und Bürger unterschrieben. Dann wandte sie sich an den Petitionsausschuss des NRW-Landtags. Denn die Staatsanwaltschaft in Dortmund hatte auch das Verfahren nach Schrieks Anzeige eingestellt.

Nun liegt die Antwort des Landtages in schriftlicher Form vor. In dem Brief heißt es: „Der Petitionsausschuss hat sich über den der Petition zugrunde liegenden Sachverhalt und die Rechtslage unterrichtet. Untersuchungen haben die Ursache für die von der Petentin genannten Probleme bei der Postdienstleistung ergeben. Daraufhin wurden entsprechende Schritte eingeleitet.“ Noch viel interessanter klingt die Stellungnahme des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, denn dort heißt es, dass es „im Zuge der Untersuchungen“ gelungen sei, „eine Sortierkraft, die gelegentlich auch im Bereich der Postzustellung eingesetzt wurde, zu überführen. Die betreffende Kraft hat daraufhin zugegeben, eine größere Anzahl an Briefe geöffnet und bei einem Teil dieser Sendungen den Inhalt entwendet zu haben.“ Das Arbeitsverhältnis wurde gekündigt. Die Ermittlungsbehörden prüfen weitere strafrechtliche Schritte.

Kontakt zur Bundesnetzagentur

Was Barbara Schriek an diesem Antwortschreiben besonders interessant findet, ist die Mailadresse, die von der Bundesnetzagentur für Beschwerden genannt wird. Bürger aus Holzwickede, Unna und der Region können sich direkt an den Verbraucherservice Post der Bundesnetzagentur wenden. Die E-Mail-Adresse lautet: verbraucherservice-post@bnetza.de. Der Bundesnetzagentur sei es so möglich, „zeitnah von der DPAG eine ordnungsgemäße Postbeförderung und -zustellung“ einzufordern.

„Das ist doch interessant“, erinnert Schriek daran, wie langwierig und oftmals ergebnislos Anrufe bei der bislang von der Deutschen Post genannten Service-Telefonnummer waren. „Da kam man ja manchmal gar nicht durch.“

Zustellerin ertappt

In der Nachbarstadt Unna lag der Fall ähnlich. Auch dort waren immer wieder Briefe nicht zugestellt worden. Wie berichtet gab die Deutsche Post Anfang des Jahres bereits bekannt, dass sie in Unna eine Mitarbeiterin auf frischer Tat ertappt habe. Man geht davon aus, dass die Angestellte sich persönlich bereicherte. Die Frau wurde entlassen.

Dass sich Ärger über die Post häuft, zeigen auch aktuelle Zahlen. Laut dpa sind im ersten Halbjahr dieses Jahres bei der Bundesnetzagentur fast so viele Beschwerden über den Post-Bereich eingegangen wie im gesamten Jahr 2017. Rund 6000 schriftliche Beschwerden zählte die Behörde in den ersten sechs Monaten in Sachen Post-Dienstleistungen. Das ist ein Rekord. Im gesamten vergangenen Jahr lag die Zahl mit 6100 knapp darüber.

Ärger mit dem Paketdienst

Während das Problem der verschwundenen Briefe nun geklärt zu sein scheint, läuft bei der Paketzustellung nicht alles reibungslos. In einem aktuellen Fall wurde ein Zusteller von dpd dabei beobachtet, wie er vor einem Haus an der Berliner Allee anhielt, das für einen Bewohner des Hauses bestimmte Paket aber gar nicht zustellte. Der Zusteller hinterließ lediglich eine Karte im Briefkasten und bat um die Abholung des Paketes noch am selben Tag im Paketshop. Der verärgerte Kunde vermutet nun, dass der Zusteller das schwere Paket nicht in den vierten Stock habe tragen wollen. Das wäre seiner Erfahrung nach nicht das erste Mal, dass sich die Zusteller so das Schleppen schwerer Pakete ersparen würden. Die Pressestelle von dpd konnte am Montag zu dem konkreten Fall keine Rückmeldung geben. Eine Sprecherin erklärte, dass Holzwickede von einem Depot in Unna aus bedient werde. „Im Zuständigkeitsbereich dieses Depots gehen zurzeit täglich etwa 20.000 Pakte in Zustellung. Die tägliche Paketmenge variiert jedoch, da sie saisonalen Schwankungen unterliegt“.

Bürger aus Holzwickede, Unna und der Region mögen sich bei weiter anhaltenden und wiederholten Mängeln bei der Postzustellung per E-Mail an den Verbraucherservice Post unter verbraucherservice-post@bnetza.de wenden.
Lesen Sie jetzt