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Oldtimer aus Holzwickede ist auch ein Symbol der Liebe

9. Haarstrang-Klassik

Vor dem Haus steht er und glänzt im gleißenden Licht der Sonne – der rote Ford Taunus 17m (P5). Als Gunther Siepmann ihn zu seinem 60. Geburtstag von seiner Familie geschenkt bekam, war nicht zu erahnen, dass daraus mal ein solches Schmuckstück werden würde.

Holzwickede

, 03.07.2018 / Lesedauer: 4 min
Oldtimer aus Holzwickede ist auch ein Symbol der Liebe

Gunther Siepmann hat bei der Restaurierung seines Ford Taunus 17m (P5) bewiesen, dass er nicht nur fundierte Kenntnisse, sondern auch handwerkliches Geschick besitzt.Sarad © Borys Sarad

„Das war damals ein Schrotthaufen“, sagt Siepmann. Ganz so schlimm stand es um den Oldtimer wahrlich nicht, das zeigen die Papierfotos in seinem Fotoalbum. Aber der Restaurationsaufwand war groß.

Für Gunther Siepmann und seine Frau Ursula ist der rote Ford aber mehr als nur schön. Er erzählt ein Stück ihrer Liebe. „So einen Wagen hatten wir, nachdem das Brötchenauto weg war“, lacht Ursula Siepmann. Das Brötchenauto, das war der Ford 12m Kombi, den ihr Mann fuhr, als er sie kennenlernte. Schön, aber nicht das Auto, nach dem sich eine junge Frau sehnte. „Ich hätte damals wohl lieber in einem Porsche gesessen“, sagt Ursula Siepmann. Der Ford Taunus 17m (P5) war genau das sportliche Auto, das beiden gefiel.

Die beiden blieben ein Paar, von dem Ford trennten sie sich aber irgendwann.Nichtsdestotrotz begeisterte sich Gunther Siepmann weiter für die Technik – und auch für alte Fahrzeuge. Zunächst restaurierte er Zweiräder, den alten Viertakt-Motorroller fährt er heute noch, die NSU Superlux aus dem Baujahr 1954 verkaufte er. Gemeinsam mit seinem Cousin erwarb Siepmann später einen Trecker, den er dann aber alleine restaurierte. Auch von dem trennte er sich irgendwann, weil er ihn kaum fuhr. „Dem fehlte eine Schaufel, mit der man etwa den Schnee hätte räumen können“, erinnert sich der Holzwickeder schmunzelnd daran, dass die Landmaschine kaum bewegt wurde. „Die längsten Strecken waren die zum TÜV.“

Leuchtende Scheinwerfer

Einen ganz besonderen Tag in seinem Leben aber wird Siepmann nie vergessen, den seines 60. Geburtstag. Er hatte schon gefeiert, als seine Familie ihn um Mitternacht nach draußen lockte. Dort strahlten ihn zwei Lampen an. Siepmanns Sohn hatte die Scheinwerfer des Ford Taunus 17m (P5), Baujahr 1965, eher provisorisch zum Leuchten gebracht. Siepmann war glücklich, nahm das Auto gleich am nächsten Tag genauer unter die Lupe. Schnell war klar: Hier würde all sein handwerkliches Geschick gefragt sein – und auch der eine oder andere Euro.

Gunther Siepmann ist gelernter Fernmeldemonteur, baute Alarmanlagen, Brandmeldeanlagen und Telefonanlagen. Immer wieder musste er auch Schreiner- oder Schlosserarbeiten erledigen. All das zahlte sich nun aus. Noch bevor er mit der Restaurierung des Fahrzeugs begann, kaufte er einen weiteren 17m (P5), diesmal einen weißen. Sein Besitzer hatte längst vergessen, dass er den Oldtimer zum Kauf angeboten hatte. Bei der Besichtigung machte sich Ernüchterung breit: Der Motor streikte, die Bremsen saßen fest, der Autobesitzer hatte das Fahrzeug mit einem Schlepper aus einem Schuppen gezogen. Dennoch entschied sich Gunther Siepmann zum Kauf.

Daheim in Holzwickede schlachtete er zunächst beide Fahrzeuge aus. Alle Teile wurden genau gekennzeichnet und in Kisten verpackt. Gunther Siepmann entschied sich, die weiße Karosserie verschrotten zu lassen und das rote Auto zu restaurieren. Diese Arbeiten waren nicht immer leicht, zumal Ursula Siepmann zwischendurch schwer erkrankte.

Besondere Motivation

Schließlich gab es noch eine besondere Motivation: Der Sohn der Siepmanns wollte heiraten und sein Wunsch war es, den roten Ford Taunus als Hochzeitsauto zu nutzen. Siepmanns Ehrgeiz war geweckt – und tatsächlich wurde der Oldtimer kurz vor dem Fest fertig und für den Straßenverkehr zugelassen.

„Die meisten Ersatzteile bekomme ich auch heute noch als Neuware“, berichtet Gunther Siepmann. Aber natürlich schöpft er auch noch vom Fundus , den er selbst aus den Altwagen hat.

Im Holzwickeder Straßenbild taucht der rote Ford Taunus 17m (P5) nur selten auf. Wenn das Wetter schön ist und die Lust auf eine Ausfahrt groß, dann steigen die Siepmanns in ihr besonderes Auto, das auch Symbol ihrer Liebe ist. Und dann nehmen die beiden auch noch regelmäßig an der Oldtimer-Ausfahrt „Haarstrang Klassik“ teil. „Die ist immer schön und perfekt organisiert. Ich bin nicht der Typ, der Rallyes aussucht und dann überall dabei ist“, berichtet Gunther Siepmann. Nur in Holzwickede sind er und seine Frau eigentlich immer dabei. Nur zweimal mussten sie bisher passen – einmal wegen eines Motorschadens und einmal aus Krankheitsgründen. Ums Gewinnen geht es ihnen nicht. „Wir sind nicht die schnellsten, aber die Zeit spielt ja auch keine Rolle. Uns reizt es, die manchmal kniffligen Aufgaben zu lösen.“ Ein Pokal zeugt davon, dass sie das durchaus können.

Zum neunten Mal startet die Tour am Sonntag, 8. Juli, auf dem Holzwickeder Marktplatz – natürlich mit den Siepmanns in ihrem roten Ford Taunus, der mehr als ein schönes, altes Auto ist. Er ist auch ein Symbol der Liebe für die beiden. Ein bisschen bedauern es die Siepmanns allerdings, dass ihr Sohn am Sonntag nicht auch teilnimmt. Der wollte eigentlich mit einem alten VW Bus T2 an den Start gehen. Der neu zur Familie gestoßene junge Hund der Familie aber lässt das (noch) nicht zu.

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