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„Mehr Aufwand als Nutzen“

Neues EU-Arzneimittelschutzgesetz

Die EU setzt im Kampf gegen gefälschte Arzneimittel auf neue Vorschriften. Die gelten seit Samstag, bedeuten tatsächlich mehr Sicherheit – aber für die Apotheker auch mehr Arbeit und Kosten.

von Jennifer Freyth

Holzwickede

, 11.02.2019 / Lesedauer: 3 min
„Mehr Aufwand als Nutzen“

Laut EU-Vorschrift müssen verschreibungspflichtige Medikamente künftig mit einem Strichcode gekennzeichnet und einem Siegel verschlossen sein. © picture alliance / dpa

Um gefälschte Arzneimittel rechtzeitig zu enttarnen, bevor sie in den Verkauf gehen, müssen verschreibungspflichtige Arzneimittel seit Samstag zusätzlich geschützt werden: Mit einem QR-Code, den es für jede Verpackung nur einmal gibt, und einem Siegel, durch das zum Beispiel gefaltete Pappverpackungen zugeklebt sind.

„Das ist auf europäischer Ebene schon ein großes Plus an Sicherheit“, sagt Christian van Bremen, Inhaber der Holzwickeder Rathaus-Apotheke, über die neue Verordnung. Allerdings, so der Apotheker, sei sie in Deutschland nicht unbedingt so nötig wie in anderen EU-Staaten. „Hier haben wir durch unsere Vertriebskette schon eine gute Kontrolle, hier wird der Aufwand dem Nutzen nicht gerecht“, kritisiert van Bremen. Und so bedeutet die neue Verordnung für ihn und seine Kollegen vor allem eins: mehr Arbeit und mehr Kosten.

„In Deutschland wird der Aufwand dem Nutzen nicht gerecht.“
Christian van Bremen, Apotheker

Ein Beispiel: Bisher musste ein Medikament für die Einbuchung ins System nur einmal gescannt werden; die Anzahl der Pakete konnte einfach dazu angegeben werden. Weil nun aber jede Packung eine eigene Nummer hat, muss jedes Medikament einzeln eingescannt werden. Das gilt auch, wenn das Medikament ausgegeben wird. Wanderte es bisher direkt aus der Schublade in die Tasche des Kunden, muss es nun vorher noch einmal eingescannt und ausgebucht werden. „Die Bearbeitungszeit pro Kunde steigt damit“, sagt van Bremen, der deshalb noch einen zusätzlichen PC anschaffen will. Einen dreistelligen Betrag, schätzt van Bremen, koste ihn die neue Vorgabe aus Brüssel, dazu komme noch der gestiegene Arbeitsaufwand.

Schonfrist für alte Medikamente

Wenige Tage nach der offiziellen Einführung hält sich der Aufwand aber noch in Grenzen. Obwohl die neue Verordnung seit Samstag gilt, ist die Anzahl der Medikamente, die bereits die neuen Sicherheitsvorschriften erfüllen, noch überschaubar. Denn: Die neue Verordnung gilt erst für verschreibungspflichtige Arzneimittel, die seit dem 9. Februar produziert worden sind. Medikamente, die vor dem 9. Februar hergestellt wurden und noch keine Sicherheitsmerkmale haben, dürfen noch bis zu ihrem Verfallsdatum verkauft werden. Bis sämtliche verschreibungspflichtige Pillen & Co. mit den neuen Standards ausgestattet sind, werde es sicher noch fünf Jahre dauern, schätzt der Holzwickeder Apotheker.

Für den Ernstfall gerüstet sind er und seine Kollegen aber schon: Die Mitarbeiter sind geschult, die Technik steht bereit – und kommt auch schon vereinzelt zum Einsatz. Manche Arzneimittelhersteller haben die neuen Vorschriften nämlich schon vor dem 9. Februar auf freiwilliger Basis eingeführt.

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