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Aus der Emscherkaserne wird ein Neubaugebiet: Vergangene Woche wurde im Rahmen der Abrissarbeiten ein Schornstein gesprengt – laut Augenzeugen war die Sicherheit der Anwohner nicht gewährleistet.

Holzwickede

, 28.03.2019 / Lesedauer: 4 min

Ein lauter Knall und dann knickt der letzte Hochbau auf dem Gelände der ehemaligen Emscherkaserne ein, wie ein zartes Streichholz. Manfred Matyisk beobachtet die Sprengung des Schornsteins aus der Ferne. Als es knallt, bekommt er einen Schreck – obwohl es gar nicht so laut war. „Eine Übungshandgranate hat mehr Krach gemacht als diese Explosion“, sagt Matysik, der einst in der Emscherkaserne stationiert war.

War die Sprengung auf dem Kasernengelände in Holzwickede schlecht organisiert?

Er wäre gerne näher drangewesen. Doch kurz vor der Sprengung entschied sich ein Vertreter der Bezirksregierung Arnsberg dafür, dass das keine so gute Idee ist: 15 Minuten vor der geplanten Sprengung um 12 Uhr scheuchte er die Menschengruppe, die sich dort versammelt hatte, fort. Auf Matysiks Frage hin, warum das nicht eher geschehen war, habe der Mann geantwortet, dass er die Gruppe vorher nicht gesehen habe. Die Zuschauer bezogen daraufhin auf dem Luftschachtweg Stellung – und wurden wenig später wieder vom dem Mitarbeiter der Bezirksregierung verjagt.

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Sprengung eines Schornsteins auf dem Gelände der ehemaligen Emscherkaserne

Damit fand das Katz und Maus-Spiel aber noch kein Ende. Die Interessierten hätten sich auf dem Balkon eines naheliegenden Hauses versammelt, um von dort aus zuzusehen, so Matysik. Doch auch das war dem Mitarbeiter nicht recht: Sie dürften nicht auf dem Balkon stehen und auch nicht am Fenster. Vorher mitgeteilt wurde den Hausbewohnern das aber nicht, sagt Matysik. Seiner Meinung nach hat die Organisation der Sprengung nicht funktioniert. „Im Vorfeld gab es keine Infos für die Bürger“, sagt der SPDler. Erst kurz vorher sei Bescheid gegeben worden.

Laut Bezirksregierung Arnsberg wurden die unmittelbaren Anwohner mündlich informiert. Kollegen aus dem Bereich Arbeitsschutz seien vor Ort gewesen, um sicherzustellen, dass die Sprengung richtig durchgeführt wird und technisch alles ordnungsgemäß abläuft, sagt Pressesprecher Christoph Söbbeler. Sie seien aber in erster Linie vor Ort gewesen, um die ausführende Firma zu begleiten. Die Wilma Immobilien GmbH, die das Grundstück entwickelt, hat auf unsere Anfrage bisher keine Auskünfte zu Planung und Ausführung der Sprengung geben.

Spätestens einen Tag vorher hätten die Anwohner informiert werden sollen, findet Matysik. Die Sprengung war zwar sauber – ohne Staubentwicklung oder Teile, die herumflogen. Aber „wenn sie Leute wegscheuchen, dann gehen sie ja davon aus, dass was passieren kann.“ Matysiks These, dass die Sprengung unorganisiert vonstatten ging, wurde noch bestärkt, als kurz vor dem Knall ein Auto über den Luftschachtweg geradewegs auf das Kasernengelände fuhr. Ein Sicherheitsposten habe das Fahrzeug aufhalten müssen, so Matysik. Die Straße war nicht gesperrt.

Schornstein-Sprengung: Die Sicherheitsvorkehrungen wirkten nachlässig

„Die Sicherheit der Bürger war nicht gewährleistet“, sagt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD. Mit der Meinung ist er nicht alleine. Auch Bauamtsleiter Uwe Nettlenbusch war für die Gemeinde vor Ort. Anmeldung und Ablauf der Sprengung lagen laut Nettlenbusch aber alleine beim Investor in Verbindung mit der Bezirksregierung. Nettlenbusch kritisiert ebenfalls, dass die Anwohner nicht schriftlich informiert wurden – schließlich hätten Gesteinsbrocken parkende Autos, Radfahrer oder Häuser hätten treffen können. Über das Auftreten des Bezirksregierungs-Vertreters sei er verwundert. Der Mann habe erhebliche Nacharbeiten gefordert, weswegen die Sprengung sich verzögerte. „Mir kamen die Sicherheitsvorkehrungen nachlässig vor“, so Nettlenbusch. „Wenn ich an die Abbrucharbeiten an der Poststraße für den Rathaus-Neubau denke, wo wir alles mit Planen abdecken, damit Gebäudeteile keinen Schaden anrichten können. Da sehe ich eine Sprengung doch deutlich aufweniger und wundere mich über den Ablauf.“

Lob und Kritik für größere Kindertagesstätte im neuen Wohngebiet

Die Abbrucharbeiten auf dem Gelände der ehemaligen Emscherkaserne sollen bis Mitte des Jahres beendet sein. Im dritten Quartal des Jahres möchte die Wilma Immobilien GmbH mit der Erschließung beginnen und ebenfalls noch in diesem Jahr mit den ersten Bauarbeiten beginnen. Das Investitionsvolumen von rund 65 Millionen Euro umfasst 201 Wohneinheiten, vornehmlich in Einfamilienhäusern. Vorgesehen ist aber auch eine Kindertagesstätte. Die Pläne hierfür haben sich mittlerweile geändert und wurden unter der Woche vom Planungs- und Bauausschuss abgesegnet.

Einst zweizügig geplant, soll die Kita nun drei Gruppen aufnehmen – mit Option auf eine vierte. Dafür wächst die Grundstücksfläche von 1000 auf 2227 Quadratmeter. Zwar begrüßen alle Fraktionen der Gemeinde, dass man Kindern mehr Platz bieten wolle. BBL, Grüne und FDP kritisierten unter der Woche im Ausschuss, dass die erste Anpassung der Rahmenbedingungen sofort zu Lasten einer Grünfläche gehe. Die Gesamtfläche des Wohnparks umfasst knapp 88.000 Quadratmeter. Rund 31.000 Quadratmeter davon sind öffentlich, knapp 14.000 Quadratmeter davon sind für Grünflächen vorgesehen. Die restlichen knapp 57.000 Quadratmeter sind private Flächen, von denen 25.000 Quadratmeter bebaut werden sollen, der Rest ist für privates Grün vorgesehen.

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