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Bürokratie und starre Förderbestimmungen verhindern schnelles Internet per Glasfaser

dzBreitbandausbau in der Gemeinde

Seit zwei Jahren arbeitet die Gemeinde daran, schnelles Internet in jede Ecke der Gemeinde zu bringen. Geld dafür ist da, aber das lockt Unternehmen nur bedingt, den Ausbau in Angriff zu nehmen.

Holzwickede

, 15.03.2019 / Lesedauer: 4 min

Die gute Nachricht: Es gibt Internet in Holzwickede. Je nach Anbieter mehr oder weniger zuverlässig, aber laut Breitbandatlas des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur surfen 98 Prozent der Holzwickeder mit einer Geschwindigkeit von mindestens 16 Megabit in der Sekunde. Das reicht für grundlegende Bedürfnisse – übers Internet telefonieren, Filme abrufen, online spielen oder einfach nur auf Webseiten surfen.

Glaubt man dem Breitbandatlas, dann erreicht man selbst Download-Geschwindigkeiten bis 50 Megabit in der Sekunde in Holzwickede eher als in Unna oder Dortmund. Dennoch gibt es weiße Flecken im Gemeindegebiet, in denen die Internetverbindung schwächelt. Das betrifft vor allem Gebiete im Norden und Süden der Gemeinde.

Bürokratie und starre Förderbestimmungen verhindern schnelles Internet per Glasfaser

Ein Glasfaserkabel, das einzelne Verteilerkästen versorgt, von denen wiederum Kupferkabel die Daten zum Endkunden bringen. So kommt ein Großteil der Gemeinde ins Netz. Im FTTB-Verfahren würden Glasfaserkabel bis zu den einzelnen Adressen reichen. © Deutsche Telekom

Nach den Förderbestimmungen reicht es nicht mehr, einfach nur eine dicke Glasfaserleitung zu ziehen, Verteilerkästen zu setzen und dann über günstigere Kupferkabel die einzelnen Adressen anzusteuern. Das Prinzip kommt in der Gemeindemitte zur Anwendung, seitdem vor einigen Jahren eine Glasfaserleitung auf Höhe des Eco Ports gen Süden bis in die Gemeindemitte gezogen wurde.

Mittlerweile wird jedoch nach dem FTTB-Standard ausgebaut. Das heißt: Glasfaser bis zu einer einzelnen Adresse. Das ist ungleich aufwendiger und teurer.

88 Adressen müssen per Glasfaserkabel erschlossen werden

Und vor allem in Holzwickede wenig attraktiv für Kommunikationsunternehmen. Um die Förderbedingungen des Bundes einzuhalten, müssen auch Adressen im Süden der Gemeinde direkt per Glasfaser angebunden werden. Insgesamt sollen 47 Privatadressen, 38 gewerbliche Adressen sowie Josef-Reding-Schule, Clara-Schumann-Gymnasium und die Paul-Gerhardt-Schule angeschlossen werden.

Vor allem allein stehende Adressen im Süden, für die Leitungen über weite Strecken gelegt werden müssen, mindern das Interesse von Telekom und Co. am Ausbau. Zumal niemand dem Unternehmen, das ausbaut, garantieren kann, dass die Nutzer später als Vertragskunden auch wieder Geld einspielen.

„Der Ausbau muss auch für uns lukrativ sein. Auch unsere Ressourcen sind endlich“, sagt Telekom-Sprecher George McKinney. Er macht klar, dass man aktuell gar nicht alle Ausschreibungen berücksichtigen könne, manche für das Unternehmen auch schlicht nicht attraktiv seien.

Zudem spiele nicht allein der finanzielle Rahmen ein Rolle: „Klar, mit Speck fängt man Mäuse. Aber - und das rein hypothetisch: Was nützt es mir, wenn ich 100 Millionen Euro verdienen kann, ich aber niemanden finde, der die Schüppe in die Hand nimmt?“, sagt McKinney. Nach Aussage des Sprechers binde die Telekom aktuell bereits gut 75 Prozent aller Tiefbauaktivitäten im Land.

Wege ins Netz

Kupfer und Glasfaser

DSL ist ein Datenübertragungsstandard für kupferbasierte Telefonleitungen, der Geschwindigkeiten von bis zu 16 MBit/s im Download ermöglicht. Fast alle großen Internetprovider bieten mittlerweile bereits VDSL an. Über technische Optimierung wird hier das Letzte an Geschwindigkeit aus Kupferkabeln geholt. 50 bis 250 MBit/s sind dadurch möglich. Je nachdem, ob ein Glasfaseranschluss bis zu einem Gebäude (FTTB) oder gar bis zum Endnutzer (FTTH) vorliegt sind aktuell Geschwindigkeiten bis zu 1000 Mbit/s möglich. Seit Juli 2018 fördert die Bundesregierung nur noch den Ausbau von Glasfasernetzen, um schnelles Internet in ländliche Gebiete zu bringen.

Für rund 1,8 Millionen Euro hat die Gemeinde einst europaweit den Auftrag ausgeschrieben, damit schnelles Internet per FTTB auch in die unterversorgten Gebiete der Gemeinde kommt. In der Deutschen Telekom als bundesweiten Anbieter gab es genau einen Interessenten, der kurz vor Fristende sein Angebot zurückzog. „Erst freust du dich, dass die Telekom im Boot ist und denkst, es geht voran. Dann stehst du plötzlich wieder am Anfang“, sagt Holzwickedes Wirtschaftsförderer Stefan Thiel.

Das ist umso unbefriedigender, weil einer Ausschreibung ein langwieriger bürokratischer Prozess vorangeht. In den ist seit zwei Jahren auch die Atene GmbH involviert. „Das Fördergeld ist beim Verkehrsministerium angesetzt. Bei großen Förderprogrammen ist so ein Projektträger immer zwischen Fördermittelgeber und -nehmer geschaltet“, erklärt Thiel.

Breitbandausbau geht nicht ohne externe Beratung und Hilfe

Die Atene GmbH habe der Gemeinde zuletzt eröffnet, dass man die Fördermittel für eine erneute Ausschreibung anheben könne, um Unternehmen zu locken. „Das haben wir auch erst auf Nachfrage erfahren. Das hätten wir gerne früher gewusst, da in anderen Kommunen schon so vorgegangen wurde“, sagte Holzwickedes Erster Beigeordneter Bernd Kasischke unlängst im Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Demografie.

Neben dem Projektträger ist am Breitbandausbau auch die Micus GmbH beteiligt. Die Düsseldorfer Strategieberater unterstützen bei den Ausschreibungsverfahren. „Alleine die juristische Beratung macht Sinn. Das Verfahren ist so komplex, es gibt so viele Fallstricke“, sagt Thiel, der zudem regelmäßig auf die Expertise des Breitbandkoordinators der Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Kreis Unna zurückgreift. Verwaltungen der Größe Holzwickedes könnten solche Projekte im Alleingang gar nicht leisten, so Thiel.

Bürokratie und starre Förderbestimmungen verhindern schnelles Internet per Glasfaser

Telekom-Mitarbeiter setzen einen Kabelverzweiger: Aktuell führt von hier aus meist ein Kupferkabel zu einer Adresse. In der geplanten Ausbaustufe sollen stattdessen auch vom Verteiler Glasfaserkabel zu den Adressen führen. © Fotograf: Deutsche Telekom/Thomas Ollendorf

Die bürokratischen Hürden, um an die Fördermittel des Bundes zu kommen, stören den Wirtschaftsförderer indes. Dass die Fördergelder nicht flexibel eingesetzt werden dürfen, hemmt den Ausbau zudem. „Wir wollten das Ausbaugebiet splitten, das war nicht möglich“, sagt Thiel.

So hätte man zunächst die Gebiete im Nordwesten und -osten der Gemeinde mit Glasfaser ausstatten können, da hier die Wege kürzer sind und vor allem Gewerbetreibende profitieren würden. „Als Standortfaktor ist das eigentlich ein Muss, Glasfaser anzubieten“, sagt Thiel. Bei den großen Unternehmen im Eco Port darf man zwar davon ausgehen, dass sie längst selbst für den Anschluss ans Glasfasernetz gesorgt haben. So weit ist der Weg für ein Unternehmen wie Rhenus Logistics zum vorhandenen Kabel entlang der Nordstraße schließlich nicht. „Im Bereich der Natorper Straße gibt es wiederum Firmen, da schwächelt die Verbindung“, sagt Thiel.

Nun wird der Breitbandausbau in einem verkürzten Verfahren zu neuen Konditionen ausgeschrieben. Wie hoch die künftige Fördersumme sein wird, kann Thiel noch nicht absehen. Das hänge davon ab, welche Unternehmen sich bewerben. „Die Telekom, die vorhandene Anschlussstellen anzapfen kann, ist grundsätzlich günstiger, als ein Unternehmen, dass hier keine Leitungen hat“, sagt Thiel. Egal wie hoch die Fördersumme sein wird: Zehn Prozent davon muss die Gemeinde tragen. Das wären zuletzt rund 180.000 Euro gewesen.

Unternehmen aus den Bereichen Telekommunikation, Kabelfernsehen und Energieversorgung gehören in weiten Teilen die deutschen Glasfasernetze. Das größte Netz stellt die Telekom, die im Herbst vergangenen Jahres die 500.000-Kilometer-Marke überschritten hat. Gerade im Ländlichen gründen sich aus Bürgerinitiativen heraus aber auch eigene Breitband-Gesellschaften, die den Ausbau hin zu FTTH-Verbindungen eigenständig vorantreiben. So hat es beispielsweise Eichenzell bei Fulda geschafft, dass das gesamte Gemeindegebiet über ein FTTH-Glasfasernetz erschlossen wurde.
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