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Bürger sorgen sich um den Baumbestand

dzKita im Emscherpark

Die Meinungen zum Kita-Standort im Emscherpark sind so gespalten, wie sie es zuvor beim Platz von Louviers waren. Wurde beim alten Standort die Verkehrsbelastung diskutiert, sorgen sich Bürger nun um die Bäume.

Holzwickede

, 21.07.2018 / Lesedauer: 4 min

Orchideenexperte Werner Hessel hatte unter der Woche darauf hingewiesen, dass im Süden des Emscherparks geschützte Arten wachsen, die bei einer Bebauung umgesiedelt gehören. Die Orchideen werden eine Kita im Emscherpark nicht verhindern können. Schon eher könnte der vorhandene Baumbestand ein Problem werden. Diese Hoffnung hat zumindest Sylvia Schulz.

Die gebürtige Holzwickederin hat mit Ehemann und Schwager die Bäume im betroffenen Teil des Parks am Donnerstag vermessen und verweist auf die Gemeindesatzung zum Schutz des Baumbestandes. Im Dezember 2017 aktualisiert, schreibt die Satzung vor, dass „Bäume mit einem Stammumfang von mindestens 120 cm und mehr, gemessen in einer Höhe von 100 cm über dem Erdboden“ geschützt sind und nicht gefällt werden dürfen. Das trifft laut Schulz auf die meisten der Bäume vor Ort zu.

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„Wir sind dabei, uns zu organisieren und uns über die rechtliche Situation zu informieren. Auch an den Nabu habe ich mich gewandt“, sagt Schulz. Mit ihrer Vermessungsaktion und der Veröffentlichung in den sozialen Netzwerken will sie ein Bewusstsein bei den Bürgern schaffen. „Wir sind nicht die einzigen, die denken, dass eine Kita an der Stelle absurd ist“, sagt Schulz. Dass einerseits die Emscher vor Ort für viel Geld renaturiert wurde, man sich nun Emscherquellgemeinde nenne, um dann auf eine Grünfläche eine Kita zu setzen, das sei der blanke Hohn. „Wir werden jetzt genau schauen, wo exakt die Kita stehen soll“, sagt Schulz. Sie und ihr Mann, selbst Bauingenieur, können sich nicht vorstellen, dass ein Bau auf der Fläche ohne Fällen von Bäumen möglich ist.

Um deren Erhalt geht es Sylvia Schulz vorrangig, eine Kita grundsätzlich verhindern, das will sie nicht: „Sollte der Bau ohne Fällen möglich sein, wäre das okay. Aber das würde an ein Wunder grenzen.“ Ob die Satzung zum Baumschutz eine Kita verhindern könnte, ist fraglich. Den Argumenten der Baumschützer steht Paragraf 6 der Satzung entgegen. Der besagt, dass auch geschützte Bäume unter bestimmten Bedingungen entfernt werden dürfen – zum Beispiel, wenn sie krank sind. Im Fall der Kita dürfte konkret Paragraf 6e zum Tragen kommen. Der besagt, dass geschützte Bäume gefällt werden dürfen, wenn es durch „(...) öffentliche[s] Interesse dringend erforderlich ist“.

Weiteres Treffen

Die Bäume sind Eigentum der Gemeinde. Falls gefällt werden muss, dann hat darüber vorab der Umweltausschuss zu entscheiden. Bei der Verwaltung ist man bemüht, dass es dazu gar nicht erst kommt. „Momentan schieben wir das Gebäude auf der Fläche noch hin und her. Es gibt vielleicht die Möglichkeit, dass gar nicht gefällt werden muss und das ist auch in unserem Interesse“, sagt Uwe Nettlenbusch, Leiter Technische Dienste. In der kommenden Woche steht das nächste Treffen der Beteiligten an, dann werde es laut Nettlenbusch neue Erkenntnisse geben. 2000 Quadratmeter sind für Korpus und Außenanlage vorgesehen. Sylvia Schulz und ihre Mitstreiter werden genau verfolgen, welche Erkenntnisse das sind. Vor juristischen Schritten wolle man im Zweifel nicht zurückschrecken.

Flächen versiegeln, möglicherweise Bäume fällen – das war sowohl im Planungs- und Bauausschuss als auch später im Rat das große Dilemma für die Grünen, die den Standort im Emscherpark lange ablehnten, sich am Ende dafür entschieden. Eine Entscheidung, die man sich nicht leicht gemacht habe, wie der Grünen-Vorsitzende Friedhelm Klemp während der entscheidenden Ratssitzung am 12. Juli betonte. Die Grünen griffen damals bereits die Idee auf, dass man im Gegenzug den verworfenen Bauplatz auf dem Platz von Louviers entsiegeln könne und dafür beispielsweise ein Gemüsebeet für die Kita-Kinder errichten könnte. Was bei der Abstimmung über den Standort als lose Idee geäußert wurde, wertet Klemp im Nachgang als Bedingung, ohne die man nicht für den Emscherpark als Standort gestimmt hätte.

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Den aktuellen Standort im Park mit einer teilweisen Entsiegelung von Flächen auf dem Platz von Louviers zu verknüpfen, findet Frank Lausmann (CDU) äußerst fragwürdig. „Friedhelm Klemp und die Grünen erwecken einen falschen Eindruck. Es mag der Wunsch von Herrn Klemp sein, die Fläche zu entsiegeln und zu begrünen. Aber nach jetzigem Stand steht der Bauplatz im Emscherpark und eine Begrünung auf dem Platz von Louviers in keinem Zusammenhang“, sagt Lausmann. Klemps Aussagen seien für die Bürger irreführend, würden sie doch falsche Erwartungen wecken, die durch die jetzige Planung nicht gedeckt seien. „Weil nun im Emscherpark gebaut werden soll, heißt das nicht automatisch, dass auf dem Platz von Louviers entsiegelt wird“, stellt Lausmann klar.

Die CDU, die sich zusammen mit dem Unabhängigen Bürgerblock bis zuletzt für den Platz von Louviers als Standort für die geplante Awo-Kindertagesstätte eingesetzt hatte, werde den Bauplatz im Emscherpark nun zum Wohle der Kinder mittragen. „Das müssen wir so akzeptieren und hoffen, dass Baurecht alsbald geschaffen werden kann. Weitere Verzögerungen können wir vor den Eltern nicht vertreten. Es muss da jetzt losgehen“, sagt Lausmann.

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