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Boogie-Woogie im sturen Rhythmus eines Zuges

dzKonzert auf Haus Opherdicke

Das Konzert war lange im Vorfeld ausverkauft: Jean-Pierre Bertrand und Jörg Hegemann rockten am Donnerstagabend die Scheune auf Haus Opherdicke.

von Rainer Ehmanns

Holzwickede

, 03.08.2018 / Lesedauer: 2 min

Schon der erste Takt bringt am Donnerstagabend den Zug in Fahrt: Das Bass-Ostinato hämmert unerbittlich das Tempo. Der Drive reißt mit. Die rechte Hand zaubert, improvisiert, spielt Jazz-Standards an, zerpflückt sie in vielfältigen Variationen, Verzierungen, Trillern, setzt sie frei gegen den sturen Bass. Und fertig ist ein Stil, der keinen still sitzen lässt. Da muss man einfach mitwippen.

„The Boogie-Woogie will not be so cool“, meint Jean-Pierre Bertrand augenzwinkernd und setzt sich gleich wieder an den Bösendorfer. Was er in einer Stunde präsentiert, ist eine furiose Mischung aus Originalen, Arrangements unter anderen von Albert Ammons und eigenen Kompositionen, die die Vielfalt des Boogie aufblättert. Mal vor sich hin trottend wie im Blues, mal rastlos vorwärts drängend, fährt der Rhythmus in die Beine, reißt mit und weckt im Zuhörer das Bild eines Zuges, der durch die endlosen Weiten Texas‘ rast – zuverlässig, stur, unaufhaltsam, bis er am Swanee-River in Georgia ankommt.

Filigran und kraftvoll

Ist Bertrands Spiel das eines Poeten, dessen filigrane Improvisationen begeistern, ist Jörg Hegemanns Kunst anders gelagert, aber nicht weniger hinreißend. Auch er beruft sich auf Albert Ammons und andere Größen, widmet ihnen eigene Kompositionen. Seine Bass-Linien sind ebenso Fundament wie bei Bertrand, meißeln den Rhythmus aber mit zunehmender Härte und extremer Spannung. Wie ein Dampfhammer schlägt die linke zu, die rechte Hand rührt die Zutaten. Der Flügel vibriert unter Hegemanns Händen, das vitale Energiebündel spielt sich fast in Ekstase, bis die Zuhörer rhythmisch mitklatschen, johlen und pfeifen, noch ehe das Stück im Schluss-Tremolo regelrecht crasht.

Zum Schluss setzen sich beide an den Flügel, spielen vierhändig rasend schnellen Boogie, jonglieren mit Figuren wie im Zirkus, tauschen Plätze, setzen nahtlos fort, wo der andere aufhört und spielen die Zuhörer schwindelig. Die staunen und feiern zwei Große der Szene mit stehendem Applaus.

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