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Bei „Marla & Mathilda“ kommt das Fleisch vom Weizenfeld

dzVeganer Foodtruck

Ein veganer Foodtruck auf dem Streetfoodmarkt, das war neu am Donnerstag. Dass es bei Marcus Hoffmann kein Fleisch gibt, fällt zunächst gar nicht auf.

Holzwickede

, 11.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Wer am Stand von Marcus Hoffmann auf die Angebotstafel schaut, wundert sich vielleicht über Schreibweisen wie „Tscheese“ für Käse, bestellt dann seine Dönertasche und merkt meist nicht, dass er kurz darauf in ein rein pflanzliches Gericht beißt.

„60 bis 70 Prozent unserer Kunden essen auch Fleisch. Wir stellen nicht heraus, dass wir vegan sind“, sagt Marcus Hoffmann. Man wolle nicht missionieren, aber einen Beitrag leisten, sich bewusst gegen Essen aus Massentierhaltung zu entscheiden.

Zusammen mit seiner Frau Tanja Janjic hat er vor zweieinhalb Jahren die Genusswerkstatt „Marla & Mathilda“ in Lüdenscheid gegründet. Seit einem Jahr ist Hoffmann zudem mit seinem „Tourbus“ unterwegs. „Meist bin ich alleine, im Notfall rufe ich meine Frau“, sagt der 40-Jährige und lacht.

Und wie kommt das Paar darauf, ein schweinisches Logo auf einen veganen Foodtruck zu setzen? Marla und Mathilda sind zwei Hängebauchschweine, die bei den beiden eingezogen sind. Seitdem war Fleisch tabu. „Wenn ich früher ein Stück Fleisch gegessen habe und auf eine Sehne gebissen habe, war es aber auch schon vorbei“, sagt Hoffmann und nennt einen Vorteil seiner pflanzlichen Produkte: „Ich muss keine Angst haben, auf irgendetwas zu beißen.“

Bei „Marla & Mathilda“ kommt das Fleisch vom Weizenfeld

Die zwei Hausschweine im Logo sprechen nicht für einen veganen Foodtruck. Auf einen expliziten Hinweis zum veganen Essen wird bewusst verzichtet. © Greis

Das Angebot von „Marla & Mathilda“ auf dem Streetfoodmarkt unterscheidet sich optisch nicht von Dönerfleisch, Burgerpatties oder Pulled Pork. Allein: Für die angebotenen „Fleischgerichte“ ist kein Tier gestorben. „Die Grundlage für 90 Prozent unserer Gerichte ist Seitan“, sagt Hoffmann. Tofu, der auf Sojabohnen basiert, dürfte den meisten Menschen bekannt sein. Aber Seitan? Ist eigentlich ganz ähnlich, aber wird aus Weizeneiweiß gewonnen. „Im Jahr verbrauchen wir ungefähr 1,5 Tonnen Seitan“, sagt Hoffmann. Und eine Menge Gewürze: Damit das Fleischimitat Geschmack bekommt, ist Experimentierfreude gefragt. Und die haben Marcus Hoffman und Tanja Janjic. „In unserem pflanzlichen Dönerfleisch stecken 21 verschiedene Gewürze“, sagt Hoffmann.

Wenn er erzählt, dass man auch vegane Schnitzel, Fischburger oder Käse aus Kokosfett und Cashewnüssen im Portfolio habe, merkt man schnell: Hier hat jemand seine Profession gefunden. „Ich koche seit mehr als 20 Jahren. Als Kind habe ich meiner Mutter gesagt, wie sie ihre Küche optimieren kann. Das kam entsprechend an“, sagt Hoffmann und lacht. Mit seinem Cousin, den es in die Sterneküche gezogen hat, habe er sich schon immer Duelle am Herd geliefert. Aus der Gastronomie kommt er aber nicht: „Ich habe zuvor im Qualitätsmanagement gearbeitet.“ Das ist vorbei: Mehr als 50 Eigenkreationen zeugen von der Besessenheit, die er im Bezug auf veganes Essen entwickelt hat.

Produkte aus Eigenproduktion

Bei „Marla & Mathilda“ wird jedes vegane Produkt selbst produziert, entsprechend aufwendig ist der Job. „Wir bestellen die Rohstoffe im Internet. Wenn ich in Holzwickede aufbaue, bedeutet das für mich zwei bis drei Tage Vorbereitung. Da ist auch mal eine Nachtschicht dabei“, sagt Hoffmann. Noch wuppen er und seine Frau das Bistro in Lüdenscheid und den Foodtruck zu zweit. Aber auch hier zeigt sich ein Vorteil der pflanzlichen Produkte: Sie sind weniger anfällig für Bakterien und Keime. Was nicht heißt, dass Hoffmanns Food-Anhänger auf Kühlung verzichten kann. „Fast alle Schränke dienen der Kühlung. Unsere Produkte halten sich bei entsprechender Lagerung einfach länger als tierische Produkte.“

Celine Refke ist am Donnerstag mit Freundinnen schon kurz nach 16 Uhr auf den Streetfoodmarkt gekommen. Es schüttet, aber das ist ihr egal: „Ich kenne Marla & Mathilda schon von einem anderen Markt. Als ich mitbekommen habe, dass sie hier sind, musste ich kommen“, sagt die Holzwickederin. Seit fünf Jahren verzichtet die Abiturientin auf tierische Produkte, Fleischersatz muss es dabei nicht immer sein. „Wenn wir grillen, lege ich auch gerne nur Gemüse auf. Aber wenn es hier so ein Angebot gibt: dann gerne.“ Viele Kunden würden gar nicht merken, dass sie kein Fleisch bekommen haben: „Schon öfter vegan gegessen?“, lautet dann die Frage an die Gäste, „das kann ich mir oft nicht verkneifen“, sagt Hoffmann.

Demnächst in Schwerte

800 bis 1000 Portionen kann er aus seinem Wagen heraus verkaufen. Darunter nicht nur Deftiges: Auch Softeis aus Sojamilch steht in diversen Variationen auf der Karte. Ausverkauft war Marcus Hoffmann durch das wechselhafte Wetter am Donnerstag nicht, auch wenn sich der Streetfoodmarkt nach dem Gewitter füllte. „Für das Wetter kann ja keiner was. Wir schauen uns Veranstaltungen meist zwei bis drei Mal an. Die Chemie muss auch immer stimmen“, sagt Hoffmann.

Am Wochenende geht es für ihn und seinen Anhänger auf ein veganes Festival nach Bremen, am nächsten Donnerstag sind die veganen Gerichte auf dem Streetfoodmarkt in Schwerte zu haben.

zur Homepage von Marla und Mathilda

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