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Telefon, WhatsApp, SMS – alles ist schneller als die Ansichtskarte. Aus dem Urlaub wird sie heute noch verschickt. In Fröndenberg wurden mit ihr im Kaiserreich ganz alltägliche Nachrichten übermittelt.

Fröndenberg

, 03.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Ansichtskarten von bald jedem Sprengel in Fröndenberg gab es zur Kaiserzeit. Oft waren es kolorierte Lithographien, die man sich heutzutage einrahmen und an die Wand hängen könnte. Früher wurde zwar noch fleißiger geschrieben – allerdings dienten die hübschen Motivkarten aus der Ruhrstadt damals noch nicht für Urlaubsgrüße.

Grüße aus der Sommerfrische in Fröndenberg gab es im Kaiserreich nicht

Zweimal täglich Post in Fröndenberg

Postkarte von 1899, Hotel Wildschütz und Innenstadt © privat

„Aus der Sommerfrische wurde aus Sanssouci in Balve gegrüßt“, weiß Stadtarchivar Jochen von Nathusius. In Fröndenberg waren es dagegen häufig die Meldungen aus der Fremde, wenn Lehrlinge, Dienstmädchen oder Fabrikarbeiter ihren Angehörigen einer gesunden Ankunft in Fröndenberg versicherten. Denn die großen Firmen wie Union, Prünte, Feuerhake oder Himmelmann warben viele Beschäftigte aus dem näheren und weiteren Umland an.

Freundinnen schrieben sich um 1900 Postkarten von Westick ins Dorf Fröndenberg

Daneben wird um 1900 die Postkarte als Kommunikationsmittel sogar innerhalb der Mauern der Stadt genutzt. „Das war eher ein Hobby von Freundinnen, die Jungs haben nicht geschrieben“, erzählt von Nathusius. Telefon und WhatsApp heute sind zwar schneller, aber unter Umständen war die Ansichtskarte von Westick ins Dorf Fröndenberg schon am selben Tag zugestellt.

Zweimal täglich schwärmen die Postboten noch bis zum Zweiten Weltkrieg aus

Zweimal täglich Post in Fröndenberg

Totalansicht auf die Stadt mit Marienkriche und Stiftskirche, Mündung der Hönne in die Ruhr © Land

Nachdem der Botendienst zu Fuß nach Unna und Menden – bis zur Eröffnung der Ruhrtaleisenbahn 1870 durch den Briefträger Heinrich Casack – eingestellt worden war, schwärmten nach vorheriger Beförderung durch die Bahn die Postboten zweimal täglich vom Postgebäude aus. „Übrigens taten sie das bis zum Zweiten Weltkrieg und selbstverständlich auch an Sonntagen“, weiß der Stadtarchivar.

Auch Nachrichten über die Wäsche vermeldet man per Ansichtskarte

Zweimal täglich Post in Fröndenberg

Postkarte der Ruhrbrücke um 1900 © privat

Obgleich das Telefon schon erfunden, aber mangels Leitungen auf dem Land noch kaum verbreitet war, mussten auch alltägliche Nachrichten mit der Ansichtskarte kundgetan werden.So steht auf einer Karte, abgestempelt am 1. September 1903, im schönsten Sütterlin geschrieben – übrigens rings um das Motiv von Marien- und Stiftskirche auf der Vorderseite, weil die Rückseite frei bleiben musste: „Liebe Cousinen, bin gestern in Fröndenberg glücklich wieder angelangt ... mit der Wäsche haben wir bis heute gewartet ... Eure Cousine Hermine“ – Empfängerin war Lina Grürmann in Hemer-Hardt.

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