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Kleines Dorf – großes Ereignis: 100 Jahre alt wird das Freiwillige Trommlercorps Bentrop. Im April 2020 steht das Jubiläum zwar erst an. Ob die schleierhaften Umstände der Gründung bis dahin geklärt werden können?

Fröndenberg

, 20.07.2018 / Lesedauer: 3 min

Im April 1920 treffen sich einige Männer in der Küche von Karl Haggeney in Bentrop. Am Ende der gemütlichen Sitzung gibt es in dem Dorf einen neuen Verein: das Freiwillige Trommlercorps Bentrop. Was genau die Gruppe zu der Gründung bewegt, liegt fast 100 Jahre später im Dunkeln. „Es fehlen die Gründungsurkunde und das Protokoll“, bedauert Theresa Frens. Auch Ehrenvorsitzender Wilfried Haggeney, Sohn des Gründungsvaters, hat sie nicht mehr. Die 21-Jährige trägt bereits seit mehreren Monaten historische Dokumente und alte Fotos aus der Geschichte des kleinen Musikvereins zusammen.

Anekdötchen für die Festschrift werden gesucht

Denn das Jubiläum im April 2020 soll gebührend gefeiert werden – mit einer eigenen Festschrift. Und weil die nicht stur Jahreszahl an Jahreszahl aufreihen soll, sondern Geschichten und Anekdoten erzählen, braucht es eine lange Vorbereitungszeit. Bald alle Epochen des Trommlercorps – das älteste Foto stammt von 1921 – kann das Redaktionsteam um Theresa Frens, Gottfried Kolter und Jupp Volmer dokumentieren – klar, dass das ganze Dorf half und die Bentroper ihre Dachböden und Keller durchstöberten.

Schließlich gehören die 27 Trommler und Flötisten zum Inventar von Fröndenbergs östlichstem Stadtteil. „Es gibt in Bentrop drei Vereine und die Feuerwehr“, schmunzelt Theresa Frens. Wie stark die Bande zwischen Dorf, Bewohnern und Trommlercorps ist, spüren die Musiker immer aufs Neue, wenn sie bei ihren Jubiläumsfesten zum frühmorgendliche Wecken vor den Haustüren aufspielen. „Alle machen uns die Tür auf“, beschreibt Vorsitzender Gottfried Kolter Stolz und Anerkennung, die sich in dieser Geste zeigen. Auch der Zusammenhalt unter den Vereinen ist groß – nicht nur weil viele Schützen im Trommlercorps sind oder Musiker wie Theresa Frens in der Freiwilligen Feuerwehr. Bei Grünröcken wie Blauröcken sind die Trommler zu Gast, wenn sie proben. Jupp Volmer: „Wir haben kein eigenes Zuhause, aber zwei schöne zur Auswahl.“

Sie schwärmen aus fast wie die Reisetauben

Das Trommlercorps ist aber auch ein ganz besonderes Aushängeschild. „Den Namen Bentrops tragen wir am weitesten nach draußen – neben den Reisetauben“, sagt Jupp Volmer, der Musikalische Leiter, lachend. Ach ja, die Taubenzüchter von Blauer Vogel Bentrop gibt es natürlich auch noch im Dorf. Bis ins Paderborner Land ist das Trommlercorps schon zu den traditionellen Freundschaftstreffen gefahren.

Überhaupt sind Spielmannszüge eine gesellige Sorte Mäuse. Die 1970er-und 1980er-Jahre waren auch in Bentrop die Hochzeit der sogenannten Wettstreite. Ein Ritual der Musiker, bei dem „manchmal derart auf den Tischen getanzt wurde, dass sie danach krumm waren“, lacht Gottfried Kolter. Da kam dann am nächsten Morgen der Chef des Trommlercorps – und bog die Tische mit einem Eisen wieder gerade. Diese Zeiten sind vorbei, heute besinnt man sich allein auf das Musizieren. Wobei Jupp Volmer durchaus ein wenig ins Grübeln gerät: „Wenn man in Pötten rechnet, war das sicherlich die erfolgreichste Zeit“, stichelt der 54-Jährige. „Ohne seine muskalischen Rat ging bei uns gar nichts“, gibt Gottfried Kolter direkt ein dickes Lob zurück.

Busse drängeln sich bei den Freundschaftstreffen im Dorf

Beim 100-Jährigen wird natürlich groß aufgespielt – wie immer gemeinsam mit gut 20 befreundeten Vereinen. Dann kommt es auch wieder zu einem erhebenden Moment. „Das ist schon imposant, wenn in unser kleines Dorf ein Bus nach dem anderen einfährt“, sagt Gottfried Kolter mit durchaus glänzenden Augen. Die Vorfreude vor dem Jubiläum ist schon groß.

Gibt es nicht vielleicht doch eine Spur, die zu den Motiven für die Gründung des Trommlercorps führt? Waren es Kriegsheimkehrer, die Beschäftigung suchten? „Kann sein, dass sie nur einen Grund gesucht haben, sich häufig zusammenzusetzen“, ulkt Jupp Volmer, um es danach auf den Punkt zu bringen: „Es war wohl schlicht und ergreifend Musikbegeisterung.“

Zwischen neun und 76 Jahre alt sind die aktiven Schlagwerker und Flötisten in Bentrop. Theresa Frens bildet die neunjährige Lièl an der Flöte aus, die elfjährige Serina lernt bei Gottfried Kolter das Trommeln. Überhaupt sind die Frauen mittlerweile schon in der Überzahl im Trommlercorps. „Mädels durften in Bentrop schon sehr früh mitmachen“, sagt Jupp Volmer mit gespielt gönnerhaftem Ton. 1973 war das – immerhin! „Die Töchter und Nichten der damals Aktiven sind nach und nach auch eingetreten“, erzählt Theresa Frens. Akute Nachwuchssorgen hat das Trommlercorps daher nicht – man weiß aber, dass viele Vereine ihre Aktivitäten mangels Musikern ruhen lassen. Daher sind Interessierte zu den Proben immer gern gesehen. Die gehen wieder nach den Sommerferien am 24. August los. Immer freitags wird dann zwischen 19 und 21 Uhr im Anbau der Schützenhalle, Kaiserstraße 2, musiziert. Unterstützung ist übrigens auch noch bei der Vorbereitung der Festschrift zum 100. Jubiläum willkommen, die schon Ende 2019 erscheinen soll. Selbst befreundete Vereine und das Stadtarchiv wurden bislang schon befragt. Wer noch alte Dokumente oder Fotos findet und zur Verfügung stellen will, kann sich mit Theresa Frens in Verbindung setzen, per E-Mail an t.frens@gmx.de oder telefonisch unter Tel. (0157) 89178959
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