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Spielend Deutsch lernen

dzIntegration

Sie sprechen Deutsch, aber noch nicht gut genug, um am Schulunterricht teilzunehmen. Das soll ein Sprachkurs für zugewanderte Kinder ändern, der aktuell im Treffpunkt Windmühle läuft.

von Jennifer Freyth

Fröndenberg

, 15.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Lernen in den Ferien – was für manch einen Schüler die Horrorvorstellung schlechthin ist, macht Leis überhaupt nichts aus. Der Elfjährige gehört zu den 13 Mädchen und Jungen mit syrischen und türkischen Wurzeln, die derzeit Sprachferien im Treffpunkt Windmühle machen. Dahinter verbirgt sich ein Deutsch-Sprachkurs für neu zugewanderte Schülerinnen und Schüler, gespickt mit allerhand Freizeitangeboten. „Es macht viel Spaß“, sagt der syrische Junge, dem das Lernen der deutschen Sprache nach eigenen Angaben nicht allzu schwer fällt. Seit zwei Jahren lebt Leis mit seiner Familie in Deutschland; derzeit in Fröndenberg, wo er die Klasse 5.6 der Gesamtschule besucht. Dass er sich mit seinen Mitschülern nach den zwei Wochen „Ferienintensivtraining (FIT) in Deutsch“ noch besser austauschen können wird, motiviert ihn sehr.

Intensivkurs soll Sprachängste abbauen

Das gilt allerdings nicht für alle Teilnehmer, die übrigens dank der Unterstützung der VKU von Fröndenberg, Unna und Holzwickede zum Mühlenberg gelangen: „Die Älteren sind schon ein bisschen skeptisch, es sind schließlich auch Ferien“, sagt Lehrkraft Wiebke Lindenberg. Und genau deshalb achtet sie darauf, dass auch das Freizeitangebot nicht zu kurz kommt.

Am Vormittag aber wird zunächst gepaukt – mit einer Sprachtrainingssoftware, die die Kinder sich auch zu Hause herunterladen können, am PC oder Handy. Jeder Teilnehmer sucht sich dabei ein Thema aus, das er für sich erarbeitet. Das individuelle Lernen hilft, die unterschiedlichen Sprachstände aufzufangen. „Manche sprechen schon sehr gut Deutsch, andere können sich zwar sehr gut verständigen, aber ihnen fehlen häufig noch Verben“, weiß Lindenberg, die von Max Möller und Max Reichelt unterstützt wird. Fehlende Verben erschweren die Kommunikation ungemein, wie die Sprachlernbegleiterin schon ihren Schützlingen in der Grundschule predigt. „Ich Ball – damit kann man nicht viel anfangen“, sagt sie. Mit „Ich möchte Ball spielen“ oder „Ich möchte den Ball werfen“ gelinge die Kommunikation hingegen sofort.

Ziel des Sprachkurses sei es aber nicht nur, neues Vokabular zu vermitteln, sondern vor allem Hemmschwellen und Sprachängste abzubauen und die Kinder lockerer zu machen. Dass sie sich dabei mitunter auch in ihrer Muttersprache austauschen, sei richtig und wichtig. „Die Kinder müssen sich nicht in ihrer Muttersprache verstecken“, betont Lindenberg.

„FiT in Deutsch“

Ferienintensivtraining erstmals in Fröndenberg

„FIT in Deutsch“ – dahinter verbirgt sich ein zweiwöchiges Ferienintensivtraining, das das Kommunale Integrationszentrum Kreis Unna anbietet. Zuletzt in Bönen und Holzwickede, findet der Kurs nun erstmals in Fröndenberg statt. Das Schulministerium hat das Programm entwickelt, das seit 2018 angeboten wird. Es richtet sich an alle neu zugewanderten Schülern von der Grundschule bis zur Sekundarstufe II, deren Deutschkenntnisse noch nicht ausreichen, um am normalen Unterricht im Regelsystem teilzunehmen. Das Land NRW finanziert das Angebot zu 80 Prozent, das für die zugewanderten Schüler komplett kostenlos ist.

Nach der Unterrichtseinheit am Vormittag und dem gemeinsamen Mittagessen, fällt schließlich der Startschuss für das Freizeitprogramm. Das bietet von Sport und Malerei über Backen und Töpfern bis hin zu Kung Fu oder der Besichtigung des Wasserwerks Fröndenberg-Menden viel Abwechslung. Übrigens nicht nur für die Sprachkurs-Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Auch alle anderen Kinder können diese Angebote nutzen und mit einem ausgefüllten Anmeldebogen kurzfristig zur Gruppe dazustoßen. Und dann zum Beispiel auch von den Flüchtlingskindern lernen.

Mit gelebter Integration spielend Deutsch lernen

Der elfjährige Leis etwa ist ein richtiger Profi im Töpfern. Er hatte das Kunsthandwerk im Flüchtlingslager in Griechenland kennengelernt und beherrscht es inzwischen aus dem Effeff. Am meisten aber freue er sich auf Kung Fu, sagt der junge Syrer – und strahlt über das ganze Gesicht.

So funktioniert auch die Integration ganz nebenbei – genauso wie das Deutschlernen, das in der Freizeit umso leichter fällt.

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