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Hebeln sich zwei Machbarkeitsstudien für wegweisende Neubauten in der Fröndenberger Innenstadt gegenseitig aus? Bislang sollten Rathaus-Neubau und Umzug der Feuerwehr zusammenhängen. Nun gibt es andere Optionen.

Fröndenberg

, 21.04.2019 / Lesedauer: 3 min

So viel ist klar: Das Feuerwehrgerätehaus am Harthaer Platz genügt nicht mehr den heutigen Erfordernissen, das Rathaus an der Bahnhofstraße ist stark sanierungsbedürftig. Über Investitionen, die die Stadt in den nächsten Jahren mehrere Millionen Euro kosten werden, muss die Politik demnächst entscheiden.

Kritik der Feuerwehr bremst Idee eines Neubaus der Wache am Standort Bahnhofstraße

Das Gutachten der Firma Orgakom sieht künftig noch fünf statt zwölf Standorte der Freiwilligen Feuerwehr vor: Erhalten bleiben sollen die Gerätehäuser in Frömern und Ostbüren, die Wache Mitte soll einen Neubau erhalten und neu kommen ein Gelände an der Oase Stentrop für eine Wache Ost sowie eine Teilfläche des geplanten Gewerbegebietes Schürenfeld für eine Wache West hinzu. © Christoph Schmidt

Welches Gebäude wo neu gebaut wird, ist dagegen längst nicht geklärt. Die Entscheidung hierüber hängt von mehreren Faktoren ab.

? Was soll die Machbarkeitsstudie für den Karl-Wildschütz-Parkplatz erbringen?

In Sachen Rathaus wird seit einigen Monaten die Idee eines Neubaus mit Bürgersaal und moderner Stadtbücherei verfolgt. Möglicher Standort: der Karl-Wildschütz-Parkplatz. Die Studie soll noch vor den Sommerferien ausgeschrieben werden; Ende des Jahres könnten Ergebnisse vorliegen.

Kritik der Feuerwehr bremst Idee eines Neubaus der Wache am Standort Bahnhofstraße

Der Altbau des Rathauses ist sanierungsbedürftig. Es mehren sich die Stimmen unter den Ratsleuten, die in einem Neubau auf dem Karl-Wildschütz-Parkplatz eine nachhaltigere Lösung sehen als in einer Sanierung des Bestandsbaus. © Aso Mohsin Mohammed

? Was hat der Rathaus-Standort mit dem Feuerwehr-Standort zu tun?

Die Standortfragen sind bislang miteinander verknüpft worden. CDU-Fraktionsvorsitzender Gerd Greczka hatte im November noch folgenden „Ringtausch“ von Grundstücken zur Bedingung gemacht: Sollten sich die Standorte Wildschütz-Platz für ein Rathaus und Bahnhofstraße für die Feuerwehr eignen, müsse das frei werdende Grundstück am Harthaer Platz für eine Mitfinanzierung vermarktet werden können.

Kritik der Feuerwehr bremst Idee eines Neubaus der Wache am Standort Bahnhofstraße

Das Rathaus II würde wie auch der Altbau von Rathaus I weichen, wenn auf dem Karl-Wildschütz-Parkplatz ein neues Rathaus mit Bürgerhaus und Stadtbücherei errichtet werden sollte. © Dagmar Hornung

? Wird ein Standort für die Feuerwehr Mitte favorisiert?

Laut Fachbereichsleiter Christoph Börger ist im Feuerwehrbeirat über den künftigen Standort ein „100-prozentiger Konsens“ nicht vorhanden. Daher sei inzwischen an ein Planungsbüro eine Machbarkeitsstudie zur Geeignetheit des Harthaer Platzes für eine größere Feuer- und Rettungswache erteilt worden. Laut Börger ist die Frage wegen der topographischen Lage des Grundstücks, ob man etwa in den Hang bauen könnte, nicht einfach zu beantworten. Die Firma Orgakom, die die Stadt bei der Aufstellung eines neuen Brandschutzbedarfsplans berät, habe die Anforderungen dafür festgeschrieben. Ein Neubau an der Bahnhofstraße habe den Vorteil, dass man keine Interimslösung für die Feuerwehr benötige. Dagegen verweist FWG-Fraktionschef Matthias Büscher auf alte Hallen der Kartonagenfabrik Freiburg, die die Feuerwehr zwischenzeitlich nutzen könne.

Kritik der Feuerwehr bremst Idee eines Neubaus der Wache am Standort Bahnhofstraße

Der Karl-Wildschütz-Parkplatz kommt zumindest für eine Lösung definitiv nicht in Frage: für den Neubau eines Feuerwehrgerätehauses. © Christian Vormbrock

? Folgt aus einem negativen Ergebnis für den Harthaer Platz, dass die Feuerwehr an der Bahnhofstraße neu gebaut werden muss?

Christoph Börger räumt lediglich ein, dass ein drittes Grundstück in der Stadt praktisch nicht zur Verfügung steht. Matthias Büscher betont, dass die FWG einen Standort der Feuerwehr an der Bahnhofstraße nicht mittragen wird. „Die Sicherheit ist nicht gewährleistet, weil die Hilfsfristen nicht eingehalten werden können“, sagt Büscher, der selbst Berufsfeuerwehrmann ist. Feuerwehrchef Jörg Sommer sieht es ähnlich. Ein Standort Bahnhofstraße sei zwar nicht grundsätzlich ungeeignet. Die jetzige Struktur der Feuerwehrlöschzüge sei jedoch auf den Standort Harthaer Platz ausgerichtet. „Alle Feuerwehrleute wohnen auf der anderen Seite der Bahnlinie.“ Auf dem Weg zur Bahnhofstraße seien viele Ampelphasen auf der Alleestraße zu überwinden.

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? Wird Beigeordneter Freck in seiner Ansicht unterstützt, dass die Wohnorte der Feuerwehrleute nicht ausschlaggebend sein können?

Ja. Ursula Lindstedt schickt zwar voran, dass es „noch keine abgeschlossene Meinung in der Fraktion“ gebe, das Wohnortargument gegen den Standort Bahnhofstraße zieht ihrer Meinung nach aber nicht. „Das mag heute so sein, dass kann künftig aber anders sein“, so die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende. Schwerer wiegt nach ihrer Ansicht ein anderes Argument: „Dem Nachwuchs muss man ein attraktives Angebot machen.“ Die zuvor ebenfalls kritisierte Zusammenlegung der Löschgruppen Hengsen und Opherdicke habe sich auch als richtig herausgestellt. Und, wiederum auf Fröndenberg gemünzt: „Viele erleben den neuen Feuerwehrstandort nicht mehr.“

Kritik der Feuerwehr bremst Idee eines Neubaus der Wache am Standort Bahnhofstraße

Weil bei einer Bebauung viele freie Parkplätze entfallen würden, hat die CDU-Fraktion beantragt, Realisierungsmöglichkeiten für eine Tiefgarage unter einem eventuellen Neubau des Rathauses prüfen zu lassen. © Roman Grzelak

? Könnte ein neues Rathaus durch den Verkauf eines städtischen Grundstücks mitfinanziert werden, auch wenn die Feuerwehr am Harthaer Platz bleibt?

Gerd Greczka sieht in den beiden Machbarkeitsstudien „zwei verschiedene Paar Schuhe“. Man wolle zunächst einer gutachterlichen Betrachtung eine faire Chance geben. Aber: „Wir werden keinen Standort gegenüber der Feuerwehr durchdrücken, wenn sie schwere Bedenken anmeldet.“ Dass die Wehr dies hinsichtlich des jetzigen Rathausstandortes getan habe, sei ihm bekannt. Er sei aber der „tiefen Überzeugung“, dass man das Grundstück an der Bahnhofstraße ebenfalls anders vermarkten könnte.

Feuerwehrstandort Mitte

Hallen für zehn Fahrzeuge und ausreichend Alarmparkplätze

  • Die Machbarkeitsstudie für den Harthaer Platz wird zwischen 10.000 und 15.000 Euro kosten. Die derzeitige Feuer- und Rettungswache hat Defizite.
  • Der Standort der Feuerwehr Mitte benötigt Hallen für zehn Fahrzeuge, Schulungsräume, eine Werkstatt, Wartungsräume für Atemschutzgeräte, Sanitäreinrichtungen und Umkleiden sowie Alarmparkplätze.
  • Das Fahrzeugkonzept im Rahmen des noch nicht verabschiedeten neuen Brandschutzbedarfsplanes ist laut Christoph Börger im Wesentlichen fertiggestellt.
  • Aufgrund ihres Alters müssen einige Fahrzeuge nach und nach ausgetauscht werden. Es handele sich fast um ein „Nullsummenspiel“, so Börger.

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