Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Kindergarten war früher. Familienzentren haben heute Besucher vom Säugling bis zum Hochbetagten. Im Fröndenberger Pastoralverbund begann die neue Ära vor zehn Jahren – heute gibt es offene Treffpunkte.

Fröndenberg

, 11.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Das vermutlich landesweite Alleinstellungsmerkmal: Das Familienzentrum im Pastoralverbund setzt sich aus den vier katholischen Kita-Standorten in der Stadtmitte, auf der Hohenheide, in Warmen und Westick zusammen. Frau der ersten Stunde ist neben Jolanta Szymanski auch Barbara Menge, die seit 30 Jahren die – frühere – Kita Herz Jesu auf der Hohenheide leitet. Im Interview erinnert sich die Erzieherin an die Anfänge und spricht über ein Angebot, „das heute nicht mehr wegzudenken ist“.

Wie kam es dazu, dass heute vier Kitas gemeinsam ein Familienzentrum bilden?

Das Land NRW hat 2007 ein Pilotprojekt zu den Familienzentren gestartet. Dafür hatten sich auch schon alle vier Einrichtungen beworben, aber getrennt. Unsere Anträge sind abschlägig beschieden worden. Im Jahr darauf gab es wieder ein Bewerbungskontingent für Fröndenberg – dann haben wir gesagt: Okay, gehen wir eben gemeinsam an die Arbeit – und waren damit erfolgreich. Damit sind wir vor Ort das einzige Familienzentrum im Verbund. Eine Voraussetzung war, eine Distanz von 2,8 Kilometern zwischen den Standorten nicht zu überschreiten.

Was macht den Schritt vom Kindergarten zum Familienzentrum praktisch aus?

Die Bedarfslage hat sich in den letzten Jahren komplett geändert. Früher war es so: Die Kinder wurden morgens zu uns gebracht und die Eltern waren dann erst einmal wieder weg. Wenn man einmal ein Elterngespräch führte, dann erst, wenn es wirklich brannte. Heute führen wir unter anderem regelmäßige Entwicklungsgespräche mit den Erziehungsberechtigten über das Kind. Die Arbeit ändert sich vollkommen und ist nicht allein auf das Kind ausgerichtet. Unsere Frage ist: Was brauchen Familien noch?

Was brauchen Familien heute, was Sie bieten können?

Wenn Sie allein die Hohenheide mit der Kita Herz Jesu nehmen: Es ist ein Zentrum für den gesamten Sozialraum geworden. Wir haben hier ja nicht so viel, es gibt einen Bäcker und das war es. Die Möglichkeiten im Bereich der Kinder-, Jugend- und Verbandsarbeit haben sich sehr reduziert. Insofern sind wir ein Zentrum, das über den Rand hinaus blickt, in dem Begegnungen stattfinden können. Dafür haben wir Kooperationspartner zum Wohl der gesamten Familie mit ins Boot geholt.

Mit wem kooperieren Sie?

Wir sind gehalten, eine Liste mit Partnern zu führen, die bestimmte Sparten abdecken. Das ist Erwachsenenbildung ebenso wie psychologische Beratung oder der Allgemeine soziale Dienst. Im Bereich Sport arbeiten wir unter anderem mit dem Gesamtschulsportverein und dem SV Bausenhagen zusammen, es gibt Angebote in Logopädie, Ergotherapie und Motopädie, die Hebammen und Elternschulen sind im Boot, sogar Tanzpädagogen, eine ausgebildete Liedergartenanbieterin und eine heimische Malerin für den künstlerisch-musischen Bereich gibt es. Wir erweitern auch das Elternwissen, zum Beispiel bei gesunder Ernährung. Eine ganz bunte Mischung also.

Was hat diese große Angebotspalette bewirkt?

Zum einen ist es sehr bereichernd für die Einrichtung und unsere Arbeit. Als Angebot in den Sozialräumen, ob in Mitte, auf der Hohenheide, in Westick oder in Warmen – jeder an seinem Standort füllt den Stadtteil aus. Heute haben wir drei Monate alte Babys in der Krabbelgruppe und über 80-Jährige bei „Fit ab 60“ – das wäre vor einigen Jahren nicht denkbar gewesen. Der Kindergarten wird zum Knotenpunkt. Selbst Eltern, die Sorgen mit ihren pubertierenden Kindern haben, rufen mittlerweile an und fragen: Habt ihr mal einen Tipp? Wir bieten selbst gar nicht alles an, aber bekommen immer irgendwo einen Experten dafür und können helfen.

Sie verfügen also auch als Familienzentrum nicht über Allheilmittel ?

Es gibt verschiedene Modelle für Familienzentren. Wir sind als Lotsen angetreten, vermitteln also weiter. In jedem Team gibt es Erzieherinnen, die nach entsprechenden Fortbildungen Ansprechpartner für verschiedene Bereiche sind und weiterhelfen können. Zum Teil bieten wir aber auch in unseren Einrichtungen etwas an, wie die regelmäßige Sprechstunde der psychologischen Beratungsstelle. Wenn es Bedarf gibt, wird einer der Kooperationspartner mit ins Boot geholt. Das Angebot erweitert sich auch ständig, etwa mit einer Musikgruppe oder momentan mit einem Pilateskurs im Franz-Stock-Haus.

Was funktioniert und was funktioniert nicht?

Familienzentren sollen ja bewusst niederschwellige, kostenfreie Angebote für Eltern machen, zum Beispiel Kompetenzkurse. Das war anfangs sehr fruchtbar, ist aber sehr abgeflacht. Eltern haben oft das Problem, keine zeit für einen fünfwöchigen Kurs nach der Arbeit zu haben. Anderes schlägt dagegen bombig ein: „Bücher, Wein und Kerzenschein“ etwa, wo wir Bücher vorstellen, zum Trommelkurs in Warmen reisen Erwachsene auch aus anderen Stadtteilen an, was sonst eher nicht der Fall ist, im Offenen Elterncafé wird geklönt oder es gibt Themen wie „Förderung aus der Küchenschublade“, also Tipps, wie man seine Kinder mit einfachen Utensilien beschäftigen kann. Und im Rahmen der Erzählwerkstatt hat jede Einrichtung mittlerweile ausgebildete Erzähler – das nehmen Eltern gern an. St. Josef hat einen Tanzkurs für Kinder, St. Marien und Herz Jesu „Rücken fit“ – das hat sich alles etabliert.

Klingt nach der ganz großen Integration in den Stadtteilen – erreichen Sie alle Menschen?

Wir haben nicht nur die Sprachförderung für Kinder, die nicht in eine Kita gehen, als verpflichtendes Angebot. Ein großer Bereich sind interkulturelle Angebote, da wird gemeinsam gekocht und gefeiert, es finden Sprachkurse sowie Spielgruppen für Flüchtlingskinder statt. Da sind nur die Strukturen sehr unterschiedlich. Während sich in St. Marien und St. Josef viele Nationen treffen, befinden sich Herz Jesu und Christkönig in eher ländlichen Bereichen.

Lesen Sie jetzt