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Kettenschmiedemuseum XL in Fröndenberg ist machbar

Studie vorgestellt

Die Machbarkeitsstudie zeigt: Wenn das Kettenschmiedemuseum eine erfolgreiche Zukunft haben soll, sind Investitionen nötig. Was sich die Gutachter im Einzelnen vorstellen, ergibt ein deutschlandweites Alleonstellungsmerkmal.

Fröndenberg

28.06.2018 / Lesedauer: 4 min
Kettenschmiedemuseum XL in Fröndenberg ist machbar

Das Ensemble Kettenschmiedemuseum und Kulturschmiede hat Potenzial. Doch wenn Fröndenberg dieses nicht ausbaut, ist auf Dauer der Fortbestand bedroht. Eine Machbarkeitsstudie untermauert die Ansicht von Fördervereinsvorsitzendem Jochen Hänel.Archiv © Borys Sarad

Bekanntlich leidet der Förderverein Kulturzentrum unter akuter Raumnot. Nicht erst seit das Büro im alten Hotel am Park weggefallen ist. „Etwa 150 Aktenordner haben wir auf verschiedene Privatwohnungen verteilt. Das Lager bei der Kettenfabrik Prünte fällt im Laufe des Jahres ebenfalls weg. Und wir haben kein Depot für Exponate“, sagt Vorsitzender Jochen Hänel.

Deshalb hat das Büro „projekt2508“ in einer Machbarkeitsstudie die qualitative Weiterentwicklung des Kettenschmiedemuseums untersucht – auch mit Blick auf eine mögliche Kooperation mit dem Heimatmuseum.

Und die Studie bescheinigt dem Museum Potenzial, spricht von einem starken, emotionalen Auftritt, von einem einmaligen Ensemble und weist den Himmelmannpark als fokussierten, gut erschließbaren Erlebnisraum aus. Eine Perle also, die es zu polieren gilt. Denn es gibt auch etliche Schwächen. So sei das Museum allein schon wegen der kargen Öffnungszeiten „halbfertig“.

Räumlich ergeben sich Schwächen durch unklare Raumdefinitionen im Filmraum und zwischen Museum und Kulturschmiede sowie durch die langweilige Empfangssituation am unscheinbaren Eingang. Die Schmiedestraße bilde hingegen den starken Kern. Laut Studie fehlen 400 Quadratmeter, um das 250 m² große Museum (derzeitigen Ausstellungsfläche 180 m²) zukunftsfähig aufzustellen. Allein für Lager, Service, Büros und Technik sind zusätzliche 158 m² nötig, außerdem 220 Quadratmeter Ausstellungsfläche, 40 m² für einen Museumsshop und 80 m² für Gastronomie. (Siehe Grafik.) Das Projektbüro schlägt vor, einen Anbau mit 240 m² zur Graf-Adolf-Straße hin zu errichten, in dem Foyer, Museumspädagogik, Dauer- und Wechselausstellungen, Sanitäranlagen und Lager untergebracht werden. In einem weiteren Bau im Park, also getrennt von dem jetzigen Museum, könnten Gastronomie und Verwaltung auf etwa 160 m² Fläche Platz finden. Nicht berücksichtigt ist in der Studie die von der CDU gewünschte Ausstellung der alten Rennrad-Sammlung.

Inhaltlich fehlen Ergänzungsangebote wie eine Dauerausstellung zu den historischen Lebensumständen der Schmiedefamilien. Und da könnte das Heimatmuseum ins Spiel kommen. Laut Studie wäre eine solche „Themenverkettung“ Kette/Fabrik/Kettenschmied-Familie eine sinnvolle Ergänzung, um die technische Entwicklung mit der Kultur- und Sozialgeschichte zu verknüpfen. So fehlen laut Studie auch genauere Informationen zur Historie des Standorts. Zudem wird eine enge Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv angeregt.

Dringend empfiehlt das Projektbüro darüber hinaus, moderne Medientechnik einziehen zu lassen. So gibt es laut Hänel eine Museums-App, bei der via Bluetooth Informationen in allen möglichen Sprachen zu jedem Exponat abgerufen werden können. „Dann könnten wir uns Flyer und Audio-Guides sparen“, so Hänel.

Personell muss etwas getan werden, besagt die Studie. Wörtlich heißt es: „Unabhängig vom Betriebsmodell ist eine Anpassung im Personalbestand wichtig, da mit den überwiegend ehrenamtlichen Kräften ein erweiterter Museums- und Veranstaltungsbetrieb nicht mehr sichergestellt ist.“ Denn mit den bisher mageren Öffnungszeiten sei kaum zusätzliches Publikum zu locken. Dabei wären 25.000 Besucher im Jahr durchaus machbar, so das Projektbüro, das für den Museumsbetrieb mit 3,75 festen Personalstellen rechnet. Dazu zählen Geschäftsleitung, feste Arbeitskräfte für die Kasse und Hausmeistertätigkeiten. Zu klären sei, wie Führer und Schmiede vergütet würden.

Anders als die Studie glaubt Jochen Hänel jedoch, dass der Stellenplan auch rein ehrenamtlich zu besetzen sein könnte. „Wenn wir das für Fröndenberg machen, finden wir auch Leute, die das ehrenamtlich stemmen“, sagt er. Doch nur, wenn das Museum zukunftsfähig aufgestellt würde, seien die Leute dazu zu motivieren, meint er.

Finanziell geht das Ganze aber nicht ohne Zuschüsse der öffentlichen Hand. Einmal abgesehen von den Investitionskosten in Höhe von etwas mehr als einer Million Euro für Bau und Ausstattung, die die Studie nennt, muss der Betrieb schließlich bezahlt werden. Und während für die Baukosten möglich Fördertöpfe wie Leader und EFRE angezapft werden könnten, gibt es diese Fördermöglichkeiten für den Betrieb nicht.

Deshalb kommt das Projektbüro zu dem Schluss, das bisher kostenlose Museum müsse Eintrittsgelder einführen. 3,50 Euro für Erwachsene, 2 Euro für Schüler lautet der Vorschlag. Bei 25.000 Besuchern geht die Studie von einem durchschnittlichen Netto-Eintrittspreis von 2,57 Euro aus, was jährlich 64.252 Euro Umsatz generieren würde. Zusammen mit Einnahmen aus Museumsshop, Trauungen, Spenden und Vermietung geht das Projektbüro nach einer Anlaufzeit von zwei Jahren von Einnahmen in Höhe von jährlich 165.000 Euro aus.

Dagegen stehen die mit 109.000 Euro angesetzten Personalkosten. Zieht man auch noch die Betriebskosten ab, stehen 10.342 Euro Defizit am Ende unter der Rechnung. Das wäre die Summe, die die Stadt Fröndenberg als Zuschuss für den Museumsbetrieb in die Hand nehmen müsste. Es wäre eine Investition in die Zukunft. Denn sowohl Hänel als auch die Studie prognostizieren: Gibt es keine Entwicklung, werden die Besucherzahlen zurückgehen. Hänel geht sogar noch weiter: „Wenn wir nichts ändern, wird die alte Crew irgendwann zu alt und das Thema hat sich erledigt.“

Er wünscht sich nun einen Architektenwettbewerb, um Ideen für einen Anbau zu entwickeln und eine konkrete Kostenanalyse zu bekommen.

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