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Der Verdacht auf Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg legt seit gut sechs Wochen die Baustelle am Schmallenbach-Haus still. Der Kampfmittelräumdienst hat schon Entwarnung gegeben. Es darf aber immer noch nicht gebaut werden.

Fröndenberg

, 15.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Auf dem Gelände des Schmallenbach-Hauses soll eine neue Kindertageseinrichtung entstehen. Noch bevor die Baugrube ausgehoben werden konnte, verfügte die Bezirksregierung Arnsberg einen Baustopp: Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg konnten auf dem Baugrundstück nicht ausgeschlossen werden.

Kampfmittelräumdienst legt Baustelle am Schmallenbach-Haus wochenlang still

Heinz Fleck (l.), Geschäftsführer des Schmallenbach-Hauses, wartet täglich darauf, dass mit der Gründung für den neuen Kita-Bau begonnen werden darf. © Marcel Drawe

Sondierung erbringt nur Alteisen und eine Blitzschutzleitung

Bereits am Gründonnerstag sondierten Experten des Kampfmittelräumdienstes zwei Verdachtsstellen. Vor Ort stellte sich bei der Sondierung heraus, dass Alteisen und alte Blitzschutzleitungen im Untergrund liegen, vermutlich in grauer Vorzeit entsorgt. Eine Gefahr besteht also beim Weiterbau nicht.

»Wenn die Luftbilder Fragen aufwerfen, gibt es folgerichtig eine Detektion.«
Matthias Weischer, stellvertretender Leiter des Ordnungsamtes

Das Baugrundstück war routinemäßig auf Blindgänger untersucht worden. Bei jedem Bauantrag sei diese Überprüfung fällig, erläutert Matthias Weischer aus dem Ordnungsamt. Im Fröndenberger Rathaus könne man nur anhand einer älteren Karte Bereiche, die bei den Bombenangriffen auf die Stadt betroffen waren, grob einordnen. Viel besser ließen sich die Gebiete auf Luftbildern der Bezirksregierung Arnsberg einkreisen. „Wenn die Luftbilder Fragen aufwerfen, gibt es folgerichtig eine Detektion“, so Matthias Weischer.

Kampfmittelräumdienst legt Baustelle am Schmallenbach-Haus wochenlang still

Bei dem großen Fliegerangriff am 12. März 1945 waren auch große Teile der Firma Union in der Stadtmitte zerstört worden. Dass im Untergrund des heutigen Bruayplatzes und der Winschotener Straße noch heute Blindgänger schlummern, ist nicht völlig auszuschließen. © Stadtarchiv Fröndenberg

Im Fröndenberger Stadtarchiv gibt es ebenfalls Luftaufnahmen von Fröndenberg aus Kriegszeiten. Die Alliierten seien nach den Bombenabwürfen im Anschluss Aufklärungsflüge geflogen, um den Erfolg der Bombardierungen zu dokumentieren, weiß Stadtarchivar Jochen von Nathusius. Nach dem schweren Angriff vom 12. März 1945, als unter anderem die Marienkirche schwer beschädigt wurde, sind bei einem solchen Flug Luftbilder entstanden. Gut zu erkennen sind die vielen Bombentrichter.

Kampfmittelräumdienst legt Baustelle am Schmallenbach-Haus wochenlang still

Beim Bombenangriff auf Fröndenberg ist 1945 auch das Gebäude der damaligen Apotheke Hagen zerstört worden. © Marcus Land

Unmittelbar nach dem Krieg sind bereits durch die Besatzungsmacht sehr viele Blindgänger im Stadtgebiet ermittelt und entschärft worden. In den unbebauten Gebieten, besonders im Bereich der Ruhrwiesen, fiel das leicht. Wo aber Trümmer - etwa durch die Zerstörungen am Union-Werk - Blindgänger verschütteten, könnten noch heute „Zeitbomben“ schlummern.

Kampfmittelräumdienst legt Baustelle am Schmallenbach-Haus wochenlang still

Schlummern unter dem Marktplatz womöglich noch Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg? Die Stadt muss den Untergrund vor der Umgestaltung untersuchen lassen. © privat

Akut wird das Problem, wenn im nächsten Jahr der Marktplatz umgestaltet wird. Der gesamte Bereich des Marktes muss auf mögliche Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg untersucht werden, schließlich sind schon Bauarbeiter oder Baggerfahrer bei der Exlosion von Blindgängern ums Leben gekommen. Die Stadt muss vor dem Aushub von Boden anhand von Karten und Luftbildern potenzielle Risiken überprüfen lassen.

Die Bezirksregierung sucht immer noch nach Augenzeugen

Die Bezirksregierung frage bei den Stadtverwaltungen sogar an, ob noch Zeitzeugen existierten, die etwas über die Orte heruntergekommener Bomben aussagen können. Jochen von Nathusius hält das für wenig Erfolg versprechend. Um sich seriös erinnern zu können, müssten die Zeitzeugen im Zeitpunkt der Bombenabwürfe mindestens 13 Jahre alt gewesen sein – die Menschen gehen also heute stramm auf die 90 zu.

»Wir warten jeden Tag darauf, dass wir loslegen können.«
Heinz Fleck, Geschäftsführer des Schmallenbach-Hauses

„Wir warten jeden Tag darauf, dass wir loslegen können“, sagt ein ungeduldiger Heinz Fleck. Der Geschäftsführer des Schmallenbach-Hauses hat zwar bereits die mündliche Auskunft, dass keine Bombe aus dem Krieg auf dem Hirschberg gefunden wurde. Er braucht aber eine schriftliche Genehmigung, um weiterbauen zu dürfen. Die Gründung für die neue Kita muss in einem nächsten Schritt hergerichtet werden. Dies soll mit Eile nachgeholt werden. Den geplanten Öffnungstermin der Kita, der für Ende 2019/Anfang 2020 avisiert ist, sieht Heinz Fleck nicht gefährdet.

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