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Brände in Hafträumen der Psychiatrie, auch ein Todesfall, haben das Justizvollzugskrankenhaus vor einigen Wochen in die Schlagzeilen gebracht. Nun stehen neue Herausforderungen bevor. Ebenfalls in der Psychiatrie.

Fröndenberg

, 14.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Dem Justizvollzugskrankenhaus steht ein Umbau bevor, weil immer mehr Haftplätze für die Psychiatrie benötigt werden. Diese Patienten zu überwachen, stellt besonders hohe Anforderungen an das JVK. Das Gefängniskrankenhaus hatte bereits mit einem Rauchverbot für auffällige Psychiatriepatienten als Sofortmaßnahme auf den jüngsten Todesfall reagiert. Doch nun kommt ab November eine noch größere Herausforderung auf das Gefängniskrankenhaus am Hirschberg zu: Die Psychiatrie-Abteilung in dem Haus muss stark erweitert werden, weil in den Haftanstalten in Nordrhein-Westfalen immer mehr Insassen psychisch auffällig werden.

20 neue Akutplätze für auffällige Psychiatrie-Patienten

Das JVK Fröndenberg verfügt zurzeit über zwölf sogenannte Akutplätze in der Psychiatrie. In den Einzelzellen werden Gefangene recht isoliert untergebracht, die unter einer massiven psychischen Erkrankung leiden, also zum Beispiel einer Psychose, Panik oder Angststörungen. Klingen die akuten Symptome ab, können die Patienten auf der psychiatrischen Beobachtungsstation des JVK anschließend weiterbehandelt werden, bevor sie nach weitgehender Heilung wieder in ihre reguläre Haftanstalt zurückkehren.

Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg baut seine Psychiatrie-Station aus

Oliver Roßmeißl, stellvertretender Bereichsleiter der Psychiatrie-Abteilung im JVK, demonstriert den Umgang mit einer Versorgungsklappe. Die Klappen sind an einigen Hafträumen neu angebracht worden und dienen vor allem dem Schutz der Justizbediensteten. Zudem ist ein Rundumblick in die Zelle möglich, den ein Spion nicht bieten kann. © Marcel Drawe

Eben diese Anschlussstation wird künftig weiteren Akutplätzen weichen müssen. Entstehen sollen jeweils zehn weitere Hafträume für männliche sowie – erstmals überhaupt in NRW – für zehn weibliche Gefangene. Die Hafträume werden sämtlich durch Kameras überwacht und sollen – anders als oft noch heute – alle eine integrierte Dusche erhalten, damit ein Verlassen der Zelle für die Körperhygiene nicht mehr erforderlich sein wird, wie JVK-Verwaltungsleiter Peter Wolff erläutert.

Höchster Sicherheitsstandard von allen Haftanstalten in NRW

Mehr psychisch auffällige Straftäter im JVK – wächst damit das Sicherheitsrisiko für die Bevölkerung? Peter Wolff schüttelt den Kopf und zeigt aus seinem Bürofenster auf die Sicherheitsanlagen, die das JVK umgeben: ein fünf Meter hoher Sicherheitszaun, an dem Widerhakensperrdraht – auch als Nato-Draht bekannt – hängt, Videoüberwachung und Beleuchtung. Es müssen Maximalanforderungen erfüllt werden, weil das JVK Patienten vom Kleinkriminellen bis zum Mörder behandelt. „Wir haben hier den höchsten Sicherheitsstandard, den es in NRW gibt“, sagt Dennis Beuke. Der Fröndenberger ist Justizvollzugsbeamter im JVK und unter anderem für die Gefahrenprognose für die kranken Gefangenen zuständig.

Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg baut seine Psychiatrie-Station aus

In seltenen Fällen müssen gewalttätig gewordene Patienten im besonders gesicherten Haftraum (bgH) untergebracht werden – unabhängig davon, ob sie wegen einer psychiatrischen oder sonstigen Erkrankung nach Fröndenberg kommen. © Marcel Drawe

Vor der Einlieferung in das JVK fragt er in einer Datenbank ab, ob der Patient sich in seiner Haftanstalt auffällig verhalten hat, Drogen konsumiert oder mit anderen Gefangenen aneinandergeraten ist. Nach dieser Analyse wird entschieden: Reicht ein normaler Haftraum oder ist eine verstärkte Sicherung notwendig? Peter Wolff hat bereits den Umbau des früheren Städtischen Krankenhauses von 1984 bis 1986 begleitet. Von anfänglichen Protesten und Bedenken der Leute sei nicht viel übrig geblieben. „Es haben sogar immer mehr Menschen in die Nähe des JVK ein Haus gebaut“, weiß der 61-Jährige.

Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg baut seine Psychiatrie-Station aus

Sicherheit spielt im JVK naturgemäß eine große Rolle: Ein Teil der Schutzausrüstung, die bei besonders aggressiven Patienten zum Einsatz kommt. © Marcel Drawe

Noch bei Eröffnung des JVK im November 1986 gab es keine eigene Psychiatrie-Abteilung. Heute seien die später eingerichteten Psychiatrieplätze nahezu ständig belegt; nur in dieser Woche war nach langer Zeit eine Zelle kurzzeitig frei.

Den hohen Bedarf beobachte man schon seit vielen Jahren, während Psychiatrie im Strafvollzug früher noch kaum thematisiert wurde. Die Justizvollzugsanstalten seien mit der Behandlung von Psychiatriefällen aber überfordert. Daher entschloss sich das Justizministerium zum Ausbau der Fröndenberger Haftplätze.

Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg baut seine Psychiatrie-Station aus

Markus Artmann (li.), stellvertretender Verwaltungsleiter, und Verwaltungsleiter Peter Wolff sind für die administrativen Angelegenheiten des JVJ zuständig. © Marcel Drawe

„Nicht wenige Gefangene fallen außerdem dadurch auf, dass sie psychisch labil sind oder an psychiatrischen Vorerkrankungen leiden. Bei ihnen hat der Konsum synthetischer Drogen die Persönlichkeit verändert und führt zu aggressivem Verhalten und behandlungsbedürftigen Psychosen und Neurosen“, hatte NRW-Justizminister Peter Biesenbach bereits im vergangenen Jahr festgestellt. Die Haftanstalten werden sich in Zukunft allerdings um die Anschlussbehandlung der Psychiatriepatienten selbst kümmern und hiermit Psychiater oder Psychotherapeuten beauftragen müssen, weil diese medizinische Anschlussbetreuung im JVK dann nicht mehr möglich sein wird.

230 Betten

JVK platzt aus allen Nähten

  • Rund 14 Monate Bauzeit veranschlagt der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW für den Umbau der Psychiatrie-Abteilung im JVK. Das Kostenvolumen wird derzeit noch genau errechnet.
  • Das 230-Betten-Haus stößt auf allen Abteilungen an seine Kapazitätsgrenzen. Dies bereits bei aktuell 150 Patienten, weil die Zwei-Bett-Zimmer aus Schutzgründen meistens nur mit einem Kranken belegt werden können.
  • Zu den 315 eigenen Beschäftigten des JVK, darunter hauptsächlich Justizvollzugsbedienstete, Ärzte und Pflegepersonal, kommen circa 85 Mitarbeiter, die zum Beispiel von der Hans-Prinzhorn-Klinik in Hemer für die Psychiatrie abgestellt werden.

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