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Doppelt mähen hält besser: Nach der Sense rücken jetzt auch Schafe dem Riesenbärenklau an der Ruhr in Langschede zu Leibe. Vorausgegangen ist eine Art Jointventure zwischen dem Land NRW, einem Landwirt und einem Schäfer.

Fröndenberg

, 23.07.2018 / Lesedauer: 4 min

Der Riesenbärenklau liegt auf dem Boden, die Sicht auf die Ruhr ist frei: Ganze Arbeit verrichteten am Montagvormittag Mitarbeiter des Dezernats Wasserwirtschaft der Bezirksregierung Arnsberg in Langschede. Die Landesbehörde machte ihr Versprechen wahr und rückte dem gefährlichen Gewächs mit der Teleskopsäge zu Leibe. Auf mehreren hundert Metern auf Höhe des Langscheder Sportplatzes ist die Herkulesstaude, die stellenweise mehr als zwei Meter hoch gewachsen war, heruntergeschnitten worden. Sichtbar ist nun, warum die Staude zu ihrem Namen kam: Faustgroße Wurzelknollen zeigen sich an der Oberfläche. Die Wurzeln ausgegraben haben die Mitarbeiter aus der Nebenstelle Lippstadt jedoch nicht; diesen viel größeren Aufwand könne man mit dem Grünpflegeteam nicht leisten, hatte Alfred Volkmer, Landschaftspfleger bei der Bezirksregierung, im Gespräch mit unserer Zeitung bereits angekündigt.

Ein Schäfer aus Wickede rückt mit 30 Tieren an

Dafür hatte Friedrich Westhelle am Montag eine weitere gute Nachricht: Der Landwirt aus Altendorf, der am Ruhrufer in Langschede Flächen vom Land pachtet, hat mit Christof May aus Wickede eine Beweidung des Ruhrufers ausgehandelt. Der Schäfer will schon Ende dieser Woche einen Teil seiner Herde auf dem Grünstreifen zwischen Ruhr und Ruhrtalradweg grasen lassen. Die Schafe sollen den nachwachsenden Riesenbärenklau klein halten. Und zwar langfristig. Nutzungsverträge des Landes mit Schäfern oder anderen Bewirtschaftern sind nicht unüblich: Auf diese Weise wird Naturpflege betrieben und soll ein offener Landschaftsraum gewährleistet werden. „Christof May hat sofort zugestimmt“, sagte Friedrich Westhelle erfreut, „und rückt Ende der Woche mit 30 Schafen an.“

Das Leittier geht voran und trampelt eine Schneise frei

Die vorherige maschinelle Mahd mache es den Tieren nun etwas einfacher. Die Schafe machen mit den verbliebenden Strünken Tabula rasa: Oft gehe ein Leittier voran und trete die Pflanze nieder, sodass die Herde an das begehrte Grün gelangen kann. Allerdings könne das Gelände zum Ruhrtalradweg hin nicht eingezäunt werden. Daher werden Hundehalter dringend gebeten, ihre Hunde auf dem Abschnitt anzuleinen. Schafe könnten durchaus in Panik geraten und schlimmstenfalls in die Ruhr fallen. „Das ist mein Appell“, so Friedrich Westhelle. Alle Verantwortlichen hätten sich nun zügig dafür eingesetzt, dass am Ruhrufer etwas passiert. Jetzt müsse man auch an das Wohl des Schäfers und das seiner Tiere denken. Sicherheitshalber werden die Schafe in den Abendstunden wieder vom Ruhrufer weggetrieben.

Wasser der Ruhr ist vom Radweg aus wieder erkennbar

Nicht nur die potenziellen Gefahren durch die Pflanze werden nun eingedämmt. Auch das Wasser der Ruhr ist vom Radweg in Langschede aus nun wieder zu sehen – auch wenn andere Stimmen betonen, dass es sich um den Ruhrtalradweg und nicht den Ruhrradweg weg handele. Viele Langscheder hatten sich über den gewaltigen Wuchs der Staude in der Redaktion unserer Zeitung auch aus diesem Grund beklagt. FWG-Ratsherr Peter Radzko hatte das Problem gar zu Protokoll einer Ratssitzung gegeben. Nach einem Hinweis unserer Zeitung an die Bezirksregierung war es vor zehn Tagen zu einem Orts- und Pressetermin am Ruhrufer in Langschede gekommen.

Angelsportverein Langschede klärt Kinder über Gefahren am Wasser auf

Für die Landschaftspflege und den Naturschutz setzen sich auch die Angler des ASV Langschede ein. Das Thema Riesenbärenklau spielte noch jüngst beim Kinder- und Jugendangeln des ASV eine wichtige Rolle. „Wir klären immer über die gefährlichen Pflanzen am Wasser auf“, erläuterte Sascha Pasternak im Gespräch mit unserer Zeitung. Auch am Sonntag auf der Halinger Seite der Ruhr gab es eine allgemeine Einführung für die Kinder von sieben bis 15 Jahre. Dass man die haarigen Stengel der Herkulesstaude nicht anfassen darf, lernen die Kinder ebenso wie Anzeichen für starken Algenwuchs in der Ruhr.

Jointventure mit Schafen am Ruhrufer in Langschede

Kinderangeln beim ASV Langschede. © Marcel Drawe

Die Nachwuchsangler zeigten sich schon sehr gut informiert. Bei einem Quiz erkannten einige Kinder fast alle der gezeigten Fische. „Das ist schon bemerkenswert“, findet Sascha Pasternak. Auch die Esche als geschützter Fisch ist vielen Kindern schon ein Begriff. „Bei uns lernen sie, dass man die Esche nicht beangeln darf und ins Wasser zurückwerfen muss.“ Neben dem Naturschutz wird beim ASV Langschede auch der Umweltschutz groß geschrieben: Der Angelplatz wird immer sauber hinterlassen. „Die Kinder haben auch über den Angelplatz hinaus noch viel mehr Müll aufgesammelt“, berichtete ein stolzer Sascha Pasternak.

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