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Fröndenbergerin will den verflixten siebten Monat überstehen

Existenzgründung

Der Traum von der Selbstständigkeit: Claudia Meier hat ihn sich erfüllt. Ohne Gründungsberaterin Silke Höhne hätte die 53-Jährige den Sprung aber wohl nicht geschafft. Sie weiß auch, was es mit dem verflixten siebten Monat auf sich hat.

Fröndenberg

, 29.06.2018 / Lesedauer: 4 min
Fröndenbergerin will den verflixten siebten Monat überstehen

Gründung eines Unternehmens © Milton Oswald - stock.adobe.com

Die Arbeitswelt ist im Wandel. Fallen traditionelle Jobs weg, droht Arbeitslosigkeit oder Mobilität ist gefragt. Immer mehr Berufsaussteiger melden sich bei Silke Höhne und Sylke Schaffrin-Runkel, von der WFG Kreis Unna: Sie beraten Existenzgründer.

Einmal im Monat bietet die Gründungsberaterin Sprechstunden im Fröndenberger Rathaus an. Es kommen mittlerweile häufig Menschen, die nach 25 oder 30 Jahren den Absprung aus einer Anstellung wagen wollen, um sich auf eigene Füße zu stellen. „Es gibt heute viel mehr bewegte Biographien“, sagt Silke Höhne, „es ist heute nicht mehr so wie z. B. bei meinem Vater, der 45 Jahre als Elektromeister in seinem Beruf gearbeitet hat.“

Viele Arbeitnehmer haben eine Sinnkrise und machen sich selbstständig

Es gibt viele Gründe für diese Lebensläufe. „Die Jobs verändern sich, Arbeit verdichtet sich. Was früher vier gemacht haben, machen heute zwei. Viele bekommen dann eine Sinnkrise“, weiß Silke Höhne. Oder die Wege zur Arbeit werden weiter. „Wenn der Weg von Fröndenberg zur Arbeitsstelle nach Dortmund noch okay war, bis Herne aber vielleicht nicht“, hören die Beraterinnen in ihren Beratungsgesprächen oft. Und dann gibt es die, die eine Familie gegründet, das Haus oder die Eigentumswohnung abbezahlt haben – und beruflich noch einmal neu anfangen wollen. Silke Höhne: „Heraus aus der Tretmühle und ihr erworbenes Know-how mit einer Geschäftsidee weitergeben.“

Ein gutes Beispiel dafür ist Claudia Meier. Am 1. April hat sie am Bruayplatz eine Boutique eröffnet. Die gelernte Rechtsanwalts- und Notargehilfin wagte mit 53 Jahren den Sprung in die Selbstständigkeit. „Ich habe es nicht bereut“, sagt die Fröndenbergerin. Ihren Traum verwirklichte sie innerhalb von neun Monaten: CM-Style Mode & Mehr – „ihr Baby“.

„Jetzt oder nie“, sprach ihr Mann ihr Mut zu

Zum Jahresende 2017 wurde ihr gekündigt. Claudia Meier ging in sich, besprach sich mit ihrem Mann: Ist das nicht die Gelegenheit, ein Geschäft zu eröffnen, seine eigene Chefin zu werden? Die Idee war geboren. Aber: „Hat das Hand und Fuß?“, fragte sich die Frau im besten Alter, die in den letzten sieben Jahren als „Mädchen für alles“ bei einer Firma für Schmuckdesign gearbeitet hatte. In ihrem Mann hatte sie ihren größten Unterstützer: „Jetzt oder nie!“, riet er ihr. Das war im vergangenen Herbst, in diesem Moment kam Silke Höhne, als Gründungsberaterin, ins Spiel.

Als Ansprechpartnerin für Existenzgründung, ein Service des bei der Wirtschaftsförderung Kreis Unna (WFG) angesiedelte Startercenter NRW Kreis Unna, konnte sie Claudia Meier beim ersten Gespräch einen ersten Pluspunkt bescheinigen. „Die Unterstützung aus der Familie ist sehr wichtig“, weiß die zertifizierte Beraterin. Stehe das familiäre Umfeld nicht erkennbar hinter den Plänen für eine Selbstständigkeit, rate sie ab.

Die erste gute Nachricht: Die Arbeitsagentur bewilligt den Gründerzuschuss

Mit Claudia Meier konnte Silke Höhne das Prozedere von der Geschäftsidee bis zum eigenen Laden hingegen routiniert durchspielen: Dass es eine Boutique für Damenmode sein sollte – so viel war sicher. Doch gibt es in Fröndenberg dafür eine Marktlücke? Wo liegen die Kundenströme? Welches Ladenlokal liegt ideal? Nicht zuletzt: Wie wird das Ganze finanziert?

Zusammen erarbeiteten die beiden Frauen einen Business- und Investitionsplan. Danach kam die erste gute Nachricht: Die Arbeitsagentur bewilligte den Gründerzuschuss. „Die Existenz war gesichert“, erinnert sich Claudia Meier. Sie besuchte ein Gründerseminar der Industrie- und Handelskammer Dortmund, in dem sie fit gemacht wurde in steuerrechtlichen Fragen, im Marketing und für eventuelle Kreditaufnahmen bei Banken. „Das geschieht zum Schutz der Gründer“, betont Silke Höhne.

Sie stellte sich in die Innenstadt und zählte die Kunden

So weit die theoretischen Grundlagen – ganz praktisch wurde es auch noch: An einem Samstag postierte sich Claudia Meier an verschiedenen Stellen in der Innenstadt und führte eine Strichliste: Damit fand sie heraus, wo die Laufkundschaft am stärksten vorbeiströmt. Silke Höhne rät ihren Klienten auch schon einmal, sich schlicht in die Fußgängerzone zu stellen und eine Umfrage bei Passanten zu machen: Was fehlt am Ort? „Die Tipps waren alle Gold wert“, dankt Meier ihrer Beraterin.

Denn damit war der Standort für ihr Geschäft schnell klar: Am Bruayplatz sollte es sein. Sie nahm Kontakt zur Fröndenberger Wirtschaftsförderin Anna Wehrmann auf, die ihr leer stehende Ladenlokale und die Kontakte zu Eigentümern vermittelte. In einer ehemaligen Pizzeria fand sie ihr perfektes Domizil.

Viele schlaflose Nächte – „Aber jetzt bin ich total zufrieden“

Die ersten drei Monate in ihrem Geschäft sind gut angelaufen. Sie hört auf Kundenwünsche, erweiterte ihr Sortiment schon um Damenschuhe. Auch so ein Tipp von Silke Höhne. „Gründer sind flexibel – da sind die Kleinen klar im Vorteil“, weiß sie.

Sicherlich kommen auch magere Zeiten, verzagen solle man nicht. „Liebes Unternehmen, bleib dran, überstehe das erste Jahr mit dem Finanzamt, das zweite mit der Krankenkasse – und im dritten habt ihr es dann geschafft“, wiederholt die Gründungsberaterin eine Formel – dennoch springen viele auch vorher ab.

Trotz aller Bürokratie, der aufwändigen Renovierung des Ladens in Eigenleistung und vieler schlafloser Nächte: Claudia Meiers heutiger Beruf erfüllt sie viel mehr als früher. „Früher habe ich oft über den Chef gemeckert, wenn ich abends nach Hause gekommen bin. Heute treffe ich meine eigenen Entscheidungen – ich bin total zufrieden.“

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