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Fröndenberger Siedler-Chef bereitet seinen Abschied vor

dzSiedlergemeinschaft Springstraße

Wenn Gerhard Weigel im kommenden Jahr den Vorsitz der Siedlergemeinschaft Springstraße aufgibt, dann endet in deren 70. Jahr eine Ära. Ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht.

Fröndenberg

, 10.07.2018 / Lesedauer: 3 min

So mancher mag den großgewachsenen, stämmigen Mann vom Mühlenberg schon unterschätzt haben, kommt er doch oft von Höcksken auf Stöcksken, wenn er redet. Doch wenn der 73-Jährige Ungerechtigkeiten sieht oder die Möglichkeit, das Wohnumfeld der Mitglieder der Siedlergemeinschaft zu verbessern, dann beißt er sich fest. Oft mit Erfolg.

Doch der Reihe nach: 1997 war‘s, als Gerhard Weigel sich vom damaligen Vorsitzenden Dietrich Dettmann überreden ließ, den Vorsitz der Siedlergemeinschaft Springstraße zu übernehmen. Dettmann und Weigel waren befreundet und Dettmann wusste: In Gerhard Weigel würde er einen streitbaren Nachfolger haben. Schließlich hatte sich Weigel zuvor nicht nur als Vorsitzender der Bürgerinitiative Mühlenberg (BiM), sondern auch als Vize-Vorsitzender der Schulpflegschaft der Gesamtschule für die Belange der Fröndenberger eingesetzt.

Viele Projekte angestoßen

Vom Bau des Treffpunkts Windmühle über die geschickte Verhinderung einer Inertstoffdeponie in der Ruhrstadt bis hin zur neuen Klima-Technik für die Gesamtschule – der Mann vom Mühlenberg hatte Biss und erreichte nicht selten seine Ziele, zettelte 1985 auch schon mal eine Demo an.

„Ich habe Dettmann allerdings zwei Jahre lang hängenlassen. Denn ich wusste, wenn ich das mache, dann richtig und mit vollem Engagement“, erinnert sich Weigel, der seit 1994 Mitglied der Siedlergemeinschaft ist und diese schließlich drei Jahre danach mit damals 79 Siedlerfamilien übernahm. „Damals kamen die Mitglieder vor allem aus dem Bereich Springstraße, Birken- und Fichtenweg und den Straßen drumherum. Das ist heute anders“, sagt Weigel. Denn die mittlerweile 336 Siedlerfamilien kommen aus allen möglichen Ortsteilen Fröndenbergs. Bis Hohenheide, die Palzdörfer und Westick erstreckt sich heute das Einzugsgebiet.

Denn die Mitglieder wissen: Gibt es Ungerechtigkeiten, Siedler-Chef Gerhard Weigel mischt sich ein. „Von Anfang an habe ich mich bei den Abgabenbescheiden der Stadt eingebracht. Ich rechne da auch schon mal nach“, sagt Weigel und lüpft eine seine üppigen Augenbrauen. Er hat auch schon mal einen langwierigen Prozess gegen die Verwaltung gewonnen. Worum es da ging? „Schnee von gestern“, winkt Weigel ab. Viel lieber berichtet er von der Abschaffung des Bigge-Pfennigs zum 1. Januar 2010, für die er sich eingesetzt hat, indem er zum Ruhrverband stiefelte und eine klagefähige Satzung verlangte, um den Verband zu verklagen. „Viele andere haben an der Abschaffung natürlich auch mitgewirkt, aber ob die so gefährlich waren wie ich, weiß ich nicht“, schmunzelt Gerhard Weigel.

Viele Ausflüge

Er erzählt auch gern von den vielen tollen Ausflügen, die er mit der Siedlergemeinschaft unternommen hat. Da ging es nach Bad Driburg, ins Grenzlandmuseum nach Bad Soden-Allendorf, ins Römerlager Xanten, zur Hemeraner Gartenschau, zur Wartburg oder wie dieses Jahr nach Franken.

Als Gerd Weigel 1999 nicht mehr arbeiten musste, organisierte er außerdem Fahrten für den Nachwuchs im Rahmen des Ferienspaßes. Als vierfacher Vater und ausgestattet mit einer sehr kinderlieben Ehefrau, wurden diese Fahrten ihm schnell ein Herzensanliegen.

Um unabhängig vom Siedlerverband Spendengelder verwenden zu können, trieb Gerhard Weigel die Eintragung der Siedlergemeinschaft als Verein voran. 2007 war es dann so weit, ein Jahr später folgte die Anerkennung der Gemeinnützigkeit.

Und dann nahm auch schon die Diskussion um die dichten Kanäle des Siedlers Tatkraft in Anspruch. Gerhard Weigel fürchtete vor allem um die Senioren, die eine teure Kanalsanierung in den gesetzten Fristen nicht finanzieren könnten und bot der Stadt die Stirn. Eine Fristverlängerung hat er erreicht. Und mit einer Bürgerversammlung 2010 dafür gesorgt, dass die Hausbesitzer gut informiert wurden.

Immer wieder auch hat Gerhard Weigel die Nerven der Rathaus-Mitarbeiter strapaziert, wenn es um das leidige Thema Grundsteuer ging. Aber wenn es galt, sich für die Allgemeinheit einzusetzen, scheute der Siedler-Chef nie die Auseinandersetzung.

Kein Wunder, dass sein Büro im Keller seines Eigenheims im Lindenweg vollgestopft ist mit Aktenordnern. „Ich bin seit Jahren dabei aufzuräumen“, lacht er.

Mit fast 74 Jahren und angeschlagener Gesundheit bereitet Gerhard Weigel nun seinen Rückzug vor. Bei der Jahreshauptversammlung der Siedlergemeinschaft am Mittwoch, 11. Juli, um 18 Uhr im Franz-Stock-Haus wird er seinen Amtsrücktritt im kommenden Jahr ankündigen. Weigels Hoffnung ist, bei der Versammlung einen Beisitzer zu finden, der sich in dem verbleibenden Jahr von Weigels Amtszeit in die Materie einarbeitet und dann 2019 den Vorsitz übernimmt. Das Fest zum 70-jährigen Bestehen der 1949 gegründeten Siedlergemeinschaft will Weigel allerdings noch selbst durchführen – auch wenn er bis jetzt noch keine Idee hat, wo gefeiert werden könnte.
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