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Raserstrecke, Nadelöhr im Berufsverkehr, Lkw-Route – die B233 ist in Strickherdicke heute eher verschrien als beliebt. Das war einmal ganz anders.

Fröndenberg

, 26.07.2018 / Lesedauer: 3 min

Über die Straße kommt man hier nicht mal eben so. Die einstige Lebensader ist heute mehr Verkehrsader. Und irgendwie ja auch ein Politikum. Im Norden die Wilhelmshöhe mit dem ewigen Kampf um den Kreisel. In der Mitte das hoch umstrittene Schürenfeld, das als Gewerbegebiet noch mehr Brummis auf die Straße bringen könnte. Und aus dem Süden droht vom neuen Industriegebiet Hämmer II ein weiterer Verkehrsstrom gen Autobahn.

Schon seit den 1920er-Jahren wurde es in Strickherdicke lebhaft, als die gepflasterte Chaussee von Unna bis Langschede angelegt wurde. Da verlief der wichtige Transportweg von Unna zur Ruhr, vor allem für das Salz aus der Saline Königsborn zur Verschiffung ab Langschede, noch parallel zur Chaussee, über den heutigen Alten Weg.

Strickherdicke konnte sich vor Nahversorgern kaum retten

Auf der Chaussee konnte derweil flaniert werden, nach und nach siedelten sich Nahversorger an. „Das war eine richtige Geschäftsstraße“, sagt Hans Peter Reeske. Der gebürtige Dortmunder lebt seit fünf Jahrzehnten im Dorf – und fühlt sich heute wie ein Strickherdicker. Zwei Pole, zwischen denen sich das Treiben abspielte, gab es, zugleich Heim für die Großvereine des Dorfes: oben die heutige Wilhelmshöhe mit dem Schützenheim, unten das Haus Hölscher mit dem Gesangverein Niegedacht und dem Turnverein Germania 1911. „Man kann sich heute nicht mehr vorstellen, wie viele Mitglieder die damals hatten“, staunt Reeske.

Fluch und Segen einer Chaussee in Fröndenberg

Das frühere Warenhaus und Restaurant Gustav Stein an der Chaussee in Strickherdicke, heutiger Kiosk an der B 233. © privat

Und die Leute wurden gut versorgt: drei Herrenschneider, ein Damenschneider, drei Schuster, zwei Lebensmittelläden, zwei Milchhändler, drei Wirtschaften, daneben Schreiner, Stellenmacher und Kettenschmieden. Dennoch waren es kaum 500 Seelen, die damals im Ort lebten. Und trotzdem diese Vielfalt? „Knechte, Mägde, die eigenen Kinder – sie mussten ja alle bekleidet werden“, erklärt sich Hans Peter Reeske etwa den Überfluss an Schneidereien. Und Schuster arbeiteten damals noch häufig als Sattler – Pferde gab es damals schon viele in Strickherdicke.

Die Blütezeit ging nach 1945 bald zu Ende: Kaninchenfutter gab es noch

Die Blütezeit der Chaussee ging nach dem Zweiten Weltkrieg allmählich zu Ende. Kaninchenfutter, Taubenfutter und Öl habe man da gerade noch in Strickherdicke bekommen. Die Mobilität, und da sind wir wieder bei der bald danach zur Bundesstraße ausgebauten heutigen Unnaer Straße, ist Fluch und Segen für Strickherdicke. „In den 1960er und 1970er- Jahren gab es massive Zuzüge“, weiß Annette Reeske, die selbst mit ihren Eltern als Kleinkind herzog. „Es ist ein Schlafdorf geworden“, weiß die heutige Ortsheimatpflegerin. Als Sechsjährige haben ihre Eltern sie wie selbstverständlich allein die Straßenseite wechseln lassen – heute wohl undenkbar.

Das Dorf ist heute ein beliebter Freizeitort und Wohnplatz

Der Ortsteil ist wegen seiner Landschaft und Pferdehöfe als Freizeitort beliebt, aber auch als Wohnplatz. Die Fernstraßen und damit die Ruhrgebietsmetropolen, die Einkaufsstädte und Arbeitsstätten sind schnell zu erreichen. Über die B233, die heute Zubringer zur A44 ist – von der Chaussee ist schon längst nichts mehr zu spüren.

Doch – der Kiosk. Ihn beherbergt ein traditionsreiches Gebäude: das des alten Warenhauses Gustav Stein. Warenhäuser lassen sich von Strickherdicke aus immer noch schnell erreichen: über die B233 nach Unna.

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