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Der Fröndenberger Lunapark gerät in Vergessenheit

dzGrünanlagen

Wo sich im Lunapark einst Verliebte im Mondschein trafen, gibt‘s heute nur noch Graffiti und vereinzelt Spaziergänger mit Hund. Die Fröndenberger Verwaltung plant, den Himmelmannpark noch attraktiver zu gestalten.

Fröndenberg

, 02.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Unter dem dichten Blätterdach im Lunapark, der in Karten auch heute noch als Volkspark eingetragen ist, ist es in diesem Tagen herrlich kühl. Über kleine Wege können Besucher von der Sonne geschützt spazieren gehen und bekommt nichts von der Stadt, unterhalb des Mühlenbergs, mit. Nur Vogelgezwitscher ist zu hören. Zugegeben, wer diese Abgeschiedenheit genießen möchte, muss gut zu Fuß sein. Mit dem Rollator etwa sollten Fröndenberger keinen Spaziergang durch das kleine Wäldchen wagen.

Doch bis auf vereinzelte Bürger, die den Park als Abkürzung oder zum Gassi gehen mit ihren Vierbeinern nutzen, ist der Lunapark gähnend leer. Ein idealer Ort ganz offensichtlich also auch für Jugendliche und mutmaßliche jung Gebliebene, die hier weitestgehend ungestört im Schutz des dichten Grüns Graffiti sprayen.

Gesehen werden

Kaum zu glauben, dass in der Ende des 19 Jahrhunderts als Volkspark konzipierten Anlage tagsüber einst sehen und gesehen werden die Devise war. Für die Bewohner der ersten Mietshäuser, die im Zuge der Kettenfabrik Prünte entstanden, bot der Park Gelegenheit, Zeit außerhalb der eigenen vier Wände in der Natur zu verbringen. Wer etwas auf sich hielt, ging entweder im Volks- beziehungsweise Lunapark oder auch am Ruhrufer spazieren.

Das kleine Wälchen wurde damals angelegt, um die Fläche rund um den 1897 erbauten Wasserhochbehälter, der sich auch heute noch im Lunapark befindet, vor Wohnbebauung und landwirtschaftlicher Nutzung zu schützen.

Stadtarchivar Jochen von Nathusius vermutet, dass der Name Lunapark schon von Anbeginn bei den Bürgern der Stadt kursierte und sich schnell verfestigt hat: Lateinisch bedeutet Luna Mond und bei dem Park soll es sich um ein „im Mondenschein lauer Sommernächte besonders romantisches Plätzchen für Spaziergänger, Liebespaare und solche, die es werden wollten“, gehandelt haben. Überliefert ist, dass es Anfang des 20. Jahrhunderts sogar einen Parkwächter gab, der die Liebenden, wenn es Nacht wurde, aus der Anlage vertreiben sollte. Den Wächter auszutricksen soll eine Art Volkssport unter den jungen Fröndenbergern gewesen sein, weiß der Stadtarchivar zu berichten.

Dass der Park also einst zum Flanieren genutzt wurde „kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen“, muss selbst Jochen von Nathusius mit Blick auf den Park heute sagen.

Namensdiskussion 2010

Ob er nun Volkspark heißen soll, wie er ursprünglich genannt wurde, oder Lunapark, wie ihn die Fröndenberger kennen, war die letzte öffentliche Diskussion, die der langjährige CDU-Politiker und ehemalige stellvertretende Bürgermeister Josef Schmidt im Jahr 2010 entfachte.

Während ein Schild den Eingang des Lunaparks markiert, ist es in den vergangenen Jahren immer ruhiger um das kleine Wäldchen geworden.

Ob Discgolf-Anlage im Hindenburghain oder Blühstreifen für den Himmelmannpark. Die Stadtverwaltung hat in den vergangenen Jahren Wert darauf gelegt, den Freizeitwert der Grünanlagen zu steigern. Das Engagement im Lunapark beschränkt sich aktuell auf Bänke, Mülleimer und einen Spender für Hundekottüten. Darüber, ob der Lunapark in Zukunft noch einmal optimiert werden soll, hat die Verwaltung auf Anfrage bisher keine Auskunft gegeben. Vorbei ist im Lunapark die Zeit der Seitenbeete, Wege und idyllischen Rondells, die historischen Quellen nach einen schönen Blick ins tieferliegende Dorf und Fernsicht gestatteten. Die Stadt konzentriert sich derweil vor allem auf den Himmelmannpark, der im Stadtzentrum liegt und auch von vielen Radtouristen wahrgenommen wird. Bis zum Jahr 2027 soll der Himmelmannpark flott gemacht werden für die Internationale Gartenausstellung IGA. Die Stadt bewirbt sich für den Wettbewerb „Unsere Gärten“, bei dem grüne Freiraumprojekte der Region als Präsentationsstandort für die IGA 2027 erarbeitet und gefördert werden. In diesem Rahmen könnte etwa die Flutmulde zu einem erlebbaren Gewässer gemacht werden. Als wichtigste Achse im Park soll ein Pfad von Ketten- und Kulturschmiede zur Ruhr ausgebaut werden. So soll Fröndenberg groß rauskommen. Bauamtsleiter Martin Kramme erhofft sich durch die Teilnahme internationale Gäste in der Stadt. Also werden sich die letzten Liebhaber des Lunaparks wohl erst einmal hinten anstellen müssen.
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