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Berufspendler und BVB-Fans, die von Fröndenberg nach Dortmund fahren, greifen tief in die Tasche: Weil der VRR hinter der Ruhrgebietsmetropole endet, müssen Bahnfahrer das Westfalenticket erwerben. Doch es gibt Hilfe.

Fröndenberg

, 15.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Wer in den an Dortmund direkt angrenzenden Kommunen wohnt, darf sich glücklich schätzen: Auspendler aus Schwerte, Holzwickede, Unna, Kamen und Lünen leben in einer Übergangszone und bezahlen den VRR-Tarif. Fröndenberg bleibt außen vor. Berufspendler müssen im Westfalentarif deutlich mehr berappen, obwohl die Entfernungen nur geringfügig größer sind.

Günstiges VRR-Jobticket gilt für Auspendler nicht ab Fröndenberg

Dr. Stefan Klemp ärgert sich schon lange über vermeintlich willkürlich gezogene Tarifgrenzen. Das günstige VRR-Jobticket, so Klemp, gelte bedauerlicher Weise für Fröndenberger nicht, weil die Stadt nicht dem VRR-Gebiet angehört. Daher werden Zusatztickets bis Unna oder Schwerte im Westfalentarif fällig.

Bahnfahren in das VRR-Gebiet bleibt für Pendler aus Fröndenberg eine teure Angelegenheit

Der Bahnhof Fröndenberg ist vor vier Jahren modernisiert worden. Auf ein modernes Tarifsystem, das nicht an Stadtgrenzen Halt macht, warten Fahrgäste in Nordrhein-Westfalen allerdings weiterhin. © Dirk Becker

Nicht nur Pendler bekommen die Zonenproblematik zu spüren, weiß der Fröndenberger. „Das wissen leidgeprüfte Fußballfans aller Bundesligavereine. Wer ab Fröndenberg mit der Bahn zu Spielen nach Dortmund, Schalke oder Bochum reisen möchte, kann nicht einfach mit seiner Eintrittskarte in den Zug steigen“, so Klemp. Denn die Tickets der Vereine sind gleichzeitig Fahrscheine – allerdings nur innerhalb des VRR.

«Als Pendler versuche ich also, von Fröndenberg möglichst schnell und günstig zum VRR zu kommen, oder ich ziehe gleich in einen Ort, der zum VRR gehört.»
Dr. Stefan Klemp, ÖPNV-Nutzer

Für Dr. Stefan Klemp ist der ÖPNV-Tarif eindeutig auch ein Standortfaktor: „Als Pendler versuche ich also, von Fröndenberg möglichst schnell und günstig zum VRR zu kommen, oder ich ziehe gleich in einen Ort, der zum VRR gehört.“

Wenn Fröndenberg Gäste von Großveranstaltungen in Dortmund, wie demnächst dem Evangelischen Kirchentag, beherbergen möchte und attraktiv für Familien, Pendler, Touristen und Fußballfans sein wolle, sollte die Stadt etwas tun.

Bahnfahren in das VRR-Gebiet bleibt für Pendler aus Fröndenberg eine teure Angelegenheit

Mehr als 1000 Auspendler aus Fröndenberg, über Schiene oder Straße, arbeiten in Dortmund, das im VRR-Tarifgebiet liegt. Für eine Bahnfahrt wird dann ein Zusatzticket nötig. Oder man nimmt das Auto. © Marcel Drawe

Eine Anfrage der CDU-Fraktion nach den Kosten schreckte ab

Im Jahr 2011 fragte die Fröndenberger CDU-Fraktion bei der Verwaltung an, welche Kosten der Stadt bei einem Beitritt zum VRR-Tarifgebiet entstünden. Die Antwort damals war so unbefriedigend wie abschreckend: Im Jahr 2000 sei allein für den Schienenverkehr, also ohne Buslinien, mindestens eine Summe von 1 Million D-Mark im Jahr geschätzt worden. „Vor dem Hintergrund der Haushaltssituation gab es dazu keine politische Initiative mehr“, erinnert sich Heinz-Günter Freck, Beigeordneter der Stadt. Den ÖPNV als Standortfaktor für Zuzugswillige will Freck nicht in Abrede stellen, aber: „Wer strategisch an so etwas herangeht, wird auch seine Erwerbskosten mit in die Kalkulation einbeziehen.“

Günter Bremerich, Vorsitzender des Ausschusses für Kreisentwicklung und Mobilität, weiß von der kürzlichen Initiative aus dem politischen Raum in Selm, „die Stadt in den Übergangskragen des VRR aufzunehmen“. Die Kreisverwaltung habe in Selm darüber informiert, welche Kosten auf die Stadt zukämen. Nach Ansicht Bremerichs ist der Kostenbeitrag so groß, dass ein geschlossener Beitritt des Kreises Unna zum VRR bereits in der Vergangenheit „ganz bewusst“ abgelehnt worden sei. Günter Bremerich: „Das ist derzeit kein Thema in der Kreispolitik.“ Den Frust von Berufspendlern könne er nachvollziehen, „aber ich vertrete nicht nur Pendler, sondern die Gesamtbevölkerung“.

«Das ist eine Sollbruchstelle im Tarifsystem, die wir schon immer hatten.»
Uli Beele, Pressesprecher des ZRL

„Das ist eine Sollbruchstelle im Tarifsystem, die wir schon immer hatten“, sagt Uli Beele. Im Fall von Holzwickede, Schwerte, Lünen, Unna und Kamen würden auch die Pendlerströme in das Oberzentrum Dortmund berücksichtigt, sodass dort die Übergangszone gelte, erläutert der Pressesprecher des Zweckverbands Ruhr-Lippe. Günstigere Preise im VRR erklärten sich auch daraus, dass die Kommunen sie dort zusätzlich mitfinanzierten. Aus gutem Grund: Im Ballungsraum habe man bei Gründung des VRR in den 1980er-Jahre die Straßen von Verkehr entlasten wollen. „Das konnten wir in Westfalen nicht, daher ist es hier tendenziell teurer“, so Beele. Dass der politische Kreis Unna insgesamt nicht dem VRR-Tarifgebiet angehöre, sei keine Willkür, sondern eine politische Entscheidung gewesen. Uli Beele: „Das hätte man erkaufen müssen.“

Schwacher Trost für Fußballfans oder Berufspendler

Berufspendler, Fußballfans oder Besucher von Kulturveranstaltungen westlich von Fröndenberg wie Dr. Stefan Klemp kann diese Historie nur wenig trösten: „Fröndenberg ist die Toskana des Ruhrgebiets. Ideale Voraussetzungen für eine touristische Zukunft. Die Stadt möchte attraktiv sein für junge Menschen, Familien und Pendler. Dazu gehören vernünftige Anbindungen im öffentlichen Nahverkehr.“

Die Kosten sind sehr unterschiedlich und im Westfalentarif teuer, findet Dr. Stefan Klemp. Er macht folgende Rechnung auf: „Das Monatsticket Dortmund-Unna kostet im VRR-Abo 97 Euro. Im Westfalentarif kostet das Monatsticket Dortmund - Fröndenberg im Abo 150 Euro. Das Einzelticket Fröndenberg-Dortmund kostet im Westfalentarif 10,20 Euro, während das Einzelticket von Dortmund nach Unna im VRR sechs Euro kostet. Für eine Fahrt von Fröndenberg nach Unna muss ich im Westfalentarif vier Euro bezahlen. Die Fahrt nach Schwerte kostet sogar 5,50 Euro. Interessantes Detail: Obwohl die Fahrt von Fröndenberg nach Schwerte teurer ist als die nach Unna, kostet das Ticket von Fröndenberg nach Dortmund immer 10,20 Euro, egal ob man direkt, über Schwerte oder Unna fährt. Auch von Menden aus kostet die Fahrt nach Dortmund 10,20 Euro, also genau so viel wie von Fröndenberg aus, obwohl die Strecke nach Menden weiter ist.“
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