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Zeugen sollen sich an die Farbe eines Baucontainers erinnern

Landgericht

Seit Monaten läuft der Prozess gegen einen Mann, der nach der DFB-Pokalfeier eine Frau in seinem Auto missbraucht haben soll. Inzwischen spielt sogar die Farbe eines Containers eine Rolle.

Dortmund

, 16.07.2018

Nachdem er die Frau mit der Lüge, er sei Mitarbeiter des Ordnungsamts und könne ihr bei der Suche nach ihren Begleitern helfen, in sein Auto gelockt haben soll, soll der Angeklagte ihr während der darauf folgenden Fahrt nach Ennepetal immer wieder zwischen die Beine und an die Brust gefasst haben. Laut Staatsanwaltschaft ereigneten sich die Übergriffe bei hohem Fahrtempo. Die Frau habe sich aus Angst vor einem möglichen Unfall nicht getraut, sich zur Wehr zu setzen, so die Anklage.

Erst in Ennepetal will das mutmaßliche Missbrauchs-Opfer dann aus dem Auto geflohen sein. Sie habe sich kurz hinter zwei Baucontainern versteckt und sei dann die rund 600 Meter zu ihrer Wohnung gesprintet, hat die Frau vor Gericht ausgesagt.

Rot, silber oder gar keine?

Die Frage ist nun: Standen an dem fraglichen Fluchtort überhaupt Baucontainer? Und wenn ja: Wo genau standen diese vor dem Haus? Und welche Farbe hatten diese? Die Frau schildert in ihrer Aussage zwei silberne Container in der üblichen Größe. Nachbarn von gegenüber und andere Anwohner haben dagegen andere Beobachtungen gemacht.

Am Montag vernahm das Landhericht den Betreiber eines Containerdienstes, der angab, vor das fragliche Haus tatsächlich einen Container geliefert zu haben. "Laut Rechnung war das aber erst im Juli", sagte der Zeuge. "Und meine Container sind alle rot. Andere habe ich gar nicht." Davon abgesehen, habe er auch zu keiner Zeit einen Container direkt vor das Haus gestellt. Wohl aber in die Einfahrt daneben.

Unklarheiten über Baucontainer führen wohl zu Verlängerung des Prozess

Als zweiter Zeuge sollte anschließend der damalige Besitzer des Hauses aussagen. Der Mann hielt sich Ende Mai allerdings nur noch sporadisch an der Adresse in Ennepetal auf, weil er die Immobilie bereits verkauft hatte. "Wenn ich da war, stand da ein Container", erinnerte er sich. "Der war grün und stand direkt unter meinem Küchenfenster." Also ebenfalls in der Einfahrt und nicht vor dem Eingang.

Die Richter fragten schließlich auch die Mitarbeiter und Bewohner einer Wohngruppe von gegenüber – und bekamen damit die dritte Version zu hören. "Da stand regelmäßig ein Container vor dem Haus. Der ragte in die Straße hinein, so dass die Autos sogar zum Bremsen gezwungen wurden", sagte einer der Betreuer. Zur Farbe könne er aber keine Angaben machen.

Damit ist weiter unklar, ob sich die Tat wirklich so ereignet haben kann, wie das mutmaßliche Opfer sie schildert. Und Fakt ist auch, dass der Prozess deshalb noch lange nicht zu Ende gehen wird.