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Wie Dortmund WM-Stadt wurde

dzDortmunder WM-Geschichten

Dass das Westfalenstadion 1974 eine WM-Arena wurde, war keine Selbstverständlichkeit. Im Gegenteil: Es war nicht nur dem Umstand zu verdanken, dass eine andere Stadt verzichten musste.

von Gerd Kolbe

Dortmund

, 27.06.2018 / Lesedauer: 3 min

Es waren Frauen, die als erste im neuen Westfalenstadion dem Ball nachjagten. „Runde weibliche Waden und hüpfende Busen rissen die etablierte Fußball-Männerwelt zu Jubelarien hin!“ Mit dieser wunderbaren Formulierung würdigte eine heimische Tageszeitung die Tatsache, dass der Fußball-Tempel an der Strobelallee am 2. April 1974 durch die Fußball-Amazonen aus Mengede und Waltrop eröffnet wurde.

Erich Rüttel, der Sportdezernent der Stadt, hatte sich gegen den BVB und den DFB durchgesetzt. Im Gegensatz zu diesen prognostizierte Rüttel dem Damenfußball eine große Zukunft. Und so kam es, dass um 18.18 Uhr eine Dame aus Mengede mit dem wohlklingenden westfälischen Namen Elisabeth Podschwadtke das erste offizielle Tor im neuen Dortmunder WM-Stadion erzielte und damit stadion-historisch unsterblich wurde!

Viele Lobeshymnen

Der 2. April 1974, ein Dienstag, ist und bleibt für zahllose Fußballfans unvergesslich: Das Westfalenstadion, das erste reine Fußballstadion Deutschlands, wurde eröffnet. Eingebettet in ein buntes Unterhaltungsprogramm spulte sich ein Fußball-Volksfest par exellence vor 50.000 begeisterten Besuchern ab. Natürlich gab es die obligatorischen Eröffnungsreden von Oberbürgermeister Günter Samtlebe und BVB-Präsident Heinz Günther. Natürlich begeisterten die schmucken „Goldstar Majorettes“ aus Arnheim und natürlich war das obligatorische Polizeiorchester mit von der Partie. Naheliegend war auch ein Eröffnungsspiel des BVB gegen den FC Schalke 04 (0:3). Das eigentliche Interesse aber galt selbstverständlich dem neuen internationalen Stadionhit namens „Westfalenstadion“.

Wie Dortmund WM-Stadt wurde

Polizeibeamte überwachten das WM-Spiel zwischen den Niederlanden und Schwerden, das 0:0 ging. © BVB-Archiv

Die Faszination war riesengroß. Die Atmosphäre, die Nähe der Zuschauer zum Spielfeld, das Flutlicht, der Service für die Fans – superb! Selbst die kritische Presse erging sich in überschwänglichen Lobeshymnen. „Die sogenannten Dortmunder Drillinge – Westfalenhalle, Westfalenpark, Westfalenstadion – dürften neben dem Olympiapark in München das größte und bedeutendste Sportzentrum der Bundesrepublik sein“, schrieb die FAZ. „Ein tolles Stadion mit englischer Atmosphäre“ oder „Ein Stadion für die Callas“ war weiter zu lesen.

Dabei war der Weg des Westfalenstadions bis zu seiner Eröffnung ein spektakulärer Hindernislauf für alle Beteiligten.

Ein Rückblick: Die Kampfbahn Rote Erde – Jahrgang 1926 – war mittlerweile eine „alte Stadion-Dame“. Die Stadt Dortmund plante deshalb bereits Mitte der 1960er Jahre eine reine Fußballarena als Zwillingsstadion.

Mit diesem wegweisenden Gedanken trat man frühzeitig an den DFB heran und unterbreitete eine WM-Bewerbung für 1974. Dortmunds Sportdezernent und „Stadionvater“ Erich Rüttel brachte dann aus Montreal eine interessante Anregung mit: Dort hatte man kostengünstig ein Stadion in Fertigbauweise erstellt. Das wurde zum Vorbild für Dortmund und reduzierte die Baukosten von 60 Mio. auf 32 Mio. DM. Die Finanzen stimmten jetzt. Nicht aber die Größe. Dortmunds WM-Arena konnte nur 54.000 Besucher aufnehmen. 60.000 wurden aber für die WM gefordert. Rüttel bekam einen „blauen Brief“ der FIFA. Das hieß: keine WM-Stadt für 1974, keine finanzielle Unterstützung von Bund, Land und Glücksspirale.

Wie Dortmund WM-Stadt wurde

Das Foto zeigt die Baustelle 1973, im April 1974 schließlich wurde das Westfalenstadion eröffnet. © BVB-Archiv

Da in dieser Phase der BVB sowohl sportlich als auch wirtschaftlich erheblich schwächelte, wurde es kommunalpolitisch eng. Es gab schließlich endlos städtische Aufgaben auf den verschiedensten Gebieten. War damit das Ende für die Stadionpläne gekommen? Nein! Denn im Oktober 1971 entschied der Rat der Stadt in einer spektakulären Sitzung den Bau des Westfalenstadions „auf eigene Kappe“ und ohne fremde Hilfe!

Politischer Mut

Das war kühn und richtungsweisend! Sofort danach begann der Bau. Und dann die Sensation: Köln musste seine WM-Bewerbung aus finanziellen Gründen zurückziehen, und Dortmund bekam doch noch den Zuschlag. Als WM-Reservestadt quasi. Der Stadion-Hit der WM 1974 war geboren! Vier spektakuläre WM-Spiele waren der Lohn des politischen Mutes, die Stadt bekam die erhofften WM-Gelder und der 1972 aus der Bundesliga abgestiegene BVB hatte eine neue Heimat und eine entscheidende Grundlage für den Wiederaufstieg 1976.

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